Neubau ab 2018

Abschied vom Weltstadt-Anspruch? Bonn sprengt sein Bonn-Center

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Das Bonn-Center wird abgerissen.
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Bonn - Das Bonn-Center war vor 50 Jahren Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins der damaligen Hauptstadt. Jetzt wird es abgerissen. Doch der Traum vom „Weltstadtformat“ ist keineswegs ausgeträumt.

Als vor genau 50 Jahren die Planungen für das 18-stöckige Bonn-Center bekannt wurden, zog man Vergleiche bis hin zum Rockefeller Center in New York. Hier wie dort gab es schließlich eine Eislaufbahn. Und außerdem Leuchtreklame, ein Hotel und eine Sauna „für Bürger und Beamte beiderlei Geschlechts“. Es gehe darum, dem „durablen Provisorium Bonn etwas von Weltstadt aufzuschminken“, schrieb der „Spiegel“ bei der Eröffnung 1969. Zum weithin bekannten Erkennungsmerkmal wurde ein sich drehender Mercedes-Stern auf dem Dach. Am nächsten Sonntag (19. März) wird das Hochhaus im ehemaligen Regierungsviertel nun gesprengt.

Heute kann kaum noch jemand nachempfinden, dass man den monotonen Kasten einmal mit Metropolen-Flair verband. Doch so war es damals - Hochbau und vielspurige Straßen standen für Urbanität. Der Geschäftskomplex war Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins: Bonn war Hauptstadt und würde es auf absehbare Zeit bleiben. Heute alles Geschichte. Auch wenn 14 Ministerien weiter in Bonn sitzen: Prägend sind sie nicht mehr. Bonn ist eine Hauptstadt a. D.

Wer sich heute dort umschaut, kann leicht den Eindruck gewinnen, dass Bonn nicht weiß, was es sein will: Da ist das fast kleinstädtisch anmutende Zentrum der alten Universitätsstadt mit Giebelhäusern und verwinkelten Gassen. Und da ist das Bundesviertel, wie es immer noch genannt wird. Die Bauten, die hier stehen, könnte man ohne weiteres nach Berlin verpflanzen, einschließlich der breiten Straßen und windigen Plätze. Auch das 60 Meter hohe Bonn-Center steht hier. An seiner Stelle soll ein Bürogebäude entstehen, das nach dem Bebauungsplan sogar noch höher werden darf - bis zu 100 Meter.

„Ursprünglich sollte mit diesen Bauten eine Art Zentralität hergestellt werden, aber das ist eben nicht gelungen“, sagt Stephan Berg, Direktor des Kunstmuseums Bonn. „Eine wirkliche Aufenthaltsqualität hat es nicht. Es fehlt vollkommen an einer normalen Alltags-Infrastruktur. Und das führt dazu, dass das Ganze geradezu extraterrestrisch wirkt.“ Man fährt aus der Innenstadt mit der U-Bahn hierher, sieht sich zum Beispiel eine Ausstellung in der Bundeskunsthalle an und fährt wieder zurück.

Gleichwohl ist das wirtschaftlich boomende Bundesviertel mit dem Post Tower, der Museumsmeile und dem UN-Campus Bonns Stolz. Auf dem UN-Gelände rund um das frühere Abgeordneten-Hochhaus Langer Eugen sitzt zum Beispiel das UN-Klimasekretariat, das die Umsetzung des Pariser Abkommens koordiniert. „Wir wollen den Standort in diese Richtung weiterentwickeln, und da ist eine unheimliche Dynamik drin“, schwärmt Planungsdezernent Helmut Wiesner. Die Hauptstadt der alten Bundesrepublik hat sich nach seiner Überzeugung neu erfunden.

Stephan Berg hat nicht den Eindruck, dass sich die Bonner Stadtgesellschaft mit dem UN-Thema wirklich identifizieren kann. „Diese Transformation Bonns von der deutschen Hauptstadt zu einer internationalen UN-Stadt ist etwas, was meines Erachtens die Bevölkerung nicht wirklich erreicht und auch nicht wirklich emotional interessiert. Das ist zu abstrakt.“ Anstatt zu versuchen, seine eigene Identität zu entwickeln, stülpe sich Bonn etwas über, was ihm im Grunde eine Nummer zu groß sei.

Das sieht man in der Stadtverwaltung naturgemäß anders. „Ich glaube nicht, dass die Stadt einen Komplex hat, dass sie versucht, weltstädtischer zu sein als sie eigentlich ist“, sagt die Leiterin der Bonner Wirtschaftsförderung, Victoria Appelbe. Appelbe stammt aus England, hat also durchaus den Blick von außen. „Ich kann mich noch genau erinnern: Ich war in einer Straßenbahn, fuhr durch die Altstadt auf Wohnungssuche, und es waren acht oder neun Sprachen um mich herum. Und die Menschen gaben sich so, als ob es das Normalste von der Welt wäre.“ Das sorge dafür, dass Bonn trotz seiner vergleichsweise bescheidenen Größe mit 320.000 Einwohnern „eben doch Weltstadtformat“ habe.

Klar, dass das Bonn-Center einst mit dem Rockefeller Center verglichen wurde, das findet auch Planungsdezernent Wiesner komisch. Aber gleichzeitig verwendet er für die Bonner Rheinaue selbstverständlich die Formulierung „der Central Park von Bonn“. Das Bonn-Center mag abgerissen werden. Aber eine normale deutsche Großstadt will Bonn deshalb noch lange nicht sein.

dpa

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