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Verhaltener Novavax-Start: Mancherorts nur 15 Terminvergaben am ersten Tag

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Von: Christina Denk

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Seit einigen Tagen wird der Novavax-Impfstoff in Deutschland angeboten. Er soll die Impfkampagne vorantreiben. Doch schon an den ersten Tagen fällt die Priorisierung mancherorts.

Berlin - Fehlende Impfbereitschaft und aufgehobene Priorisierung: Der Impfstart mit dem Novavax*-Vakzin lief in vielen Bundesländern nur schleppend an. In Hamburg, Schleswig-Holstein und im Saarland wurden die ersten Dosen des Coronavirus-Impfstoffes bereits am Samstag (26.2) verabreicht. Weitere Bundesländer zogen am Montag nach, Bayern will am Mittwoch starten. Doch die Kampagne verläuft offenbar nicht wie gehofft.

Novavax: Verhaltener Start der Corona-Impfaktion - Nur 15 Impfungen am ersten Tag in Teilen Hessens

Online-Terminvereinbarung oder offene Impfaktion: In Hamburg stehen derzeit 33.000 Novavax-Impfdosen bereit für Impfwillige. Auch in Schleswig-Holstein wurde bereits am Samstag an mehreren Orten mit dem Vakzin geimpft. In Prisdof, einer der Impf-Gemeinden, war die Nachfrage nach dem Mittel von Novavax nach Angaben eines dpa-Fotografen aber sehr überschaubar. Im Saarland wurden in vier Impfzentren am Samstag schätzungsweise rund 250 Termine für Erstimpfungen vergeben, so Daniel Schappert vom Regionalverband Saarbrücken.

Auch Baden-Württemberg gibt für die ersten zwei Impftage - Dienstag und Mittwoch - nur 360 Impfungen an. Im Landkreis Groß-Gerau, einem von drei Landkreisen, in denen in Hessen aktuell das Vakzin verimpft wird, war die Zahl sogar nur zweistellig. Bis zum frühen Montagnachmittag, dem ersten Impftag, wurden nach Angaben einer Sprecherin des Landkreises 15 Impfungen verabreicht, insgesamt stünden derzeit 4.500 Impfdosen von Novavax zur Verfügung. Die Impf-Nachfrage sei zunächst nicht spürbar gestiegen, so die Sprecherin bei hessenschau.de.

Start der Novavax-Impfaktion: Priorisierung für medizinisches Personal bereits mancherorts aufgehoben

Zunächst sollte Novavax vorrangig ungeimpften Beschäftigten des Gesundheitswesens zur Verfügung stehen, so die Gesundheitsminister der Länder. Für die Branche gilt ab dem 16. März eine Impfpflicht*., nach der es einer Studie zufolge zu einer Unterversorgung im medizinischen Bereich* kommen könnte. Novavax wird aufgrund der proteinbasierten Herstellungsmethode als Alternative für Skeptiker von mRNA-Impfstoffen wie dem von Biontech* und Moderna* angesehen. Schon einen Tag nach dem Start der Impfkampagne wurde die Priorisierung mancherorts ausgesetzt.

Ende Februar wurde bei einer Impfaktion auf Zeche Zollverein der erste Novavax-Impfstoff verimpft. Der Start der Kampagne verlief verhalten.
Ende Februar wurde bei einer Impfaktion auf Zeche Zollverein der erste Novavax-Impfstoff verimpft. Der Start der Kampagne verlief verhalten. © Roland Weihrauch/dpa

„Aufgrund der Vielzahl an verfügbaren Terminen und Kapazitäten in den Impfstellen kann die bisherige Priorisierung von Novavax aufgehoben werden“, heißt es auf dem Lübecker Nachrichtenportal hl-live. Ab dem 3. März kann jeder über 18 Jahren einen Impftermin für Novavax vereinbaren. Ähnliche Meldungen kamen aus Wiesbaden. Hier hatten sich für den ersten Tag, Montag, laut Gesundheitsamt rund 100 Menschen angemeldet, die jedoch nicht alle erschienen sind. Die Stadt Wiesbaden hat nach eigenen Angaben 4400 Impfdosen des Herstellers Novavax erhalten. Das Gesundheitsamt geht davon aus, dass die Nachfrage unterhalb der gelieferten Menge liegen wird.

Die Hoffnungen der Bundesregierung, mit dem Novavax-Vakzin wieder Schwung in die Impfkampagne zu bringen, scheinen sich damit aktuell noch nicht zu erfüllen. Abzuwarten bleibt auch, wie sich die baldige Einführung der Teil-Impfpflicht auswirken wird. Alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Pandemie in Deutschland gibt es im News-Ticker. (chd/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Novavax-Impfstoff

Das Mittel wurde als fünfter Corona-Impfstoff in der EU zugelassen - für Menschen ab 18 Jahren. Zwei Dosen werden im Abstand von etwa drei Wochen gespritzt. Es handelt sich um einen Proteinimpfstoff - er basiert also auf einer anderen Technologie als die bisher zumeist eingesetzten mRNA-Corona-Präparate von Pfizer und Moderna, gegen die manche Menschen Bedenken haben.

Beim proteinbasierten Impfstoff werden dem Körper virusähnliche Partikel gespritzt, damit dieser gezielt Antikörper gegen das Virus SARS-CoV-2 bilden kann. MRNA-Impfstoffe regen den Körper dagegen dazu an, selbst ungefährliche Kopien des Spike-Proteins herzustellen, gegen die wiederum Antikörper gebildet werden. Novavax enthält nur gentechnisch hergestellte Elemente des Coronavirus und wird daher eigentlich nicht zu den sogenannten Totimpfstoffen gezählt.

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