Wer besonders gefährdet ist

Corona-Erkrankung trotz Impfung: Neue Studie zeigt, wer besonders in Gefahr ist

Keines der zugelassenen Vakzine schützt bekanntlich zu 100 Prozent vor einer Infektion. Forscher aus Israel haben herausgefunden, wer besonders gefährdet ist, sich trotz Impfung anzustecken.

Deutschland – Mittlerweile wurden hierzulande 87 Millionen Impfdosen verabreicht – mehr als 47 Prozent der Bevölkerung sind doppelt geimpft. (Stand 20. Juli 2021). In den meisten Fällen schützen die Impfstoffe zuverlässig gegen eine Corona-Infektion. Aber es gibt auch in Deutschland Fälle von sogenannten Durchbruchsinfektionen – also Infektionen mit Sars-CoV-2 trotz vollständigem Impfschutz. Forscher aus Israel haben solche Fälle in einer Studie genauer untersucht, berichtet RUHR24.*

CoronavirusSars-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
häufige SymptomeHusten, Fieber, Schnupfen, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Corona: Zahlen zeigen – Impfdurchbrüche sind äußerst selten

Laut der Definition des Robert Koch-Instituts (RKI) handelt es sich bei einem Impfdurchbruch um eine „SARS-CoV-2-Infektion (mit klinischer Symptomatik), die bei einer vollständig geimpften Person mittels PCR oder Erregerisolierung diagnostiziert wurde.“

Gemäß dem Lagebericht des RKI von Mittwoch, den 14. Juli gab es seit dem 1. Februar 2021 bis jetzt insgesamt nur 5.374 Fälle von Impfdurchbrüchen. Im Vergleich zu den mehr als 37 Millionen Menschen, die am 14. Juli vollständig geimpft waren, ist das eine sehr geringe Zahl, die sich alleine damit erklären lässt, dass der Impfstoff eben nicht hundertprozentig schützt.

Das Risiko, sich trotz Impfung mit Covid-19 anzustecken, ist also den Zahlen nach extrem gering. Bereits im Februar 2021 kam ein Forscher der Oxford University in einer Studie, die im Fachmagazin The Lancet erschienen ist, zu dem Schluss, dass mit einer Biontech-Impfung nur noch 0,05 Prozent der Menschen an Covid-19 erkranken, obwohl sie geimpft sind (News zum Coronavirus in NRW* auf RUHR24).

Doppelt geimpft und trotzdem erkrankt – israelische Forscher untersuchen Impfdurchbrüche

Forscher aus Israel haben jetzt in einer Studie analysiert, welche Personengruppen besonders gefährdet sind, sich trotz Impfschutz mit dem Coronavirus* zu infizieren. Der entsprechende Bericht des Wissenschaftlers Tal Brosh-Nissimov von der Universitätsklinik in Ashdod und seinen Mitarbeitern ist im Fachmagazin Clinical Microbiology and Infection erschienen.

Die Forscher haben insgesamt die Daten von 152 Patienten ausgewertet, die sich trotz doppelter Impfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer mit dem Coronavirus infiziert haben. Im Schnitt lagen zwischen der zweiten Impfung und der Aufnahme im Krankenhaus 40 Tage.

Impfdurchbrüche in Israel – diese Personengruppen sind besonders gefährdet

Die Daten aus Israel zeigen, dass vor allem solche Personen ein Risiko haben, sich trotz Impfung zu infizieren, die auch unter den Nicht-Geimpften ein erhöhtes Risiko haben, schwer zu erkranken. Nämlich solche Personen, die an einer Vorerkrankung leiden.

Tatsächlich waren nur sechs der Patienten gesund. Die weiteren litten unter einer dieser Erkrankungen:

  • Bluthochdruck (71 Prozent)
  • Diabetes (48 Prozent)
  • geschwächtes Immunsystem (40 Prozent)
  • Herzerkrankung (28 Prozent)
  • Lungenerkrankung (24 Prozent)
  • Krebs (24 Prozent)
  • Demenz (19 Prozent)

Infektion trotz Impfung – ältere Menschen sind ebenfalls anfälliger

Ebenso sind ältere Personen eher gefährdet – in der israelischen Studie waren die betroffenen Patienten im Schnitt 71 Jahre alt. Zu dieser Erkenntnis kommt auch ein deutsches Forscherteam der Berliner Charité. Auch die Daten aus Deutschland zeigen, dass es insbesondere Ältere sind, die auch trotz doppelter Impfung noch schwer erkranken können.

Ihre Ergebnisse sind im Magazin Emerging Infectous Disease erschienen und beziehen sich auf Covid-19-Ausbrüche trotz Impfschutz in deutschen Pflegeeinrichtungen. Der Grund, den die Wissenschaftler ermitteln: Bei älteren Menschen sei die Immun­antwort nach der Impfung verzögert und erreiche nicht das Niveau von jüngeren Impflingen.

Die israelischen Forscher betonen, dass solche Daten die Basis für dementsprechende Empfehlungen sein könnten. So könnten derart Vorerkrankte oder Ältere beispielsweise eher eine Auffrischimpfung bekommen.

Corona-Impfungen: Delta scheint das Risiko von Durchbruchsinfektionen zu erhöhen

Der Schutz vor einer Infektion durch eine Impfung ist nach neuesten Daten aus Israel wohl auch durch die Delta-Variante verringert.

So berichtete die Times of Israel Mitte Februar von einer Analyse von 530.000 vollständig Geimpften – nur 15 von ihnen mussten nach der doppelten Impfung wegen einer Covid-19-Infektion ins Krankenhaus. Die Effektivität der Impfung wurde damals mit 95 Prozent angegeben – das Auftreten von Krankheitssymptomen wie Fieber und Atembeschwerden wurde nach dieser Analyse zu 98 Prozent verhindert.

Im Juli meldete das israelische Gesundheitsministerium allerdings, dass die Verhinderung einer Infektion durch den Impfstoff aufgrund der Delta-Variante auf 64 Prozent gesunken sei. Besonders hervorzuheben ist auch die Tatsache, dass 50 Prozent der Neuinfizierten in Israel derzeit bereits den vollständigen Impfschutz haben.

Vakzin BNT162b2 von Biontech/Pfizer: Aktuelle Daten aus Israel zeigen eine geringere Wirksamkeit bei der Delta-Variante. (Symbolbild)

Corona: Risiko schwerer Erkrankung nach Impfung auch bei Delta gering

Hier muss man allerdings unterscheiden zwischen dem Risiko einer Infektion und dem Risiko, nach einer Infektion schwer zu erkranken. Denn die von den Herstellern angegebene Wirksamkeit – beispielsweise die 95 Prozent bei Biontech/Pfizer* – bezieht sich tatsächlich, anders als häufig dargestellt, nicht auf die Schwere der Erkrankung, sondern beschreibt das relative Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren.

Laut Angaben der Behörde zeigen zwar aktuell sogar mehr vollständig Geimpfte, die sich mit dem Virus infizieren, Krankheitssymptome. Vor schweren Krankheitsverläufen mit Krankenhausaufenthalt schütze die Impfung allerdings weiterhin immerhin zu 93 Prozent. Mit anderen Worten: Wer sich trotz zweifacher Impfung mit der Delta-Variante des Coronavirus infiziert, ist trotzdem zu mehr als 90 Prozent vor einer Covid-19-Erkrankung mit schweren Symptomen geschützt.

Auch britische Studien zeigen, dass die Impfstoffe von Biontech/Pfizer sowie Astrazeneca im Falle einer Delta-Infektion zu mehr als 90 Prozent vor einem Krankheitsverlauf schützen. Dass die Impfungen diese gewünschte Wirkung zeigen, belegt derzeit auch die Tatsache, dass in einigen Ländern wie Spanien oder Großbritannien, in denen die Zahlen aktuell steigen, dennoch weniger Covid-19 Patienten in den Krankenhäusern behandelt werden müssen. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Frank Molter/dpa

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