„mRNA-1273“ zu 94 Prozent wirksam und ab Dezember einsatzbereit?

Corona-Impfung: Moderna-Wirkstoff buhlt um Europa-Zulassung - Welche Nebenwirkungen hat das Vakzin?

Eine Flasche mit der Aufschrift „Vaccine Covid-19“ und im Hintergrund das Logo des US-Pharmakonzerns „Moderna“.
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Dem US-Pharmakonzern „Moderna“ hat einen Corona-Impfstoff entwickelt, der zu 94 Prozent wirksam sein soll.

Heiß erwartet und hitzig diskutiert: Die ganze Welt blickt auf Impfstoff-Hersteller, die dem Coronavirus den Gar ausmachen sollen. Das Vakzin des US-Konzerns „Moderna“ steht auch in Europa in den Startlöchern.

New York - Sein Name: „mRNA-1273“. Seine Wirksamkeit: 94,1 Prozent. Die Rede ist vom Corona-Impfstoff des US-Pharmakonzerns Moderna. Als erstes Unternehmen hat es am Montag die Zulassung seines Vakzins in der Europäischen Union beantragt. Die durch den Corona-Impfstoff ausgelöste Immunantwort ist mehrere Monate lang deutlich im Blut nachweisbar, was darauf hindeuten könnte, dass das Vakzin über den längeren Zeitraum von drei Monaten Schutz gegen Covid-19 bietet - ein Nachweis ist dies allerdings nicht. Moderna beruft sich dabei auf seine sogenannte Phase-I-Studie, die im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde.

Coronavirus: Moderna-Impfstoff muss zweimal verabreicht werden

Als mRNA-Impfstoff enthält er genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper dann Viruseiweiß herstellt. Die Impfung soll also das Immunsystem zur Bildung von „bindenden und neutralisierenden Antikörpern“ anregen, die dann die Viren abfangen sollen. Wie die Experten um Alicia T. Widge vom US-Nationalen Institut für Infektionskrankheiten jetzt mitteilten, sollen eben diese Antikörper bei allen Teilnehmern der Studie auch 90 Tage nach der Auffrischungsimpfung noch erhöht gewesen sein. Das Resultat sei bei Probanden jeder Altersgruppe, also auch bei über 71-Jährigen, zu beobachten.

Noch gibt es keinen zugelassenen Impfstoff dieser Art – und somit auch keine Langzeiterfahrungen, aber seitens Moderna heißt es weiter: „Diese Daten stimmen uns weiterhin optimistisch, dass das hohe Maß an Wirksamkeit, das kürzlich durch mRNA-1273 zur Verhinderung der Covid-19-Krankheit* nachgewiesen wurde, dauerhaft sein wird“. Bereits Ende November hatte das US-Unternehmen auf Grundlage seiner Phase-III-Studie mitgeteilt, sein Impfstoff habe eine Wirksamkeit von 94,1 Prozent.

Video: US-Konzern Moderna beantragt Zulassung von Corona-Impfstoff in der EU

Damit hofft der Pharma-Konzern nun, sein Vakzin nicht nur in den USA, sondern auch in Europa - nach Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA - auf den Markt bringen zu können. Schon bis Ende diesen Jahres sollen in den USA 20 Millionen Impfdosen verfügbar sein. Für das erste Quartal 2021 erwartet Moderna dann eine Produktion von 100 bis 125 Millionen Impfdosen, von denen 25 Millionen auch außerhalb der USA zur Verfügung stehen sollen. Der Konzern möchte im Laufe des Jahres 2021 weltweit bis zu einer Milliarde Impfdosen bereitstellen. Bei normaler Kühlschranktemperatur von zwei bis acht Grad bleibe das Mittel rund 30 Tage lang haltbar, so das Versprechen Modernas.

Corona-Impfung: Moderna geht von zuverlässiger Wirksamkeit aus

Für den erwarteten vollen Immunschutz vor Covid-19 muss eine Person derzeit zwei Dosen in einem Zeitabstand von 28 Tagen injiziert bekommen. An der klinischen Phase-III-Studie nahmen in den USA 30.000 Menschen teil. Eine Hälfte bekam den Moderna-Impfstoff, die andere Hälfte ein Placebo-Produkt. Wie die Bild-Zeitung berichtet, gab es unter den Probanden 196 Covid-19-Fälle, von denen 185 ein wirkungsloses Placebo und nur elf den Impfstoff erhalten haben. 30 schwere Fälle seien nur in der Placebo-Gruppe aufgetreten, was die zuverlässige Wirksamkeit beim Schutz vor schweren Krankheitsverläufen beweise, so Moderna.

Der Schutz durch die Impfung sei unabhängig von Alter, Geschlecht und ethischer Herkunft gleich gewesen, so die Wissenschaftler. Jetzt will das Unternehmen noch vor Jahresende eine neue Studie beginnen und den Impfstoff auch an Jugendlichen testen. Die Bild-Zeitung berichtet davon, dass Müdigkeit, Rötungen, Schmerzen an der Einstichstelle sowie Kopf- und Gliederschmerzen zu den häufigsten Nebenwirkungen des Moderna-Impfstoffs zählen. Einige Teilnehmer sollen aber auch grippeähnliche Symptome gezeigt haben.

Video: Ablauf, Standorte, Kosten - Das müssen Sie über die Corona-Impfung wissen

Aufgrund der Dringlichkeit der Entwicklung eines Impfstoffes läuft bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA schon länger ein sogenanntes Rolling-Review-Verfahren, bei dem Impfstoff-Hersteller* schon vor dem kompletten Zulassungsantrag einzelne Teile zu Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit einreichen. Laut EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, sei mit der 2010 gegründeten Firma Moderna bereits ein Rahmenvertrag über bis zu 160 Millionen Impfstoff-Dosen abgeschlossen worden. Noch im Dezember könnte das große Impfen also auch in Deutschland beginnen. (cos/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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