Covid-19

Offizielle Zahlen zu niedrig: US-Forscher schätzen Corona-Todesfälle weltweit auf 6,9 Millionen

In Brasilien eskalierte die Corona-Pandemie im April 2021.
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In Brasilien eskalierte die Corona-Pandemie im April 2021.

Wie viele Menschen sterben an Corona? Es gibt offizielle Zahlen. US-Forscher gehen jedoch davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Corona-Toten viel höher liegt. Auch in Deutschland.

Washington - Weltweit könnten Schätzungen zufolge 6,9 Millionen Menschen durch eine Infektion mit dem Coronavirus* gestorben sein - mehr als doppelt so viele wie offizielle Zahlen belegen. Das haben Forscher am IHME Institut der Universität Washington herausgefunden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab die Zahl der weltweiten Corona-Toten am selben Tag mit rund 3,2 Millionen an.

„So schrecklich die COVID-19-Pandemie auch erscheint, diese Analyse zeigt, dass die tatsächliche Maut erheblich schlechter ist“, sagte Dr. Chris Murray, Direktor von IHME laut einer Pressemitteilung. „Das Verständnis der tatsächlichen Anzahl von Covid-19-Todesfällen hilft uns nicht nur, das Ausmaß dieser globalen Krise einzuschätzen, sondern liefert auch wertvolle Informationen für politische Entscheidungsträger, die Reaktions- und Wiederherstellungspläne entwickeln.“

Forscher: Viele Corona-Todesfälle werden nicht gemeldet

In fast jedem Land der Welt gebe es signifikante Lücken bei der Erfassung der Todesfälle, es gebe aber deutliche Unterschiede zwischen den Ländern, erklärte das Institut. Es gibt Länder, die nur Todesfälle melden, die in Krankenhäusern oder bei Patienten mit einer bestätigten Corona-Infektion auftreten.

So steht Deutschland bei der Erfassung der Corona-Todesfälle da

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass in Deutschland rund 120.700 Menschen infolge einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 starben. Die WHO gibt die Zahl mit über 84.000 an. Global betrachtet stehe Deutschland mit Blick auf die Erfassung nicht schlecht da, sagte Murray. Hier finden Sie unseren News-Ticker zum Thema Corona in Deutschland.

Im Fall von Russland unterscheiden sich die offiziellen Angaben (WHO: rund 112.000) besonders stark von der Schätzung des Instituts (rund 593.600 Tote). In den USA schätzen die Forscher die Zahl der Toten auf rund 905.300 (WHO: rund 573.000). Im Fall von Indien gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Zahl der Toten mit rund 654.400 fast dreimal so hoch ist wie erfasst (WHO: rund 230.000).

LandCovid-19-Todesfälle (Stand 6. Mai)Gemeldete Covid-19-Todesfälle (Stand 6. Mai)
USA905.289 574.043
India654.395221.181
Russland593.610109.334
Großbritannien209.661 150.519
Deutschland120.72983.256

Die Forscher leiteten ihre Schätzungen aus der Übersterblichkeit ab: Die ergibt sich, wenn man die erwarteten Todesfälle durch alle Ursachen in einem bestimmten Zeitraum vor der Pandemie mit den tatsächlichen Todesfällen in der Pandemie vergleicht. Bei der Betrachtung der Übersterblichkeit wurde berücksichtigt, dass es in der Pandemie eine Verschiebung bei den Todesursachen gab. So kam es wegen der eingeschränkten Mobilität zu weniger Unfällen im Straßenverkehr. Zugleich kam es etwa zu Verzögerungen bei der Behandlung anderer Krankheiten. Nach Berücksichtigung dieser Faktoren schätzten die Wissenschaftler die Zahl der Todesfälle, die nur auf eine Covid-19-Erkrankung zurückzuführen sein dürften, auch wenn diese nicht immer als solche erfasst wurden. In der Debatte um Übersterblichkeit wird ein wichtiger Faktor übersehen, sagt ein Münchner Statistiker, wie Merkur.de* berichtet.

Das IHME (Institute for Health Metrics and Evaluation) hat während der Pandemie laufend Prognosen zu Todeszahlen veröffentlicht und auch veranschaulicht, wie sich Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Masken auf den Pandemie-Verlauf auswirken könnten. Das Weiße Haus hat Modelle des IHME mehrfach angeführt. Das Institut leitet das Projekt Global Burden of Disease, eine Studie, deren Ergebnisse jährlich im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht werden, und die unter anderem Todesursachen, Krankheiten und Risikofaktoren in Ländern in aller Welt analysiert. (dpa/ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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