Corona-Mutation aus Großbritannien

Corona-Mutation: Drosten mit düsterer Bewertung neuer Erkenntnisse - „sieht leider nicht gut aus“ 

Europas Flughäfen machen dicht. Grund ist eine dort aufgetretene Coronavirus-Mutation. Doch wie gefährlich ist sie? Experten geben eine Einschätzung.

  • Die Angst vor einer noch schnelleren Ausbreitung des Coronavirus wächst.
  • Eine Virus-Mutation in Großbritannien sorgt für harte Maßnahmen.
  • Virologe Christian Drosten hat eine klare Meinung.

Update vom 22. Dezember, 7.46 Uhr: Die möglicherweise gefährliche Corona-Viruslinie B.1.1.7* wird momentan viel diskutiert. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse: Virologe Christian Drosten veröffentlichte erste Ergebnisse einer britischen Untersuchung auf Twitter.

Er schreibt dazu: „Das sieht leider nicht gut aus. Positiv ist, dass Fälle mit der Mutante bisher nur in Gebieten zunahmen, wo die Gesamtinzidenz hoch oder ansteigend war.“ Seine Schlussfolgerung: „Kontaktreduktion wirkt also auch gegen die Verbreitung der Mutante.“

Er verweist in dem Post auf ein erstes Ergebnis einer Untersuchung, die die britische Regierung in Auftrag gegeben hatte. Die Studie kommt zu dem vorläufigen Ergebnis, dass die neue Mutation von Sars-CoV-2 möglicherweise alleine oder in Kombination mit anderen Mutationen wahrscheinlich ansteckender ist. Darüber hinaus ist bekannt, dass B.1.1.7 bisher am häufigsten in London sowie den südwestlichen und östlichen Regionen von England auftritt. Die Studie wurde vom britischen Gesundheitsministerium in Auftrag gegeben und beruht auf genomischen Daten aus der Grafschaft Kent im Südosten von England.

Auch in Deutschland spannt die Mutation die Lage zusätzlich an. Lothar Wieler geht mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass die neue Virusform bereits in Deutschland grassiert. Der Präsident des RKI äußerte sich dazu in einer Presskonferenz.

Corona: Mutation verbreitet sich wohl um 70 Prozent schneller

Erstmeldung vom 21. Dezember: München - Nachdem in Großbritannien eine Mutation des Coronavirus* entdeckt wurde, schottet sich Europa von der britischen Insel ab. Laut ersten Einschätzungen verbreitet sich die neue Virus-Variante um 70 Prozent schneller als das bisherige Coronavirus. Deshalb zogen einige Staaten die Notbremse* und erteilten ein Flug- und Einreiseverbot für aus Großbritannien kommende Menschen.

Lauterbach fürchtet wegen Corona-Mutation „Katastrophe“ für Deutschland

Auch SPD*-Politiker Karl Lauterbach ist besorgt. „Wenn es jetzt käme, wo wir mitten in der zweiten Welle sind, wo wir so hohe Fallzahlen haben, wäre das eine Katastrophe“, sagte der Gesundheitsexperte bei Bild über die neue Coronavirus*-Variante.

„Das ist so ähnlich, als wenn ich ein Feuer habe und gieße noch einmal Benzin nach“, beschrieb Lauterbach die möglich Folgen. Dass die Corona-Mutation* auch in Deutschland auftreten wird, sei nicht zu verhindern. Möglicherweise sei sie auch schon hierzulande im Umlauf. „Ob es schon in Deutschland ist, wissen wir nicht genau. Das konnten wir noch nicht überprüfen“, meinte Lauterbach weiter.

Neue Coronavirus-Variante: Virologe Christian Drosten „nicht so sehr besorgt“

Virologe Christian Drosten geht sogar davon aus, dass die Virus-Variante aus Großbritannien längst in Deutschland angekommen ist. Lediglich ein Nachweis hierfür fehle noch. Trotzdem beruhigte Drosten gegenüber dem Deutschlandfunk: „Ich bin darüber nicht so sehr besorgt im Moment.“

So sei laut Drosten auch erst noch zu klären, welchen Ursprungs die Coronavirus-Variante ist. „Dieses Virus ist ja jetzt gar nicht so neu“, sagte Drosten. „Davon darf man sich jetzt wirklich nicht irgendwie aus der Ruhe bringen lassen.“

Der Virologe schilderte, man habe die Mutation bereits im September in Großbritannien entdeckt. Zudem habe sie sich in Australien, den Niederlanden oder Dänemark verbreitet. Allerdings waren die Folgen nicht so dramatisch, wie derzeit in Südengland.

Coronavirus-Mutation in Großbritannien: Auch Italien bestätigt Fälle

Das italienische Gesundheitsministerium bestätigte unterdessen, dass die in Großbritannien beobachtete Virus-Mutation auch in Italien nachgewiesen wurde. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erwähnte im ZDF Fälle in Dänemark, die aber nach Angaben dänischer Behörden unter Kontrolle seien. Der Europa-Abgeordnete Peter Liese sprach von nachgewiesenen Infektionen in Belgien und den Niederlanden.

Ist die Corona-Mutation denn tatsächlich 70 Prozent ansteckender als die ursprüngliche Virus-Variante? Lauterbach wollte sich bei Bild nicht festlegen. Es sei noch nicht abschließend geklärt, „ob die Mutation so ansteckend ist, wie wir das vermuten.“ Er hält einen höheren Ansteckungsgrad* aber für wahrscheinlich.

Drosten war da zurückhaltender. „Diese Zahl ist einfach so genannt worden“, meinte er im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Noch beruhe der 70-Prozent-Wert auf Schätzungen. Und weil die gesammelten Daten noch sehr lückenhaft sind, so Drosten weiter, könne man den Ansteckungswert nicht wissenschaftlich belegen*. (kh) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

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Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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