Sein Geständnis schockierte

Nach Messerattacke auf Fritz von Weizsäcker: Urteil gefallen - Angeklagter vermindert schuldfähig

Nach Messerattacke auf Fritz von Weizsäcker ist das Urteil über den Täter gefallen.
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Nach Messerattacke auf Fritz von Weizsäcker ist das Urteil über den Täter gefallen.

Nach der Messerattacke auf den Berliner Mediziner Fritz von Weizsäcker schockierte der Angeklagte mit seinem Geständnis. Jetzt ist das Urteil im Prozess gefallen.

  • Nach der Messerattacke auf Fritz von Weizsäcker startete nun der Prozess gegen den Angreifer. 
  • Der Angeklagte bereut die Tat nicht. Seine Aussagen vor Gericht schockieren (siehe Erstmeldung vom 26. Mai). 
  • Der Täter wurde wegen Mordes verurteilt (siehe Update vom 8. Juli).

Update vom 8. Juli: Rund acht Monate nach dem tödlichen Angriff auf denChefarzt Fritz von Weizsäcker ist der Angeklagte wegen Mordes verurteilt worden. Das Landgericht Berlin verhängte am Mittwoch eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren und ordnete die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Bei dem Urteil wurde eine verminderte Schuldfähigkeit berücksichtigt, sonst wäre bei Mord eine lebenslange Freiheitsstrafe zwingend.

Dass die Tat heimtückisch - ein juristisches Mordmerkmal - war, war eindeutig. Beim Urteil gegen den Mörder des jünsgten Sohns von Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker ging es vor allem um die Frage, ob der Täter schuldfähig oder geistig verwirrt war. Wenn die Schuldunfähigkeit nicht berücksichtigt worden wäre, hätte den Täter eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten.

Nach Messerattacke auf Fritz von Weizsäcker: Urteil gefallen - Angeklagter vermindert schuldfähig

Darüber hinaus wurde der 57-jährige Angeklagte aus Anderndach in Rheinland-Pfalz wegen versuchten Mordes an einem Polizisten verurteilt. Der Beamte war privat im Publikum des Vortrags, währenddessen der Täter Weizsäcker angriff. Bei dem Versuch den Bewaffneten zu stoppen, verletzte der Täter ihn schwer.

Das Gericht entsprach mit dem Urteil weitgehend der Forderung der Staatsanwältin. Sie hatte 14 Jahre Haft und die Unterbringung in der Psychiatrie gefordert. In ihrem Plädoyer sagte sie, der Täter habe den jüngsten Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker gegen Ende des Vortrags in der Schlosspark-Klinik Berlin heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen erstochen. Es sei eine sinnlose Tat eines psychisch nicht unerheblich gestörten Mannes. Als Motiv sah die Staatsanwältin Hass auf die Familie des Ermordeten, besonders auf den früheren Bundespräsidenten.

Auch seine Verteidiger sprachen sich für eine Verurteilung wegen Mordes aus

Fritz von Weizsäcker (59) war am 19. November 2019 durch einen Messerstich in den Hals getötet worden. Der Angeklagte, zuletzt als Packer in einem Logistikzentrum tätig, hatte die Tat gestanden, aber keine Reue gezeigt. Laut einem psychiatrischen Gutachten war er wegen einer Zwangsstörung in seiner Steuerungsfähigkeit vermindert schuldfähig.

Die beiden Verteidiger sprachen sich für eine Verurteilung wegen Mordes an dem Mediziner aus und verlangten im Fall des Polizisten einen Schuldspruch wegen gefährlicher Körperverletzung. Eine konkrete Freiheitsstrafe beantragten sie nicht. Er sehe allerdings nicht, dass weitere Gefahr von seinem Mandanten ausgeht, so einer der Verteidiger.

Nach Messerattacke auf Fritz von Weizsäcker -Angeklagter entsetzt mit Geständnis

Erstmeldung vom 26. Mai:

Berlin - Die tödliche Messerattacke auf den Berliner Chefarzt Fritz von Weizsäcker schockierte im November 2019, nun legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab. Die Aussagen des Angeklagten sorgten für Entsetzen, denn Gregor S. zeigte am Dienstag keinerlei Reue. 

Prozess nach Messerattacke auf Fritz von Weizsäcker - Angeklagter gesteht

Der Angeklagte schockiert mit seinem Geständnis. 

 „Ich habe den Sohn des ehemaligen Bundespräsidenten getötet“, sagte Gregor S. am Dienstag vor dem Berliner Landgericht. Doch damit nicht genug, schockierte der Angeklagte mit seiner fehlenden Reue: „Ich bin froh, dass er tot ist.“ Als Motiv für den Angriff vom 19. November 2019 gab er jahrelangen Hass auf Richard von Weizsäcker an.

Er gab in der Aussage am zweiten Prozesstag zu, die Tat seit längerer Zeit geplant zu haben und dafür eigens aus seiner Heimat in Rheinland-Pfalz nach Berlin gereist zu sein. Dort fuhr er zum Schlossparkklinikum, wo Fritz von Weizsäcker als Chef der Klinik für innere Medizin arbeitete. Die Tat hatte sich in dem Klinikum bei einem Vortrag des Mediziners ereignet.

Berlin: Angeklagter gesteht tödlichen Angriff auf Fritz von Weizsäcker

S. stand nach eigenen Aussagen gegen Ende des Vortrags aus dem Publikum auf und stach mit einem extra dafür gekauften Klappmesser auf von Weizsäcker ein. Von Weizsäcker erlitt dabei eine Luftembolie, an der er kurz danach starb.

Video: Weizsäcker-Angreifer kommt in psychiatrische Klinik

Obwohl bei der Tat ein Polizeibeamter eingeschritten war, der privat die Veranstaltung besuchte, konnte der Mediziner nicht gerettet werden. Auf ihn stach der 57-Jährige ebenfalls ein, wie er erläuterte. S. werden wegen dieses zweiten Angriffs nicht nur Mord, sondern auch versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. S. wurde noch am Tattag festgenommen. "Dass ich für den Rest meines Lebens eingesperrt werde, war mir klar", sagte er am Dienstag.

Berlin: Angeklagter bereut Messerattacke auf Fritz von Weizsäcker nicht 

Er bereue die Tat nicht. „Das war ja mein Lebensinhalt.“ Der 57-Jährige gab an, Richard von Weizsäcker für mitverantwortlich an der Produktion des Entlaubungsmittels Agent Orange zu halten. US-Truppen hatten im Vietnamkrieg Millionen Liter Agent Orange im Süden von Vietnam versprüht. Das Gift wird bis heute für schwere Missbildungen, Krebserkrankungen und Behinderungen bei der vietnamesischen Bevölkerung verantwortlich gemacht.

Der Deutsche bezeichnete sich selbst mehrfach als „traumatisiert“ vom Vietnamkrieg. Sein Trauma habe Anfang der 90er begonnen, nachdem er unter anderem einen Artikel des Magazins Spiegel über das Thema gelesen habe.

Berlin: Angeklagter berichtet von eigenem „Trauma“ 

Ein zentraler Punkt in dem Prozess ist die Schuldfähigkeit des Manns. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass S. die Tat „im Zustand der erheblich verminderten Schuldfähigkeit“ beging.

S. selbst wies dies bei seiner Aussage am Dienstag jedoch vehement zurück, auch wenn er sich als „Zwangsneurotiker“ bezeichnete und sich ein „schwaches Nervensystem“ bescheinigte. Seine Schuldfähigkeit sei jedoch nicht eingeschränkt. Die Frage soll in der Hauptverhandlung mithilfe eines psychiatrischen Gutachters geklärt werden.

Nach dem Tod eines dreijährigen Mädchens in einer Viersener Kita wurde eine 25-Jährige ehemalige Erzieherin festgenommen.

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