Umweltstiftung am Pranger

Brutale Wildhüter? Bundesregierung prüft Vorwürfe gegen WWF

Jetzt schaltet sich im Fall WWF auch das Bundesumweltministerium ein. Foto: Jens Kalaene
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Jetzt schaltet sich im Fall WWF auch das Bundesumweltministerium ein. Foto: Jens Kalaene

Folter, Mord, Missbrauch: Die Vorwürfe gegen Wildhüter, die der WWF unterstützt haben soll, sind ein Schock. Sie könnten auch zum Politikum werden - denn die Bundesregierung und die Umweltstiftung arbeiten zusammen.

Berlin/Genf (dpa) - Die Umweltstiftung WWF muss sich Vorwürfen stellen, sie unterstütze folternde und mordende Wildhüter - nun hat sich auch die Bundesregierung alarmiert gezeigt.

Das Bundesumweltministerium (BMU) nehme die Anschuldigungen gegen den World Wide Fund For Nature (WWF) «sehr ernst», sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Wir werden die Vorwürfe prüfen, insbesondere dahingehend, ob und inwiefern auch vom BMU geförderte Projekte betroffen sein könnten, und auf eine schnelle und umfassende Aufklärung drängen.»

Auch das Entwicklungsministerium teilte mit, man nehme die Vorwürfe ernst und habe «unverzüglich Kontakt aufgenommen, um zunächst die Sachlage zu klären».

Das Online-Magazin «Buzzfeed» hatte berichtet, der WWF unterstütze seit vielen Jahren Wildhüter, die verdächtigte Wilderer misshandelt, gefoltert oder gar ermordet hätten. Die Bundesregierung arbeitet seit langem mit dem WWF zusammen wie auch mit anderen Nichtregierungsorganisationen.

Die Einhaltung von Menschenrechten bei Projektförderungen in Partnerländern sei für das Umweltministerium «von höchster Priorität», sagte die Sprecherin. Für die Finanzierung von Projekten im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) sei die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards verbindlich vorgeschrieben. Entsprechend seien die Organisationen, die sie durchführten, verpflichtet, sie nach den Regeln des Grünen Klimafonds sicherzustellen. In den jährlichen Berichten werde die Einhaltung dieser Standards abgefragt.

«Buzzfeed» hat nach eigenen Angaben in Afrika und Asien Opfer brutaler paramilitärischer Wildhüter getroffen, mit denen der WWF zusammenarbeite. «Wir nehmen jegliche Vorwürfe sehr ernst», teilte der WWF in London dazu mit. Die Organisation habe strikte Regeln für sich selbst und ihre Partner zum Schutz der einheimischen Bevölkerung. «Menschenrechte gehören zum Kernbereich unserer Mission.»

Der WWF ist eine der größten Umweltschutzorganisationen der Welt. Allein den WWF Deutschland unterstützen laut dem jüngsten Jahresbericht mehr als 600.000 Menschen.

Die für die Rechte indigener Völker kämpfende Organisation Survival International forderte den WWF auf, mögliche Opfer zu entschädigen. Die in mehr als 100 Ländern tätige Organisation solle sich dort zurückziehen, wo sie ohne Zustimmung der lokalen Bevölkerung aktiv ist.

«Er muss (...) seine enormen Ressourcen in den Dienst indigener Völker stellen, die die besten Naturschützer und Hüter der Umwelt sind», sagte der Direktor von Survival International, Stephen Corry. Er kritisierte, dass der WWF eine Anwaltskanzlei mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragt habe, die keine Expertise über indigene Völker habe.

«Buzzfeed» hatte unter anderem über einen Fall von Folter an einem Elfjährigen in Kamerun berichtet. Der für die Nationalparks zuständige Minister der dortigen Regierung erklärte, sein Ministerium habe mehr als 100 Wildhüter auch zu Fragen der Menschenrechte im Kampf gegen Wilderer ausgebildet. Der WWF habe dieses Training unterstützt.

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