Impfkommission ändert Empfehlung

Verwirrung um deutsches Astrazeneca-Aus für Jüngere: EMA sieht keine Risikofaktoren beim Alter

Beim Astrazeneca-Impfstoff folgt eine Kurskorrektur. Für Menschen unter 60 Jahren wurden Impfungen generell gestoppt. Die Entscheidung der Gesundheitsminister sorgt für Fragen.

  • Corona-Impfungen mit Astrazeneca soll es generell nur noch für Über-60-Jährige geben. Doch viele Fragen sind noch zu klären (Update vom 31. März, 9.11 Uhr).
  • Die Ständige Impfkommission (Stiko) änderte ihre Empfehlung für Astrazeneca-Impfungen offiziell. Bund und Länder folgten (siehe Update vom 30. März, 18.50 Uhr).
  • Beim Astrazeneca*-Impfstoff sieht die EMA kein altersspezifisches Risiko (Update vom 31. März, 15.45 Uhr).
  • Dieser News-Ticker wird fortlaufend aktualisiert.

Update vom 31. März, 16.33 Uhr: Die EU-Arzneimittelbehörde EMA bekräftigt auf einer Pressekonferenz ihre Auffassung zu Astrazeneca (siehe Update vom 31. März, 15.45 Uhr). Die Überprüfungen von neuen Hinweisen auf Blutgerinnsel (Thrombosen) laufe noch. EMA-Chefin Emer Cooke verweist darauf, dass eine unabhängige Expertengruppe die Fälle analysieren würde. Auf die Frage, ob Schwangere sich impfen lassen sollten, rät Cooke in jedem Fall den behandelnden Arzt zufragen.

62 Thrombose-Fälle würden der EMA bei 9,2 Millionen Astrazeneca-Impfungen vorliegen - Stand 26. März. (Anmerkung der Redaktion: 32 Fälle davon wurden aus Deutschland gemeldet). Es gäbe ein Risiko von 1 zu 100.000 bei Menschen unter 60 Jahren, so EMA-Chefin. „In der Altersgruppe von 30 bis 45 Jahren tritt die Komplikation bei Frauen verstärkt auf.“ Seit Anfang Januar, Februar seien mehr Frauen als Männer geimpft worden. Bis nächsten Mittwoch sollen weitere Daten ausgewertet werden. Ursachen für die Komplikationen bei den jungen Frauen seien laut EMA noch unklar. Ein sogenanntes atypisches Syndrom“ zähle zur Hypothese.

„Wir haben die Pflicht den Impfstoff zu überwachen, solange er auf den Markt ist“, betont Cooke.

Wie sollen sich Astrazeneca-Geimpfte verhalten?

Wenn vier bis 16 Tage nach der Impfung folgende Symptome auftreten sollen sich Geimpfte sofort an einen Arzt wenden:

- Kurzatmigkeit

- Unterleibsschmerzen

- Schwellungen in Armen oder Beinen

- bei starken oder anhaltenden Kopfschmerzen

- punktförmigen Hautblutungen

Das Bundesgesundheitsministerium weist darauf hin, dass es sich bei oben genannten Symptomen nicht um übliche Reaktionen direkt nach einer Impfung handelt. Impfreaktionen sind Zeichen einer Immunreaktion des Körpers.

Verwirrung um deutsches Astrazeneca-Aus für Jüngere: EMA sieht keine Risikofaktoren beim Alter

Update vom 31. März, 15.45 Uhr: Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) sieht gegenwärtig keine spezifischen Risikofaktoren wie Alter und Geschlecht beim Covid-19-Impfstoff von Astrazeneca - jetzt Vaxzervria genannt. So lautet das erste Ergebnis des EMA-Sicherheitskomitees (PRAC) am Mittwoch (31. März).

„Ein ursächlicher Zusammenhang mit dem Impfstoff ist nicht bewiesen, aber er ist möglich und die weitere Analyse läuft“, heißt es in der EMA-Erklärung. Die Prüfungen würden aber weiter fortgesetzt, teilte die EMA mit. Bund und Länder hatten am Dienstag nach weiteren Berichten über Thrombose-Fälle den Einsatz des Astrazeneca-Vakzins auf Menschen ab 60 Jahren beschränkt.

Fünf Todesfälle nach Astrazeneca-Impfung in NRW

Update vom 31. März, 15.19 Uhr: Nordrhein-Westfalen erwartet am Karsamstag etwa 380.000 Dosen von Astrazeneca, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf. Diese sollen Menschen über 60 Jahren mit zusätzlich freigeschalteten Terminen angeboten werden. „Das ist ein Termin mit Astrazeneca - wer das nicht möchte, sollte dann gar nicht erst einen Termin buchen“, sagte Laumann. Er würde sich heute mit Astrazeneca impfen lassen und habe kein Problem damit, betonte der NRW-Gesundheitsminister. Noch sei er aber nicht an der Reihe.

In NRW habe es bislang acht „schwere Ereignisse“ im Zusammenhang mit Astrazeneca-Impfungen gegeben. Darunter seien auch fünf Todesfälle, bei denen es sich um Menschen unter 60 Jahren handle. „Wissenschaftler vermuten als Ursache für diese schweren Ereignisse eine besondere Immunreaktion, allerdings ist hier auch noch vieles ungeklärt“, sagte Laumann. Seit dem 8. Februar sei in NRW mit Verimpfen von Astrazeneca begonnen worden, die zweite Impfung stehe im Mai an. Bis dahin werde geklärt sein, wie weiter verfahren werden soll.

Saarland setzt Impfungen mit Astrazeneca vorerst aus

Update vom 31. März, 12.59 Uhr: Das Saarland setzt Impfungen mit Astrazeneca am Mittwoch vorübergehend aus.  Es seien aber keine Impftermine abgesagt worden, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Saarbrücken mit, wie der Saarländische Rundfunk (SR) berichtet. Statt Astrazeneca werde bei den Terminen nun mit Biontech* oder Moderna* geimpft. Alle Betroffenen seien bereits informiert.

Das weitere Vorgehen des Saarlandes werde am Mittwoch im Stab Impfen besprochen und veranlasst. Zwei Drittel der schon mit Astazeneca geimpften Frauen seien im kritischen Alter zwischen 20 und 60. Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) warte demnach die Einschätzung der Experten ab, ob diese Frauen für die zweite Impfung einen anderen Impfstoff bekommen sollen.

Europäische Arzneimittelagentur (EMA) berät über Astrazeneca

Update vom 31. März, 11.33 Uhr: Über die Sicherheit des Astrazeneca-Impfstoffes will die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) in der kommenden Woche (vom 6. bis 9. April) beraten. Eine Expertengruppe sei am Montag bereits zusammenkommen, heißt es. Dann werde auch eine Aktualisierung der EMA-Empfehlung erwartet, wie die EMA auf dpa-Anfrage mitteilte.

Der Sicherheitsausschuss der EMA hatte zuletzt bekräftigt, dass der Impfstoff „sicher und wirksam“ sei, und dass es keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel gebe. Die EMA hatte auch betont, dass Experten weiterhin Fälle von Thrombosen prüfen würden. 

Indes nennt Astrazeneca seinen Corona-Impfstoff um, wie Merkur.de* berichtet. Das Präparat hat jetzt offiziell einen neuen Namen

Update vom 31. März, 11.08 Uhr: Beim Thema Impfen ist in Deutschland noch viel Luft nach oben. Wirft die Altersbegrenzung von Astrazeneca jetzt die Impfkampagne zurück? SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert eine vorläufig neue Impfstrategie für Deutschland in der Coronavirus-Pandemie, wie Merkur.de* berichtet.

Astrazeneca: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Entscheidung

Update vom 31. März, 9.11 Uhr: Der Astrazeneca-Impfstoff soll ab diesem Mittwoch (31. März) in der Regel nur noch für Menschen über 60 Jahre verabreicht werden. So lautet die Entscheidung der Gesundheitsminister nach einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Doch es bleiben Fragen offen. Wer kann sich noch impfen lassen und was passiert, wenn die zweite Impfung noch aussteht?

Jüngere - Personen unter 60 Jahren - können sich nach Rücksprache mit dem Arzt und sorgfältiger Aufklärung auf eigenes Risiko weiterhin mit Astrazeneca impfen lassen. Das gilt vor allem für Hochrisikopatienten, bei denen die Gefahr eines schweren Covid-19-Verlaufs besonders hoch ist. Wenn Menschen sich dafür entscheiden, sollen diese Impfungen grundsätzlich in den Praxen für niedergelassene Ärzte erfolgen.

Astrazeneca - Was passiert mit der Zweitimpfung bei Unter-60-Jährigen?

Was passiert bei Unter-60-Jährigen, wenn die zweite Astrazeneca-Impfung noch aussteht? Diese Frage will die Stiko bis Ende April prüfen. Zwischen der Erst- und Zweitimpfung dürfen bei Astrazeneca maximal 12 Wochen vergehen. Betroffene können bis dahin warten, aber auch nach Rücksprache mit dem Arzt, „sorgfältiger Aufklärung“ und „individueller Risikoanalyse“ sich nach dem Beschluss mit Astrazeneca impfen lassen.

Der Deutsche Lehrerverband hat die Änderung der Altersgrenzen bei der Impfung mit Astrazeneca als „katastrophalen Rückschlag für die gerade Fahrt aufnehmende Impfung von Lehrkräften“ bezeichnet.

Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger forderte vor diesem Hintergrund eine schnelle Möglichkeit für unter 60-jährige Lehrkräfte, sich mit Biontech/Pfizer und demnächst mit Johnson & Johnson impfen lassen zu können. „Wenn dieser Austausch nicht sofort stattfindet, wird es mit der Durchimpfung von Lehrkräften im April nichts mehr werden“, sagte Meidinger der Deutschen Presse-Agentur. Das gefährde dann auch massiv zusätzlich zu den steigenden Inzidenzen die Chancen, Schulen weiter offenzuhalten. 

In Baden-Württemberg wurde wegen Astrazeneca eigens die Impfreihenfolge geändert, wie echo24.de* berichtet.

Astrazeneca-Aus für Jüngere: Gesundheitsminister ziehen nach - was passiert mit der Zweitimpfung?

Update vom 30. März, 21.49 Uhr: Bei der Pressekonferenz äußerten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn zum Stopp der Astrazeneca-Impfungen für Personen unter 60. „Bund und Länder haben entschieden, der Stiko zu folgen. Impfen ist das wichtigste Mittel gegen das Coronavirus, dass wir mehrere Impfstoffe haben, ist ein Glück“, meinte die Kanzlerin. Bald werde klar sein, „mit welchen Impfstoffen für Erstgeimpfte der volle Schutz erreicht wird“.

„Es war richtig, Astrazeneca auszusetzen, und sich ein Bild der Lage zu machen“, meinte Spahn rückblickend über die Aussetzung des Impfstoffs vor einigen Tagen, die jedoch wieder zurückgenommen wurde. Man könne sich darauf verlassen, „dass Impfstoffe akribisch überwacht werden“.

Corona: Spahn appelliert an über 60-Jährige - „können nun schneller geimpft werden“

„Uns ist bewusst, was so eine Entscheidung an einem Tag wie heute bedeutet. Die Länder werden die Empfehlung in der Impfkampagne ab morgen umsetzen“, so der Bundesgesundheitsminister. Spahn appellierte an die über 60-Jährigen, sich impfen zu lassen. „Die über 60-Jährigen können nun schneller geimpft werden“, es gelte nun „die Älteren in der wachsenden dritten Welle zu schützen“.

„Bei den Jüngeren kann jede und jeder mit einem Arzt selbst die Entscheidung abwägen, ob er mit Astrazeneca geimpft werden will“, sagte Spahn bezogen auf die 2,2 Millionen Personen unter 60, die bereits ihre Erstimpfung mit dem Astrazeneca-Mittel empfangen haben. Das Risiko einer thromboembolischer Nebenwirkungen sei „statistisch gering aber ernstzunehmend“, so Spahn. Wie genau es bei den betroffenen Personen nun weiter geht, bleibt jedoch unklar.

Allerdings werde jeder Erstgeimpfte ein Impfangebot bekommen, das zum „vollen Schutz“ führe, wie Spahn erklärte. „Impfen ist fast immer die bessere Entscheidung“, so der Aufruf des Bundesgesundheitsministers.

Corona: Gesundheitsminister der Länder folgen Stiko bei Astrazeneca-Empfehlung

Update vom 30. März, 20.48 Uhr: Nach dem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Dienstagabend, der Stiko-Empfehlung zu folgen und die Astrazeneca-Impfungen für Personen unter 60 Jahren zu stoppen, wartet bereits die nächste Entscheidung. Kanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn tagten am Dienstag mit den Ministerpräsidenten der Länder und präsentieren die Ergebnisse im Laufe des Abends in einer Pressekonferenz.

Update vom 30. März, 19.55 Uhr: Nach der Änderung der Empfehlung für die Astrazeneca-Impfungen durch die Ständige Impfkommission zogen nun auch die Gesundheitsminister von Bund und Ländern nach. Nach einem Beschluss soll der umstrittene Impfstoff ab Mittwoch ausschließlich für Personen ab 60 Jahren eingesetzt werden. Für 60-Jährige sollen sich dem Beschluss zufolge „nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung“ weiter mit dem Astrazeneca-Mittel impfen lassen können. Das berichtete die dpa am Dienstagabend.

Update vom 30. März, 18.50 Uhr: Am Dienstagabend verkündete die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut nach dem teilweisen Stopp von Astrazeneca-Impfungen ihre Empfehlungen. Demnach soll das Corona-Vakzin nur noch Menschen ab 60 Jahren verabreicht werden. Der Grund dafür sei das Auftreten „seltener, aber sehr schwerer thromboembolischer Nebenwirkungen“. Diese seien vier bis 16 Tage nach der Impfung besonders bei Geimpften unter 60 aufgetreten.

Noch ist jedoch offen, wie es mit der Zweitimpfung der Personen weiter geht, die bereits ihre erste Dosis erhalten haben. Eine diesbezügliche Erklärung folge bis Ende April, wie die Stiko mitteilte. Die ersten Zweitimpfungen seien beim empfohlenen Impfabstand von zwölf Wochen Anfang Mai vorgesehen. Erst 767 Personen erhielten in Deutschland die Zweitimpfung mit Astrazeneca, hingegen erhielten fast 2,7 Millionen Menschen die Erstimpfung.

Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen entschieden bereits vor der offiziellen Stiko-Empfehlung darüber, das Vakzin bei jüngeren Altersgruppen auszusetzen (siehe Update vom 30. März, 17.40 Uhr). Über das weitere Vorgehen mit dem Astrazeneca-Impfstoff beraten am Dienstagabend auch die Gesundheitsminister von Bund und Ländern.

Corona: Drittes Bundesland setzt Astrazeneca-Impfungen für unter 60-Jährige aus - Stiko-Empfehlung steht noch aus

Update vom 30. März, 17.40 Uhr: Nach Berlin, München und Brandenburg reagiert auch das Bundesland Nordrhein-Westfalen auf die Stiko-Empfehlung. Ein sofortiger Impfstopp für den Wirkstoff von Astrazeneca für Männer und Frauen unter 60 Jahren wurde demnach erlassen. Dies teilte eine Sprecherin de Gesundheitsministeriums am Dienstag auf Anfrage.

Update vom 30. März, 16.35 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beraten noch an diesem Dienstag kurzfristig mit den Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen im Zusammenhang mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca. Das Bundespresseamt kündigte am Nachmittag eine Pressekonferenz für den Abend an - im Anschluss an ein „Informationsgespräch mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder zur weiteren Verwendung des Impfstoffs von Astrazeneca“.

Zuvor teilte das Bundesgesundheitsministerium in Berlin mit, dass Spahn seinen Länderkollegen einen Vorschlag zum weiteren Vorgehen machen wolle. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern sollten demnach am Dienstagabend ab 18 Uhr in einer Sondersitzung über den weiteren Umgang mit dem Astrazeneca-Impfstoff beraten (siehe Update vom 30. März, 14.38 Uhr).

Corona: Nächstes Bundesland setzt Astrazeneca-Impfungen für unter 60-Jährige aus

Update vom 30. März, 16.05 Uhr: Neben Berlin und München setzt auch Brandenburg Corona-Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin für Menschen unter 60 Jahren vorerst aus. Der Stopp gelte ab Dienstag und die Entscheidung sei mit dem Impflogistik-Stab abgestimmt worden, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mit.

Auch der Kreis Heinsberg teilte am Dienstag mit, Frauen unter 55 Jahren nun ausnahmslos mit dem Corona-Impfstoff von Biontech zu impfen. Das Gesundheitsamt habe in Abstimmung mit dem Krisenstab und der ärztlichen Leitung des Impfzentrums entschieden, dass mit sofortiger Wirkung der Impfstoff des Herstellers Astrazeneca nicht mehr an Frauen in der Altersgruppe unter 55 Jahre verimpft werden dürfe. Die Zweitimpfungen dieses Wirkstoffs stünden ab Mai an. Wie damit umgegangen wird, soll zu einem späteren Zeitpunkt geklärt werden.

Thüringen will hingegen die Astrazeneca-Impfungen vorerst nicht einschränken. Bisher sei keine Klinik bekannt, die das Impfen mit dem Astrazeneca-Vakzin eingestellt habe, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstag der dpa mit. Bevor man einen solchen Schritt im Freistaat gehe, wolle man die für den Abend geplante Schalte der Gesundheitsminister von Bund und Ländern abwarten (siehe Update vom 30. März, 14.38 Uhr). Man wolle keine „schnellen Entscheidungen treffen, die dann danach eventuell wieder keinen Bestand mehr haben“, hieß es.

Astrazeneca-Impfungen: Ständige Impfkommission ändert wohl Empfehlung

Update vom 30. März, 15.35 Uhr: Die Ständige Impfkommission (Stiko) soll Corona-Impfungen mit Astrazeneca nur noch für über 60-jährige Frauen und Männer in Deutschland empfehlen. Das berichtet die Augsburger Allgemeine und bezieht sich dabei auf einen Beschlussentwurf der Stiko zur Aktualisierung der Covid-19-Impfempfehlung. Astrazeneca-Impfungen für Menschen unter 60 Jahren sollen demnach nur noch nach ärztlichem Ermessen möglich bleiben.

„Auf Basis der derzeit verfügbaren, allerdings noch begrenzten Evidenz und unter Berücksichtigung der gegenwärtigen pandemischen Lage empfiehlt die Stiko, die Covid-19 Vaccine Astrazeneca für Personen im Alter über 60 Jahren zu verwenden“, zitiert die Augsburger Allgemeine aus dem Papier. „Ihr Einsatz unterhalb dieser Altersgrenze bleibt indes nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoakzeptanz nach sorgfältiger Aufklärung möglich“, heißt es darin weiter.

Hinsichtlich einer zweiten Impfdosis für jüngere Personen, die bereits eine Erstimpfung mit dem Astrazeneca-Vakzin erhalten haben, will sich die Stiko demnach Ende April äußern. Bis dahin sollen Studien ausgewertet werden, ob eine Zweitimpfung auch mit einem anderen Corona-Impfstoff möglich ist. Zudem empfiehlt die Kommission laut dem Bericht, die Zahl der Erstimpfungen zu beschleunigen und die Intervalle zwischen Erst- und Zweitimpfung auszudehnen, so wie es Karl Lauterbach im Gespräch mit Merkur.de gefordert hatte (siehe Update vom 30. März, 15.10 Uhr).

Astrazeneca-Impfung: Lauterbach befürwortet Impf-Stopp

Update vom 30. März, 15.10 Uhr: Für SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der lange gegen einen Impf-Stopp des Astrazeneca-Vakzins argumentiert hatte, ist dieser nun folgerichtig. „Nach Sichtung der Daten und Argumente, sowie nach Gesprächen mit Spezialisten schließe ich mich einer Änderung des Einsatzes des Astrazeneneca-Impfstoffes heute an. Ich hatte zunächst eine andere Position, aber man muss jetzt reagieren. Das Risiko für jüngere und gerade für Frauen unter 55 Jahren ist offenbar größer als gedacht“, sagte Lauterbach Merkur.de*.

Das zu Grunde liegende Phänomen, die Hirnvenenthrombose, trete besonders bei Jüngeren auf. Gerade Frauen seien häufiger betroffen. „Vermutlich macht es daher Sinn, die Einschränkung auf ganz Deutschland auszuweiten. Wir brauchen jetzt eine Lösung und möglichst nicht die, dass jedes Bundesland eine andere Regelung trifft“, so Lauterbach. Ein Schnellschuss sei jetzt nicht möglich, aber man müsse zwei Dinge tun: „Zum einen unbedingt die Erstimpfungen vorziehen und zum anderen prüfen, ob wir das Impfintervall zwischen Erstimpfung und Zweitimpfung beim Biontech-Impfstoff weiter ausdehnen können. Die Reihenfolge der Impfprioritäten sollten wir aber auf keinen Fall ändern.“

Astrazeneca-Impfung: Auch München stoppt Impfungen für Menschen unter 60 Jahren

Update vom 30. März, 14.55 Uhr: Auch in München werden bis auf Weiteres keine Menschen unter 60 mehr mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca geimpft. „Bis die Frage möglicher Impfkomplikationen geklärt ist, werden die Impfungen mit Astrazeneca für Personen unter 60 Jahren vorsorglich ausgesetzt“, teilte die Stadt München auf Twitter mit. Dies betreffe vor allem die geplanten Impfungen im Impfzentrum und im Isar-Klinikum. Die Impfungen in den Alten- und Service-Zentren könnten fortgesetzt werden.

Die Berliner Charité weitet ihren Impf-Stopp von Astrazeneca ebenfalls auf alle Menschen unter 60 Jahren aus. „Wir werden uns der Ankündigung von Frau Kalayci anschließen“, teilte Charité-Sprecherin Manuela Zingl am Dienstag mit. Zunächst hatte die Charité die Impfungen nur für Frauen unter 55 Jahren gestoppt (siehe Erstmeldung).

Corona-Impfung von Astrazeneca: Sondersitzung der Gesundheitsminister am Dienstag

Update vom 30. März, 14.38 Uhr: Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern wollen am Dienstagabend in einer Sondersitzung über den weiteren Umgang mit dem Impfstoff des Herstellers Astrazeneca beraten. Bundesminister Jens Spahn (CDU) will seinen Länderkollegen dabei einen Vorschlag zum weiteren Vorgehen machen, wie sein Ressort in Berlin mitteilte. Die Beratungen sollen um 18 Uhr beginnen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) wolle eine erneute Empfehlung aussprechen. Außerdem werde eine aktuelle Einschätzung des Paul-Ehrlich-Instituts erwartet, so Berlins Gesundheitssenatoren Dilek Kalayci (SPD).

In Deutschland sind bislang 31 Fälle einer Sinusvenenthrombose nach einer Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca bekannt, wie das Paul-Ehrlich-Institut am Dienstag berichtete. Bis Montagmittag (29. März) waren dem Institut 31 Fälle gemeldet worden, in 19 davon sei zusätzlich ein Mangel an Blutplättchen, eine Thrombozytopenie, gemeldet worden. Neun Betroffene seien gestorben.

Mit Ausnahme von zwei Fällen betrafen laut Paul-Ehrlich-Institut alle Meldungen Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren. Die beiden Männer waren demnach 36 und 57 Jahre alt. Laut Impfquotenmonitoring des Robert-Koch-Instituts (RKI) wurden bis einschließlich Montag 2,7 Millionen Erstimpfungen und 767 Zweitimpfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca durchgeführt.

Corona-Impfung von Astrazeneca: Berlin setzt Impfung bei allen unter 60 Jahren aus

Update vom 30. März, 13.30 Uhr: Jetzt setzt das gesamte Land Berlin die Corona-Impfungen mit dem Vakzin des Herstellers Astrazeneca für alle Menschen unter 60 Jahren vorsorglich aus. Das gab Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Dienstag bekannt und verwies auf neue Daten über Nebenwirkungen. Sie bezeichnete dies als „Vorsichtsmaßnahme“. Entsprechende Termine in Impfzentren werden laut Kalayci erst einmal abgesagt. Das Land wolle nun die Beratungen auf Bundesebene und Stellungnahmen der Fachleute wie des Paul-Ehrlich-Instituts abwarten.

Erstmeldung vom 30. März: Berlin - Die landeseigenen Berliner Kliniken Charité und Vivantes stoppen vorerst die Corona-Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca bei Frauen unter 55 Jahren. Das bestätigte eine Sprecherin am Dienstag.

„Obwohl in der Charité keine Komplikationen nach Impfungen mit Astrazeneca aufgetreten sind, will die Charité hier vorsorglich agieren und abschließende Bewertungen abwarten“, teilte die Universitätsklinik gegenüber dem Tagesspiegel mit. „Dieser Schritt ist aus Sicht der Charité notwendig, da in der Zwischenzeit weitere Hirnvenenthrombosen bei Frauen in Deutschland bekannt geworden sind“, erklärte Charité-Sprecherin Manuela Zingl die Entscheidung gegenüber der dpa.

Corona-Impfung von Astrazeneca: Charité und Vivantes-Kliniken mit Impf-Stopp bei Frauen unter 55

Die Charité habe in der Corona-Pandemie bisher rund 16.000 Erst- und Zweitimpfungen an ihr Personal verabreicht. „Davon entfiel der größte Teil auf Astrazeneca“, sagte Zingl weiter. Seit dem Jahreswechsel waren an der Charité und in den Vivantes-Kliniken zunächst Pflegekräfte und Ärzte auf Covid-19-Stationen mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer* geimpft worden, wie der Tagesspiegel berichtet.

Das Personal anderer Stationen, zuletzt auch patientenferne Mitarbeiter, seien demnach in den vergangenen Wochen mit Astrazeneca geimpft worden. Ob die Personen, die eine Erstimpfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff erhalten haben, auch eine Zweitimpfung des Präparats erhalten, sei zunächst unklar.

In Nordrhein-Westfalen sprachen sich die Leiter von fünf der sechs Unikliniken für einen vorläufigen Stopp von Impfungen jüngerer Frauen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca aus. Das Risiko von weiteren Todesfällen sei zu hoch, heißt es in einem gemeinsamen Brief an den Bundes- und den Landesgesundheitsminister, der der dpa vorliegt.

Corona-Impfung von Astrazeneca: Impf-Stopp bei jungen Frauen im Kreis Euskirchen

Bereits am Montag (29. März) hatte der Kreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen die Astrazeneca-Impfung für Frauen unter 55 Jahren gestoppt*. Eine 47 Jahre alte Frau hatte dort wenige Tage nach der Impfung eine Sinusvenenthrombose erlitten und war gestorben. Auch eine 28 Jahre alte Frau war nach der Impfung an einer solchen Thrombose erkrankt. Sie befindet sich nach Angaben des Kreises „in einem stabilen Zustand und wird in einer Spezialklinik versorgt“. Die Zusammenhänge werden derzeit noch überprüft.

Auch am Dienstag (30. März) erhielten Frauen im Kreis Euskirchen, die jünger sind als 55 Jahre, keine Corona-Impfung* mit dem Wirkstoff von Astrazeneca. „Alles andere geht normal weiter“, erklärte der Kreissprecher. Das Landesgesundheitsministerium erklärte zur Aussetzung der Impfung, es handele sich „um eine medizinische Entscheidung, die vorsorglich vor Ort getroffen worden ist“.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca: Stiko berät über Anpassung der Impfempfehlung

Alle Daten zu möglichen Nebenwirkungen bei Impfstoffen liefen beim Paul-Ehrlich-Institut und dem Robert-Koch-Institut (RKI)* zusammen. Nach Informationen des Ministeriums berate die Ständige Impfkommission derzeit, „ob aufgrund der Meldungen der vergangenen 10 Tage, eine erneute Anpassung der Impfempfehlung erforderlich ist“.

Nach einem vorsorglichen Impf-Stopp in Deutschland sprach sich die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) für den Impfstoff von Astrazeneca aus. Auch das Paul-Ehrlich-Institut, die oberste Impfbehörde in Deutschland, folgte der Empfehlung. Der Nutzen der Impfung überwiege angesichts der Schwere einer Covid-19-Infektion. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zwischenzeitlich bereits Impf-Privilegien für junge und jüngere Frauen ins Spiel gebracht, die Bedenken wegen Astrazeneca-Impfungen haben. (ph/dpa) *Merkur.de und echo24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Michael Matthey/imago

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