Deutsches Impfsystem bald überfordert?

Wie schnell muss die Corona-Impfung aufgefrischt werden? Ärzte erwarten Drama

In Deutschland warten viele noch auf ihre erste Corona-Impfung - da wird schon die Frage nach ersten Auffrischungen laut. Amtsärzte werfen der Politik Planlosigkeit vor.

33,3 Prozent - so viele Menschen in Deutschland haben mittlerweile mindestens eine Dosis eines Impfstoffs gegen das Coronavirus erhalten. Fast 10 Prozent der Gesamtbevölkerung sind schon vollständig immunisiert. Das macht 35,7 Millionen verabreichte Impfdosen. Doch wer bisher dachte, zwei Impfdosen der Vakzine von BioNTech, Moderna oder AstraZeneca reichen völlig aus, der liegt falsch. Wie echo24.de* berichtet, sind wohl für alle Impfstoffe Auffrischungen nötig.

Und die könnten schneller nötig sein, als gedacht. Denn Wissenschaftler gehen bisher von einem sechsmonatigen Impfschutz aus. Das würde bedeuten, dass spätestens im Herbst mit den Auffrischungs-Impfungen begonnen werden müsste - eher sogar schon ab Ende Juni oder Anfang Juli. Deshalb fordert der Bundesverband der Amtsärzte jetzt von der Politik ein Konzept.

Corona-Impfung: Auffrischungen stehen bald an - wie sieht der Plan aus?

Ute Teichert, die Vorsitzende des Verbandes wirft der deutschen Politik dabei Planlosigkeit vor. Sie erklärte gegenüber der Rheinischen Post: „Vonseiten der Politik höre ich diesbezüglich [...] keinerlei Vorschläge, wie das organisiert werden solle, es scheint vielmehr, als liefe die Politik planlos in eine solche Situation hinein.“ Andere Länder - wie etwa England - seien bereits dabei, sich auf die Auffrischungs-Impfungen vorzubereiten.

Teichert befürchtet außerdem, dass das deutsche Impfsystem im Sommer komplett überfordert wird. Denn parallel zur dritten Impfung stehen in Kürze auch die Kinderimpfungen gegen das Coronavirus* an. Die Impfstoffhersteller BioNTech/Pfizer haben nach eigenen Angaben bereits im April bei der europäischen Arzneimittelbehörde die Zulassung ihres Corona-Impfstoffes für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren beantragt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat eine Zulassung bis spätestens Juni angekündigt.

Corona-Impfung: Auch Kinderimpfungen stehen an - Konzept gefordert

Und nicht nur die Kids in dieser Altersspanne sollen geimpft werden. Laut Ute Teichert könnte es ab Herbst auch Impfungen von noch deutlich Jüngeren geben. Dann wird, so die Warnung Teicherts, „der Druck aus der Bevölkerung deutlich zunehmen, dass wir mit den Kindern und Jugendlichen endlich beginnen“.

Ute Teichert befürchtet, dass spätestens dann Chaos ausbricht. Deshalb fordert sie, die Corona-Impfzentren auch über den September hinaus weiterzubetreiben und nicht aufzulösen. Anfang Mai war die Debatte aufgekommen, die Corona-Impfzentren mit Aufhebung der Priorisierung zu schließen. Davor warnt die Vorsitzende des Ärztebundes eindringlich: „Jetzt funktionierende Strukturen als Auslaufmodell zu deklarieren, halte ich für gefährlich.“

Bricht das Deutsche Impfsystem im Sommer zusammen? Ärzte fordern ein Konzept. (Symbolfoto)

Außerdem ist Teichert der Meinung, die Politik müsse sich dazu durchringen, die Kitas und Schulen bei der Impfung gezielt mit einzubinden - und auch sogenannte Impfsprechstunden in Gesundheitsämtern könne man ganz einfach wieder einführen. Dazu sei nicht viel nötig - ein Kühlschrank, das Impfmaterial und wenige zusätzliche Fachkräfte.

Corona-Impfung: Einige Hürden in der deutschen Impfkampagne zu überwinden

Doch wie es auch weiter geht - das Thema Impfen bleibt höchst brisant. Gerade erst hat das Land Baden-Württemberg bekannt gegeben, die Impfpriorisierung bei Hausärzten* ab Montag (17. Mai) komplett aufzugeben - das heißt, der Ansturm auf den wenigen vorhandenen Impfstoff wird noch ein Mal ansteigen. Außerdem hat die Europäische Union ihren Vertrag mit dem Impfstoffhersteller AstraZeneca nicht verlängert. Das bedeutet: Tausende Impfdosen weniger.

HerstellterImpfstoff-Typ/Bezeichnung/zugelassen
BioNTech/PfizerBNT162b2/mRNA/JA
ModernamRNA-1273/mRNA/JA
AstraZenecaVaxzevria/Vektor/JA
Johnson & JohnsonAd26.COV2.S/Vektor/JA
CureVacCVnCoV/mRNA/NEIN

Hoffnung macht hingegen der Tübinger Impfstoffhersteller CureVac*. Laut eigenen Angaben wird die Biotech-Firma bald endlich die Zulassung für ihren mRNA-Impfstoff erhalten. Laut CureVac ist man aktuell in der letzten Testphase. Die finale Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde könnte noch im Mai stattfinden. Bis Ende 2021 erwartet die Bundesregierung dann 27,5 Millionen Impfdosen des Tübinger Herstellers.

Bleibt nur noch abzuwarten, wie die Bundesregierung mit all diesen Hürden und Chancen umgeht, und welche Konzepte letzten Endes umgesetzt werden. Denn auch Ute Teichert ist der Meinung: „Das Impfen wird uns noch geraume Zeit weiter begleiten.“ *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

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