Faktencheck: die zugelassenen Impfstoffe

Wie wirken die Corona-Impfstoffe? Der Unterschied zwischen AstraZeneca, Biontech und Co.

Die Apothekerin Madeline Acquilano hält im Hartford Hospital eine Dosis mit dem Corona-Impfstoff des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson.
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Faktencheck: Alles zu den Corona-Impfstoffen von Biontech, AstraZeneca, Moderna, Johnson & Johnson und Sputnik V. (Symbolbild)

Das müssen Sie über die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, AstraZeneca, Moderna, Johnson & Johnson und das Vakzin Sputnik V wissen.

Im Kampf gegen das Coronavirus und für eine Rückkehr zu unserem normalen Alltag sind sie die größte Hoffnung: Impfstoffe! Wir haben lange darauf gewartet, dass überhaupt ein Vakzin zugelassen wird, mittlerweile sind bereits vier Präparate in der EU, und auch bei uns in Deutschland, zugelassen, wie echo24.de* berichtet: Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, AstraZeneca, Moderna und Johnson & Johnson. Ein Fünfter hat mittlerweile die EU-Zulassung beantragt: Das russische Gamaleja-Institut will seinen Impfstoff „Sputnik V“ auf den europäischen Markt bringen.

Bei so vielen Herstellern – Tendenz steigend – kann es schon Mal sein, dass man den Überblick verliert, welcher Impfstoff denn jetzt welche Eigenschaften, Vorteile und Nebenwirkungen hat, deshalb haben wir die Wichtigsten für Sie zusammengefasst.

Corona-Impfstoffe: mRNA-Impfstoff Biontech/Pfizer

Der Impfstoff „BNT162b2“ kommt von den Unternehmen Biontech (Deutschland) und Pfizer (USA) und ist ein mRNA-Impfstoff. Diese Art von Präparat basiert auf einem neuen Prinzip. Normalerweise wird bei klassischen Ansätzen das Antigen, also der Erreger oder Fragmente von ihm, verimpft. Das soll dann auf das Immunsystem reagieren. Stattdessen wird bei mRNA-Impfstoffen nur die „Bauanleitung“ dafür injiziert. Die wird dann in den Zellen des Geimpften abgelesen und baut ein Protein des Zielerregers nach. Das bewirkt eine Immunreaktion.

HerstellerLandImpfstoffTyp
Biontech/PfizerDE/USBNT162b2mRNA
AstraZenecaGB/SWEChAdOx1Vektor
ModernaUSmRNA-1273mRNA
Johnson&JohnsonUSAd26.COV2.SVektor
Gamaleja-InstitutRUSSputnik VVektor

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer soll zu 95 Prozent wirksam sein und über alle Altersgruppen und andere demografische Unterschiede hinweg ähnlich gut funktionieren. Laut einer aktuellen Studie wirkt der Impfstoff außerdem auch gegen die ansteckenderen Virus-Varianten aus Großbritannien und Südafrika. Unsicher ist noch, wie lange der Schutz anhält, und ob ein Geimpfter das Virus noch weitergeben kann. Damit das Präparat wirkt, müssen zwei Impfdosen im Abstand von etwa drei Wochen verabreicht werden. Schwere Nebenwirkungen sind bisher nicht festgestellt worden. Es können allerdings Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Schüttelfrost, Gelenkschmerzen und Fieber vorkommen.

Eine Besonderheit des Impfstoffs von Biontech/Pfizer ist, dass er bei minus 70 Grad Celsius versendet und gelagert werden muss. Mittlerweile hat das Unternehmen bekanntgegeben, dass das Vakzin auch bei minus 25 bis minus 15 Grad etwa zwei Wochen lang stabil bleibt.

Corona-Impfstoffe: AstraZeneca - aktuell Impfstopp auch in Deutschland

Der Impfstoff „ChAdOx1“ des Herstellers AstraZeneca wird aktuell in Deutschland nicht mehr verimpft. Nach mehreren Fällen von Lungenembolien, die mit dem Vakzin in Verbindung gebracht werden, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nach sieben anderen Ländern auch für Deutschland einen AstraZeneca-Impfstopp angeordnet. Das heißt, dass vorsorglich keine Dosen des britisch-schwedischen Vakzins mehr verimpft werden.

Der Impfstoff von AstraZeneca ist ein sogenannter Vektorimpfstoff. Er beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen und enthält Material eines Oberflächenproteins, mit dem der Erreger des Covid-19-Virus an menschliche Zellen andockt. Mit dessen Hilfe bilden die Zellen auch hier das Protein nach und der Körper entwickelt eine Immunität dagegen.

Das Vakzin von AstraZeneca wird auf zwei Impfdosen im Abstand von mindestens vier Wochen verteilt. Es soll laut einer aktuellen Studie nach der zweiten Impfung bis zu 82 Prozent Wirksamkeit zeigen. Noch nicht klar ist, wie lange der Impfschutz anhält, und ob der Geimpfte weiterhin für seine Mitmenschen ansteckend ist.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt den Impfstoff für Personen ab 18 Jahren, das Präparat soll jetzt allerdings eigentlich auch bei Minderjährigen ab sechs Jahren getestet werden. Die anfängliche Altersbeschränkung auf Personen unter 65 Jahren ist vor einigen Tagen angepasst worden, jetzt empfiehlt die STIKO den Impfstoff von AstraZeneca auch für Ältere*.

Corona-Impfstoffe: Wie sicher ist der AstraZeneca-Impfstoff?

Ein deutlicher Vorteil des AstraZeneca-Impfstoffs ist, dass er im Gegensatz zu dem von Biontech/Pfizer bei Kühlschranktemperatur transportiert und über Monate aufbewahrt werden kann. Bei den Nebenwirkungen sind laut Robert-Koch-Institut besonders häufig Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gelenkschmerzen und Schüttelfrost nach den Impfungen aufgetreten, allgemein waren sie aber schwach bis mäßig.

Allerdings könnte der AstraZeneca-Impfstoff laut der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) auch schwere allergische Reaktionen auslösen, bisher sind aber nur 41 Fälle von 5 Millionen bekannt. Mittlerweile haben acht Länder bestätigt, derzeit nicht mehr mit AstraZeneca zu impfen. Neben Deutschland sind das nach jetzigem Stand (15. März) Bulgarien, Dänemark, Irland, Island, Norwegen, Thailand und die Niederlande*. Die EMA soll nun entscheiden, ob und wie sich die neuen Erkenntnisse auf die Zulassung des Impfstoffes auswirken.

Corona-Impfstoffe: Moderna mit hoher Wirksamkeit von 94 Prozent

Das Vakzin „mRNA-1273“ vom US-Hersteller Moderna hat laut Experten eine sehr hohe Wirksamkeit von 94 Prozent und wird in zwei Impfdosen im Abstand von etwa vier Wochen verimpft. Bisher ist das Präparat für Personen über 18 Jahren freigegeben, es wird mittlerweile aber auch bei 12- bis 17-Jährigen getestet. Bei Älteren liegt die Wirksamkeit etwas unter den genannten 94 Prozent. Unklar ist momentan noch, wie lange der Impfschutz anhält und ob geimpfte Personen noch ansteckend sein können. Der Moderna-Impfstoff ist, wie sein Name schon sagt, wie der von Biontech/Pfizer ein mRNA-Impfstoff.

Beim Vakzin von Moderna sind bisher noch keine schweren Nebenwirkungen festgestellt worden. Es können aber Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Übelkeit und Schüttelfrost auftreten. Der Impfstoff ist bei normalen Kühlschranktemperaturen bis zu 30 Tage lang haltbar und kann bei minus 20 Grad sogar sechs Monate lang gelagert werden.

Corona-Impfstoffe: Johnson & Johnson benötigt nur eine Impfdosis

Ganz neu auf dem Impfstoff-Markt ist das Präparat „Ad26.COV2.S“ vom US-Hersteller Johnson & Johnson. Es ist ein Vektorimpfstoff und bietet laut US-Arzneimittelbehörde einen 85-prozentigen Schutz vor schweren bis lebensbedrohlichen Erkrankungen. Das Johnson & Johnson-Präparat kann bei Kühlschranktemperatur transportiert und monatelang aufbewahrt werden. Die Besonderheit an diesem Vakzin ist, dass nur eine einzige Impfdosis notwendig ist. Empfohlen ist der Impfstoff für Personen ab 18 Jahren.

Gute Nachrichten gibt‘s für den Impfstoff von Johnson & Johnson auch: Bisher sind keine schweren Nebenwirkungen bekannt*. Beschwerden nach der Impfung könnten – wie bei den meisten anderen Präparaten – Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Fieber und Schüttelfrost sein.

Corona-Impfstoffe: Sputnik V - EMA prüft Zulassung für EU

Für die EU steht außerdem der russische Impfstoff „Sputnik V“ vom Gamaleja-Institut in den Startlöchern. Aktuell prüft die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) die Zulassung*. Laut Studien schützt der Impfstoff, obwohl er ein Vektorimpfstoff ist, mit 91,6 Prozent. Das ist ein ähnlich guter Wert wie bei den beiden mRNA-Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna. Laut Wissenschaftlern konnte schon vor der zweiten Impfung, nach Tag 15, eine Wirksamkeit von 73,6 Prozent gegen schwere Corona-Verläufe festgestellt werden. Deshalb soll jetzt geklärt werden, ob eventuell auch eine einzige Impfung pro Person reichen könnte.

Wie gut Sputnik V vor Virusvarianten schützt*, ist bisher noch unklar. Zu den Nebenwirkungen heißt es, dass die meisten Probanden von grippeähnlichen Symptomen sprachen. Außerdem traten Schmerzen am Arm, Schwächegefühl und Erschöpfung auf. Generell soll der Impfstoff in allen Altersgruppen gut verträglich sein.

Doch es gibt noch Unklarheiten. Laut EMA sind bisher vier Todesfälle infolge einer Sputnik-Impfung gemeldet worden. Details dazu gibt es aber nicht. Außerdem ist aktuell noch nicht klar, wie viele Probanden wirklich an der Studie teilgenommen haben und auch bei der Berechnung der Wirksamkeit gibt es noch Fragen. Die Behörde rechnet damit, dass es noch bis zu vier Monate dauert, bis alle Studienergebnisse nachgereicht sind und das Prüfverfahren abgeschlossen werden kann. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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