Schockierende Arbeitsverhältnisse

Corona-Tester an bayerischem Flughafen infiziert sich - Mitarbeiter müssen trotzdem weiterarbeiten

So sehen die Corona-Test-Formulare an den bayerischen Flughäfen aus. Was keiner wusste: Einer der Mitarbeiter war Corona-positiv.
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So sehen die Corona-Test-Formulare an den bayerischen Flughäfen aus. Was keiner wusste: Einer der Mitarbeiter war Corona-positiv.

Ein Corona-Tester an einem bayerischen Flughafen wurde selbst positiv auf das Virus getestet. Die Mitarbeiter erfuhren davon wenig und mussten weiterarbeiten.

  • Ein Mitarbeiter der Firma Ecolog am Flughafen Nürnberg*, die für Bayern Reisende an den Flughäfen testet, hat sich mit dem Coronavirus* infiziert.
  • Seine Kollegen mussten trotzdem einfach weiterarbeiten.
  • Jetzt gibt es einen weiteren Fall. Eine BR-Recherche deckt erschreckende Arbeitsverhältnisse und mangelnde Kommunikation bei der Firma Ecolog auf.

Nürnberg - Nein, als reibungslos kann man die bisherige Arbeit der Firma Ecolog, die im Auftrag des bayerischen Gesundheitsministeriums alle Reisenden an den bayerischen Flughäfen München*, Nürnberg und Memmingen testet, nicht bezeichnen. Auch nicht als fehlerfrei. Und schon gar nicht als kundenfreundlich, wie unsere eigene Corona-Test-Recherche am Flughafen München zeigt.*

Bayerischer Flughafen-Tester Ecolog lobt sich selbst auf Facebook - interessant sind die Kommentare

Doch, was nun der Bayerische Rundfunk in Nürnberg* aufgedeckt hat, wirft nochmal ein ganz neues Bild auf die Firma Ecolog und ihre Arbeitspraxis im Dienste der bayerischen Staatsregierung. Damit Ecolog überhaupt in so kurzer Zeit das Personal für die Testabnahmen an den drei bayerischen Flughäfen aufbauen konnte, griff das Dubaier Unternehmen offenbar in großem Stil auf Leiharbeiter-Firmen zurück.

Corona-Tester am Flughafen Nürnberg infiziert: Ecolog-Mitarbeiter berichten über Arbeit

Soweit so legal. Alle Mitarbeiter, ob Leiharbeiter oder Festangestellte, werden laut Ecolog auch regelmäßig auf das Coronavirus getestet. Soweit so gut. Nun wurde laut BR-Informationen ein Ecolog-Mitarbeiter am Flughafen Nürnberg positiv auf Covid-19 getestet. Er arbeitete noch am Wochenende ganz normal im Schichtbetrieb. Übrigens ein Arbeitsumfeld, das offenbar nicht besonders viel Wert auf Hygieneregeln legt, wie der BR von einer anonym bleibenden Mitarbeiterin erfahren hat. In der Pause treffe man sich zusammengepfercht in einem Container zum Essen. Abstand? Maske? Fehlanzeige.

Der Mitarbeiter blieb zuhause. Quasi als Gegenmaßnahme sollten nun alle Mitarbeiter täglich getestet werden. Auch interessant, nachdem es bekanntermaßen gerne einige Tage dauert, bis eine Corona-Infektion im Test* nachweisbar ist, man aber trotzdem in der Zeit ansteckend sein kann.

Corona-Tester am Flughafen Nürnberg hat selbst Corona - Mitarbeiter erfahren davon per Chat

Eine klare Kommunikation an die Mitarbeiter am Flughafen Nürnberg und eine Nachverfolgung der Kontaktpersonen soll es laut BR nicht gegeben haben. Ecolog, übrigens eigentlich ein Militärdienstleister, der unter anderem Wäschereien für die Bundeswehr betreibt, behauptet in einer schriftlichen Stellungnahme das Gegenteil. Alle seien sofort informiert worden, Kontaktpersonen identifiziert und bereits in Quarantäne.

Ein Chat, der ebenfalls dem BR vorliegt, spricht eine andere Sprache. Dort reagiert der Schichtleiter mit einer konkreten Drohung auf besorgte Nachfragen von Mitarbeitern. Die wollen freilich wissen, wer der Kollege war, mit wem er Kontakt hatte. „Ich habe auch noch einen anderen Job“, schreibt eine Kollegin. Der Schichtleiter reagiert laut BR unter anderem mit diesem Satz: „Wer Panik und oder Gerüchte verbreitet, kann eine Abmahnung bekommen!““

Wer Panik und oder Gerüchte verbreitet, kann eine Abmahnung bekommen!“

Ecolog-Schichtleiter auf Nachfragen zum positiven Corona-Fall.

Corona-Test-Panne am Flughafen Nürnberg: Markus Söder wird einige Fragen haben

Ist nun Ecolog verantwortlich? Hat die Firma nicht etwa eine Fürsorgepflicht für seine Arbeitnehmer? Und mit welchen Reisenden hatte der Corona-positive Mitarbeiter Kontakt? Und mit wie vielen? Alles Fragen, auf die die Firma Ecolog erstmal nicht reagiert. Ministerpräsident Markus Söder (CSU)*, eh schon in der Defensive wegen der laufenden Test-Pannen in Bayern, wird sich jedenfalls sicher freuen.

LGL bestätigt zweiten Corona-Fall bei Ecolog am Flughafen Nürnberg

In der Zwischenzeit gibt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebenssicherheit bekannt:

„Im Rahmen einer routinemäßigen Testung der Mitarbeiter von Ecolog an der Teststation am Flughafen Nürnberg gab es den uns vorliegenden Informationen bislang insgesamt zwei positive Fälle.“

Ob die Ecolog-Mitarbeiter auch schon von dem zweiten Fall wissen, ist nicht bekannt. Allerdings meldet sich das LGL bei uns und schreibt:

„Die Firma Ecolog hat nach eigener Auskunft jeweils nach Bekanntwerden der einzelnen Fälle umgehend alle notwendigen Schritte veranlasst und die zuständigen Gesundheitsämter informiert. Die betroffenen Mitarbeiter wurden nach Angaben von Ecolog in allen Fällen sofort aus dem Dienst genommen.“

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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