Exponentielles Wachstum droht

Corona-Lockerungen „absolut unverantwortlich“: Weltärzte-Chef schlägt Alarm und hat dringende Empfehlung

Das frühlingshafte Wochenende hat Szenen produziert, die an die Zeit vor Corona erinnern. Die Pandemie-Regeln sollten aber vorerst bleiben, sagt nun Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery.

Essen - „Wer in Zeiten steigender R-Werte über Lockerungen spricht, handelt absolut unverantwortlich“: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt bereits seit mehreren Tagen vor der dritten Corona-Welle - und jetzt spricht sich auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, gegen Lockerungen aus.

„Bei jeder Lockerung wird es einen deutlichen Anstieg der Zahlen geben“, sagte der Mediziner den Zeitungen der Funke Mediengruppe weiter. Für solche Schritte sei es zu früh. Unklar, ob er zum Zeitpunkt des Gesprächs schon von dem 4-Stufen-Plan wusste, den Kanzlerin Angela Merkel* (CDU*) plant. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder indes denkt laut über Lockerungen für Regionen mit einer Inzidenz von unter 35 nach. 

Als Reaktion auf diese Entwicklung forderte Montgomery eine Beschleunigung der Impfungen*. Impfstoffdosen, die in der ersten Prioritätsgruppe nicht abgerufen würden, müssten jetzt sofort in der zweiten Gruppe zum Einsatz kommen. „Wir dürfen uns hier nicht sklavisch an die Impfreihenfolge halten“, mahnte er.

Fast wie in Vor-Pandemie-Zeiten: Spaziergänger beim frühlingshaften Wetter am Wochenende in Berlin.

Ungünstige Corona-Zahlen in Deutschland: „Der R-Wert zeigt, wohin wir gerade gehen“

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag nach dem Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Sonntagnachmittag bei 1,10 (Vortag 1,07). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 110 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab.

Mit Blick auf die zuletzt wieder gestiegene Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen einer Woche, und den erneut hohen R-Wert warnte Montgomery: „Der Inzidenzwert zeigt, wo wir aktuell stehen. Der R-Wert zeigt, wohin wir gerade gehen. Bei einem Wert klar über 1,0 droht wieder exponentielles Wachstum - und genau das ist jetzt der Fall.“ Das Virus habe mit seinen Mutationen eine neue Stufe erreicht. Es sei nicht nur ansteckender, sondern führe wahrscheinlich auch zu schwereren Krankheitsverläufen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem RKI zuletzt binnen eines Tages 4369 Corona-Neuinfektionen gemeldet, wie aus Zahlen vom Montag hervor geht. Am Montag sind die vom RKI gemeldeten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag den Angaben zufolge am Montagmorgen bundesweit bei 61,0 - und damit höher als am Vortag (60,2). (dpa/frs) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Rubriklistenbild: © Christian Mang

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