Waldbrände

Brasilien untersagt Abbrennen von Flächen in der Trockenzeit

+
Aus einem Regenwald im Bundesstaat Para steigt Rauch auf. Foto: Leo Correa/AP

Jahr für Jahr stecken Farmer in Brasilien abgeholzte Flächen in Brand, um neue Weiden und Äcker zu erschließen. Wegen der heftigen Brände ist diese Praxis in die Kritik geraten. Künftig soll wenigstens in der Trockenzeit nicht mehr gezündelt werden.

Brasília (dpa) - Angesichts der verheerenden Waldbrände in Brasilien hat die Regierung das Abbrennen von Flächen während der Trockenzeit verboten.

Für einen Zeitraum von 60 Tagen dürfen ab Donnerstag keine Feuer mehr gelegt werden, um beispielsweise Weide- und Ackerflächen auf abgeholzten Flächen zu erschließen, heißt es in einem im Amtsblatt veröffentlichten Dekret.

Ausnahmen von der Verfügung gibt es allerdings für indigene Gemeinden, die Ackerbau zur Selbstversorgung betreiben, und für Brände, die von den zuständigen Umweltbehörden zwecks Brandverhütung, Brandbekämpfung oder Pflanzengesundheit genehmigt wurden.

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Brände seit Jahren. Seit Anfang des Jahres wurden in dem südamerikanischen Land fast 85 000 Feuer registriert - 75 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Etwa die Hälfte der Brände gab es in der Amazonasregion, ein Drittel in der Cerrado-Savanne im Südosten von Brasilien. In den neun Bundesstaaten des Amazonasgebiets verdoppelte sich die Zahl der Brände im Vergleich zum vergangenen Jahr sogar.

Nach Einschätzung von Umweltschützern stecken meist Farmer bereits abgeholzte Flächen in Brand, um neue Weideflächen und Ackerland für den Soja-Anbau zu schaffen. Wegen der Trockenzeit greifen die Feuer aber auch immer wieder auf noch intakte Waldflächen über. Kritiker werfen dem rechten Präsidenten Jair Bolsonaro vor, ein Klima geschaffen zu haben, in dem sich Farmer zu immer mehr Brandrodungen ermutigt fühlen.

Bolsonaro sieht im Amazonasregenwald vor allem ungenutztes wirtschaftliches Potenzial und will mehr Flächen für Landwirtschaft, Bergbau und Energiegewinnung erschließen. Wegen seiner Umweltpolitik war er zuletzt international in die Kritik geraten. Weil der Regenwald im Amazonasgebiet immense Mengen CO2 binden kann, hat er auch für das Weltklima eine große Bedeutung.

Mehrere europäische Länder wollen bei der Ratifizierung des neuen Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem südamerikanischen Wirtschaftsbündnis Mercosur nun auf die Bremse treten. Gleichzeitig boten die G7-Staaten Brasilien aber auch Hilfe bei den Löscharbeiten und der Wiederaufforstung an. Bolsonaro wiederum verbat sich die Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes und pochte auf die Souveränität Brasiliens.

Angesichts des internationalen Druck genehmigte er allerdings den Einsatz des Militärs im Inneren. Tausende Soldaten unterstützen mittlerweile die Löscharbeiten im Amazonasgebiet und verfolgen Brandstifter. "Die Bilanz ist positiv. Wir können feststellen, dass die Zahl der Brände deutlich zurückgegangen ist", sagte Vizeadmiral Ralph Dias da Silveira.

G1-Bericht (Portugiesisch)

Dekret im Amtsblatt, auf Portuguiesisch

Bericht Agencia Brasil

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Corona-Drama auf Kreuzfahrtschiff "Zaandam" spitzt sich zu

Florida hat Angst vor einem Kreuzfahrtschiff, das auf den US-Staat wie ein Seuchenschiff aus alten Zeiten wirkt. Doch jetzt will US-Präsident Trump den Tausenden an Bord …
Corona-Drama auf Kreuzfahrtschiff "Zaandam" spitzt sich zu

Coronavirus-News: Die aktuellen Zahlen - Infizierte und Tote in Deutschland, Italien und weltweit

Das Coronavirus Sars-CoV-2 breitet sich weltweit weiterhin aus. Eine Übersicht über die aktuelle Lage und die Zahlen der Infektionen, Heilungen und Todesopfer haben wir …
Coronavirus-News: Die aktuellen Zahlen - Infizierte und Tote in Deutschland, Italien und weltweit

Coronavirus in Spanien: Fast 850 Tote in 24 Stunden - Gründer von Zara unterstützt mit Millionen-Summe

Wie Italien ist auch Spanien schwer durch das Coronavirus in Mitleidenschaft gezogen. Täglich steigt die Zahl der Infizierten und der Todesfälle. Die Entwicklungen im …
Coronavirus in Spanien: Fast 850 Tote in 24 Stunden - Gründer von Zara unterstützt mit Millionen-Summe

Fast 850 Corona-Tote in 24 Stunden in Spanien

Tagelang hatten die sinkenden Zahlen der Neuinfektionen in Spanien Grund zur Hoffnung gegeben. Jetzt gab es wieder einen Anstieg. Die Behörden bleiben trotzdem …
Fast 850 Corona-Tote in 24 Stunden in Spanien

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.