Anschlag in Hanau

Kurz nach Anschlag in Hanau feiern Mitarbeiter des Bundestags eine wilde Party

Kurz nach dem Anschlag in Hanau hauen Mitarbeiter des Bundestags auf den Putz: Sie feiern eine Party, während draußen der Ermordeten gedacht wird.

  • Kurz nach dem Anschlag von Hanau feiern Mitarbeiter des Bundestags eine wilde Party.
  • In Hanau* waren nur wenige Stunden zuvor zehn Menschen ermordet worden.
  • Die Mitarbeiter des Bundestags feierten trotz des Anschlags in Hanau mit lauter Musik bis in die Morgenstunden.

Hanau/Berlin - Es war der Tag nach dem rassistischen Anschlag in Hanau. In den Stunden zuvor waren zehn Menschen waren ermordet worden - neun davon erschossen in und vor zwei Shisha-Bars in Hanau. Der Terroranschlag schockte Hanau und das ganze Land. Vielerorts fanden Mahnwachen statt - auch in Berlin. Die Tat reihte sich ein in eine Serie von rechtsextremen und rassistischen Anschlägen in Deutschland*.

Doch während die Menschen den Opfern des rassistischen Anschlags von Hanau gedachten, feierten einige Mitarbeiter des Bundestags am 20. Februar 2020 ein wildes Fest - nur wenige Meter entfernt von einer Mahnwache am Brandenburger Tor in Berlin. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. 

Nach Anschlag von Hanau: Party parallel zu Mahnwache

Wegen der Morde in Hanau war die traditionelle Karnvalsparty im Bundestag abgesagt worden. Der Direktor der Bundestagsverwaltung hatte eine Karnevalsfeier im Bundestag sogar ausdrücklich untersagt. Doch das hinderte einige Mitarbeiter des Bundestags nicht, eine Ersatzfeier zu organisieren. Nach „SZ“-Informationen begann die Party noch während der Hanau-Mahnwache am Brandenburger Tor - und zog sich bis in die Nacht. An der Party mit Kostümwettbewerb sollen rund 100 Menschen teilgenommen haben. 

Trotz des Anschlags von Hanau feierte man also Karneval: Ein Flur wurde zur Tanzfläche und man drehte die Musik auf - so laut, dass laut „SZ“ die Polizei anrücken musste. Obwohl die Beamten darum baten, die Lautstärke zu drosseln, sei die Party „fröhlich“ weitergegangen. Auf der Party soll sogar nur eine „sehr unschöne rassistische Bemerkung“ gefallen sein - nur wenigen Stunden nach den rassistischen Morden von Hanau.

Party trotz Anschlag von Hanau: Laute Musik bis in den Morgen

Große Konsequenzen hatte die Karnevalsparty der Bundestagsmitarbeiter bislang wohl nicht. Jene Frau, die die Ersatzparty organisiert hatte, sei inzwischen sogar befördert worden, berichtet die „SZ“ weiter. Allerdings seien Teile der Belegschaft „schockiert“ über die Vorfälle gewesen.

Nach dem T error-Anschlag in Hanau verbreiteten soziale Medien und fragwürdige Nachrichtenportale zahlreiche Fake News - teilweise bis heute. Zuletzt hatten Unbekannte die Scheibe eines Gedenkortes an den Anschlag in Hanau-Kesselstadt mit einem Pflasterstein eingeworfen.

Es ist knapp drei Monate her, dass in Hanau neun Menschen durch einen rassistisch motivierten Anschlag* starben. Die Angehörigen versuchen, das Trauma zu bewältigen – doch durch die Corona-Regeln wird die Trauerarbeit nicht leichter.

Von Steffen Herrmann

Ein Vierteljahr nach dem rassistisch motivierten Anschlag bezeichnet Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) die Aufklärung und Konsequenzen von Hanau als bisher „unzureichend“*.

Vili Viorel Păun ist eines der Opfer des Terroranschlags von Hanau. Bislang galt er als Zufallsopfer. Doch möglicherweise versuchte er den Täter zu stoppen.

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Rubriklistenbild: © Nicolas Armer/picture alliance/dpa

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