Krisenmaßnahmen laufen an

Afrikanische Schweinepest in Deutschland angekommen

Ein Schild mit der Aufschrift "Afrikanische Schweinepest - Sperrbezirk" steht in einem Zentrallager für Tierseuchenbekämpfungsmaterial (Archiv). Die ASP hat Deutschland erreicht. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
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Ein Schild mit der Aufschrift "Afrikanische Schweinepest - Sperrbezirk" steht in einem Zentrallager für Tierseuchenbekämpfungsmaterial (Archiv). Die ASP hat Deutschland erreicht. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Der Ernstfall ist da: Die schon länger in Osteuropa kursierende Afrikanische Schweinepest ist in Brandenburg angekommen. Die Behörden wollen sie nun rasch eindämmen. Beim Export gibt es erste Probleme.

Berlin/Potsdam (dpa) - Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat nun auch Deutschland erreicht und versetzt viele Landwirte in Sorge. Die für Menschen ungefährliche Tierseuche wurde erstmals bei einem toten Wildschwein in Brandenburg nachgewiesen, wie Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) mitteilte.

In zwei Landkreisen nahe der Grenze zu Polen liefen Krisenmaßnahmen an, um weitere Spuren zu suchen und eine Ausbreitung zu unterbinden - womöglich auch auf Schweineställe. Südkorea verbot umgehend die Schweinefleisch-Einfuhr aus Deutschland. Weitere Exportstopps jenseits der EU könnten folgen.

Entdeckt wurde das tote Wildschwein von einem Spaziergänger auf einem abgeernteten Maisfeld sieben Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt. Um den Fundort in der Gemeinde Schenkendöbern wurde ein vorläufiges gefährdetes Gebiet mit einem Radius von 15 Kilometern festgelegt - es umfasst die Landkreise Spree-Neiße und Oder-Spree und reicht bis nach Polen hinein. In der Zone gibt es nach Angaben des brandenburgischen Verbraucherministeriums rund 20 Schweinehalter, einer mit 5000 Schweinen ist sieben Kilometer vom Fundort entfernt.

Ressortchefin Ursula Nonnemacher (Grüne) sagte: "Wir müssen jetzt alles versuchen, um eine weitere Ausbreitung des Seuchengeschehens zu verhindern". In dem Gebiet sind daher Beschränkungen vorgesehen. Angeordnet werden soll ein striktes Jagdverbot, um Wildschweine nicht aufzuschrecken. Möglich sind auch Ernteverbote für Maisfelder. Veranstaltungen mit Schweinen wie Hoffeste oder Agrarschauen werden untersagt. Später solle auch eine "Kernzone" eingerichtet werden. Landestierarzt Stephan Nickisch sagte, sie solle einen Radius von mindestens drei Kilometern um den Fundort haben. Die Zone soll dann auch eingezäunt werden, das Betreten soll verboten werden.

Das bundeseigene Friedrich-Loeffler-Institut hatte den ASP-Verdacht als nationales Referenzlabor bestätigt. Nach Angaben von Präsident Thomas Mettenleiter wurden drei Proben überprüft, die eindeutig positiv waren. Zuvor hatte das Landeslabor in ersten Untersuchungen den Verdacht festgestellt. Der Kadaver war demnach schon "weitgehend verwest". Es sei davon auszugehen, dass der Virus-Eintrag bereits vor einigen Wochen stattgefunden habe. Die Stelle wurde desinfiziert.

Ein Übertreten der Tierseuche nach Deutschland war befürchtet worden. Im März war in Polen ein daran gestorbenes Wildschwein nur etwas mehr als zehn Kilometer vor der Grenze zu Deutschland entdeckt worden. Als Ursache für die Verbreitung in Europa über längere Entfernungen wird achtloses Wegwerfen von Speiseabfällen vermutet, die den Erreger enthalten. Das Bundesagrarministerium ruft deshalb bereit seit Jahren unter anderem Autofahrer aus Osteuropa zur Vorsicht auf.

Die Landwirtschaft muss sich auf wirtschaftliche Folgen einstellen. Klöckner warnte aber vor Panikmache: "Es ist ein Wildschwein gefunden worden in einem Landkreis." Der Handel mit Schweinen und Fleisch in der EU könne weitgehend aufrechterhalten werden - von Einschränkungen betroffen wären nicht Betriebe in ganz Deutschland, sondern nur aus dem konkreten Gebiet. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sicherte möglicherweise betroffenen Landwirten Hilfe zu. "Eines ist ganz klar: dass neben der Seuchenbekämpfung auch die Stabilisierung dieser Betriebe erfolgen muss."

Allerdings ist zu befürchten, dass Exporte aus Deutschland besonders nach Asien in wichtige Märkte wie China weitgehend wegfallen könnten. Man sei aber in Kontakt mit mehreren Nicht-EU-Staaten, um ebenfalls nur regional für Deutschland geltende Beschränkungen zu vereinbaren, erklärte das Bundesministerium. Südkorea verhängte das Importverbot für Lieferungen ab Donnerstag. Schon aus Deutschland eingetroffenes Schweinefleisch soll vom Zoll gründlich untersucht werden.

Klöckner sagte, sicherlich dürften deutsche Schweinehalter nun auch anderswo noch stärker in "Habacht-Stellung" sein. Sie würden aber jetzt nicht bundesweit für einen Fund in einem Landkreis "verhaftet". Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte: "Schweinefleisch kann weiter bedenkenlos verzehrt werden. Dennoch machen wir uns große Sorgen." Schweinehalter hätten umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Die Vorsorge müsse aber verstärkt werden. Um die ASP einzudämmen, brauche es eine wildschweinfreie Zone an der polnischen Grenze.

Klöckner betonte: "Die Afrikanische Schweinepest ist für den Menschen ungefährlich." Einen Impfstoff gibt es nicht. Brandenburg hatte einen 120 Kilometer langen Elektrozaun an der Grenze errichtet. Er soll Wildschweine aufhalten. Ein fester Schutzzaun im Kreis Spree-Neiße ist geplant. Auch am sächsischen Grenzverlauf wurde ein Zaun gebaut. Wie Klöckner sagte, kam der von Deutschland angeregte Bau eines gemeinsamen Schutzzauns mit Polen nicht zustande.

Grünen-Agrarpolitiker Friedrich Ostendorff warnte angesichts des ersten ASP-Falles vor einem höherem Seuchenrisiko in Regionen mit intensiver Schweinehaltung. FDP-Fachpolitiker Gero Hocker regte an, wegen der akuten Gefahr für Tausende Wild- und Hausschweine schnellere Erprobungs- und Zulassungsverfahren für die Entwicklung eines Impfstoffes gegen die Schweinepest zu prüfen.

© dpa-infocom, dpa:200910-99-502202/6

Bundesagrarministerium zur Afrikanischen Schweinepest

Friedrich-Loeffler-Institut zur Afrikanischen Schweinepest

Bundesagrarministerium zu Verdachtsfall in Brandenburg

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