„Die Situation in unserem Land verbessert sich“

Abflachen der zweiten Corona-Welle in Europa: Erste Länder lockern die Regeln - besonders an Weihnachten

Die zweite Corona-Welle bestimmt das Leben in Europa. Die Regierungen haben mit erneuten Kontaktbeschränkungen durchgegriffen. In einigen Ländern soll es jetzt Lockerungen geben.

  • Die zweite Corona-Welle hat im Herbst zu neuen Lockdowns in Europa geführt.
  • Das harte Durchgreifen der Regierungen scheint sich teilweise schon ausgezahlt zu haben.
  • Italien, Frankreich, Irland und Belgien lockern die Maßnahmen.

München - Seit Anfang November gilt in Deutschland der „Lockdown Light“. Auch wenn Lockerungen für die Weihnachtsfeiertage geplant sind, halten Angela Merkel und die Länderchefs generell an den beschlossenen Corona*-Maßnahmen fest.

In anderen europäischen Ländern sieht das anders aus. Die erneute Einführung sehr strenger Regeln in Italien, Belgien und Irland haben dazu geführt, dass das Infektionsgeschehen relativ schnell zurückging - jetzt plant die Politik dort Lockerungen.

Corona-Pandemie in Italien: Lombardei, Piemont und Kalabrien „keine roten Zonen“ mehr

Die italienische Regierung will ab Sonntag drei bisher besonders betroffene „rote Zonen“ zu „orangefarbenen Zonen“ erklären, wie es in einem Erlass von Gesundheitsminister Roberto Speranza am Freitag hieß. In Italien dürfen sich damit ab Sonntag die Bewohner der Lombardei sowie der Regionen Piemont und Kalabrien zwischen 05.00 und 22.00 Uhr wieder frei in ihrer Gemeinde bewegen.

Darüber hinaus dürfen sie auch zwischen Orten innerhalb ihrer Region reisen, etwa um zur Arbeit oder zum Arzt zu gehen oder ihre Kinder in die Schule zu bringen. Auch Einkaufszentren dürfen in den Regionen wieder öffnen Bars, Restaurants und Bäckereien müssen dagegen weiter geschlossen bleiben. Als „rote Zonen“ gelten nach dem Erlass noch das Aostatal, die Region Bolzano, die Toskana, die Abruzzen und Kampanien. In diesen Regionen dürfen die Menschen ihr Zuhause nur unter bestimmten Voraussetzungen verlassen.

Italien verzeichnete zuletzt 35.467 Neuinfektionen innerhalb eines Tages (Datenstand: 27.11.2020). Zum Vergleich: In Deutschland wurden in den letzten Tagen rund 15.000 pro Tag gemeldet.

Corona-Regel-Lockerungen in Frankreich: Friseure dürfen wieder Haare schneiden

Nach knapp einem Monat strikter Ausgangssperren hat Frankreich seine Corona-Regeln etwas gelockert. In der ersten Phase der schrittweisen Aufhebung des Lockdowns dürfen nun auch nichtlebensnotwendige Geschäfte ihre Türen wieder öffnen. Dafür gelten allerdings strikte Auflagen. So müssen pro Kunde etwa acht Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung stehen. Auch Friseure können nun wieder Kunden empfangen.

Den Gesundheitsbehörden zufolge hat Frankreich den Höhepunkt an Neuinfektionen in der zweiten Corona-Welle bereits überstanden. Am Freitag wurden etwa 12.450 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Anfang November waren es teils deutlich mehr als 60.000 Fälle gewesen. In dem Land mit 67 Millionen Einwohnern starben seit Ausbruch der Pandemie mehr als 51.900 Infizierte.

Irland: Geschäften öffnen wieder - Corona-Lockerungen zu Weihnachten

Auch die irische Regierung will vor Weihnachten wieder mehr Unternehmen und Einrichtungen den Betrieb erlauben. Ab dem 1. Dezember sollen Geschäfte, Museen, Galerien und Büchereien unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln wieder öffnen. Ab dem 4. Dezember können auch Restaurants und Bars, die Essen anbieten, wieder betrieben werden.

Die Lockerungen gingen so weit, „wie wir glauben, dass es möglich ist, die beste Balance zwischen der Gesundheit, der Wirtschaft und sozialen Überlegungen zu erreichen“, sagte Irlands Regierungschef Micheal Martin bei einer Rede im Fernsehen.

Darüber hinaus gibt es spezielle Ausnahmen ab dem 18. Dezember 2020 bis zum 6. Januar 2021: Menschen aus bis zu drei Haushalten dürfen sich zu Hause treffen. Auch das Verlassen des eigenen Landkreises (County) ist wieder erlaubt. Familienbesuche sind also auch in Irland an den Feiertagen erlaubt.

Corona-Regeln in Belgien: „Die Situation in unserem Land verbessert sich“

Auch in Belgien sollen ab dem 1. Dezember wieder die Geschäfte öffnen dürfen, wie Ministerpräsident Alexander De Croo bei einer Rede sagte. „Die Situation in unserem Land verbessert sich“, sagte De Croo. Trotzdem sei es wichtig, „den Kurs beizubehalten“. Der Teil-Lockdown gelte deshalb auch weiterhin.

Im Vergleich zu Deutschland zeigt sich, dass Belgien, Irland und Italien zu strengeren Regeln gegriffen hatte, die jetzt wieder gelockert werden. So hatten Angela Merkel* und die Länderchefs beispielsweise keine erneuten Schließungen von Geschäften beschlossen. (lb mit AFP/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Claudio Furlan/dpa/Lapresse/picture alliance

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