Verfahren eingeleitet

Bluttest auf Down-Syndrom als Kassenleistung steht bevor

+
Bluttest zur Feststellung von Trisomie 21 Derzeit entscheiden sich etwa zehn Prozent der Frauen, die mit einem Kind mit Down-Syndrom schwanger sind, für das Baby. 90 Prozent der Kinder kommen nicht zur Welt. Foto: Tobias Kleinschmidt/Symbol

Berlin (dpa) - Bei Risikoschwangerschaften könnten Ungeborene künftig auf Kosten der Krankenkassen per Bluttest auf Down-Syndrom untersucht werden.

Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken, das höchste Entscheidungsgremium im Gesundheitswesen, leitete ein offizielles Verfahren ein, bei dem unter anderem wissenschaftliche Fachgesellschaften, die Bundesärztekammer und der Deutsche Ethikrat Stellungnahmen dazu abgeben sollen.

Bislang müssen Schwangere den ab rund 130 Euro teuren Bluttest meist selbst zahlen. Voraussichtlich im Spätsommer will der Bundesausschuss entscheiden, ob die Leistung in den Katalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden soll. Ein Bündnis von Organisationen wendet sich gegen das Vorhaben. Sie fürchten mehr Abtreibungen.

Der Vorsitzende des Bundesausschusses, Josef Hecken, verwies dagegen auf die Risiken anderer Untersuchungen wie der Biopsie der Plazenta oder von Fruchtwasseruntersuchungen sowie die "hohe Testgüte" der Bluttests. Eine Anerkennung der Tests sehe der Ausschuss daher im Einzelfall als medizinisch begründet an. "Es geht nicht etwa um eine Reihenuntersuchung aller Schwangeren", betonte Hecken. Als Risiko-Schwangere gelten unter anderem Frauen ab 35 Jahren.

Derzeit entscheiden sich nach Expertenangaben etwa zehn Prozent der Frauen, die mit einem Kind mit Down-Syndrom (Trisomie 21) schwanger sind, für das Baby. 90 Prozent der Kinder kommen nicht zur Welt.

Für die Tests wird den Schwangeren ab der 11. Woche Blut abgenommen. Anhand der darin enthaltenen Chromosomenteile des Kindes oder der Plazenta kann unter anderem die Wahrscheinlichkeit berechnet werden, mit der das Kind mit Down-Syndrom auf die Welt kommen würde. Die Treffsicherheit liegt nach Angaben des Herstellers bei 99 Prozent. Die Falsch-Alarm-Rate sei sehr gering: Etwa eine von 1000 Frauen bekomme fälschlicherweise die Information, ihr Kind habe Trisomie 21.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Frank Magnitz: Wer ist der AfD-"Skandal"-Kandidat der Bürgerschaftswahl Bremen?

Bei der Bürgerschaftswahl 2019 in Bremen ist Frank Magnitz der Spitzenkandidat der AfD. Wer ist der wohl umstrittenste Politiker dieser Wahl?
Frank Magnitz: Wer ist der AfD-"Skandal"-Kandidat der Bürgerschaftswahl Bremen?

„Krass Schule“: Heiße S*x-Szene im TV - ist DAS noch erlaubt?

In der aktuellen Folge der RTL2-Daily-Soap „Krass Schule“ kommt es zu einer extrem erotischen Szene. Ist das noch erlaubt?
„Krass Schule“: Heiße S*x-Szene im TV - ist DAS noch erlaubt?

Kommunale Verbände machen Front gegen E-Tretroller

E-Tretroller sollen auch in Deutschland zugelassen werden - aber wo genau sollen sie fahren dürfen? Die Kommunen wollen ein Mitspracherecht.
Kommunale Verbände machen Front gegen E-Tretroller

Koma-Wunder in Bayern: Frau erwacht nach 27 Jahren und ruft Namen ihres Sohnes

Ein medizinisches Wunder ereignete sich in diesen Tagen in der Schön Klinik in Südbayern. Dort erwachte eine Frau nach knapp 30 Jahren aus einem Koma und spricht.
Koma-Wunder in Bayern: Frau erwacht nach 27 Jahren und ruft Namen ihres Sohnes

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.