Protest gegen den Lockdown

Einzelhändler schicken täglich massenhaft Pakete an Kretschmann und Merkel - aus Protest

Winfried Kretschmann schaut skeptisch in Richtung eines Paketstapels.
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Aus Protest gegen den Lockdown schicken Händler aus Aalen täglich Pakete an Winfried Kretschmann.

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat fatale Auswirkungen auf den Einzelhandel. In Aalen regt sich nun Protest gegen den anhaltenden Lockdown - auf ungewöhnliche Weise.

Aalen - Das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) hatte und hat fatale Auswirkungen auf die Wirtschaft* im Südwesten. Der Einzelhandel ist davon ganz besonders betroffen. Aufgrund des bereits seit Dezember geltenden Lockdowns mussten die Händler ihre Geschäfte und Läden bereits zum zweiten Mal seit dem Ausbruch des Coronavirus in Baden-Württemberg* für mehrere Wochen schließen. Im Dezember ging vielen durch diese Maßnahme das Einkommen aus dem Weihnachtsgeschäft durch die Lappen. Der Lockdown wurde kürzlich bis zum 7. März verlängert*, Friseure dürfen jedoch bereits Ende Februar wieder öffnen. Für die Einzelhändler im Land liegt jedoch noch keine klare Perspektive vor.

Durch die aktuelle Lage aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg sind im Handel viele Existenzen bedroht. Der Handelsverband befürchtete bereits im Vorfeld des Shutdowns, dass im schlimmsten Fall 12.000 Händler den Lockdown nicht überleben könnten*. Vor wenigen Tagen nannte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne)* zwar einen konkreten Zeitpunkt für die Öffnung des Handels, ruderte wenig später allerdings wieder zurück. Eine Protestaktion sorgt nun für Aufmerksamkeit: Der baden-württembergische Regierungschef und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekommen aktuell täglich Pakete von frustrierten Händlern aus Aalen (Ostalbkreis), wie der Südwestrundfunk (SWR) berichtet.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Im Einzelhandel regt sich Widerstand gegen den Lockdown

Die Händler aus Aalen sind nicht die Ersten, die gegen die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg vorgehen. Mehrere Händler starteten eine regelrechte Klagewelle*. Die Warenhaus-Kette Breuninger aus der Landeshauptstadt Stuttgart* will eine Öffnung der Filialen beispielsweise vor Gericht erzwingen und das Familienunternehmen Riani aus Schorndorf (Rems-Murr-Kreis*) reichte am vergangenen Mittwoch ebenfalls einen Eilantrag am Verwaltungsgerichtshof in Mannheim ein. Die Einzelhändler in Aalen setzen jedoch nicht auf den Rechtsweg, sondern starteten eine deutlich kreativere Protestaktion gegen die Corona-bedingten Schließungen.

Aus Protest gegen die anhaltenden Ladenschließungen verschickt Händler Alfred Krauss aus Aalen täglich zwei Pakete mit Winterware, die er nicht mehr verkaufen kann, wie der SWR berichtet. So habe Winfried Kretschmann beispielsweise eine weiße Winterdecke erhalten und die Kanzlerin eine rote. Mit der Aktion will Krauss jedoch nicht seine Ware loswerden, sondern ein Zeichen setzten. Diesem Vorbild sind bereits andere Händler aus der Stadt gefolgt. So werden inzwischen täglich mindestens zwanzig Pakete mit Ware, die nicht mehr verkäuflich ist, nach Stuttgart und Berlin geschickt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Prostest in Aalen - „der kleine Einzelhandel geht einfach unter“

Während des Lockdowns aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg haben sich viele Gastronomie-Betriebe notgedrungen auf Essen zum Mitnehmen verlagert. Für Einzelhändler ist auch das oftmals keine Option und auch ein möglicher Onlineversand ist durch die riesige Konkurrenz, unter anderem durch Amazon, für kleine Betriebe oft keine Lösung.

Deshalb gehen aus Aalen Pralinen, Teegebäck und nicht ausgeschenktes Bier in die Landes- und die Bundeshauptstadt. Auch Händlerin Inge Drabek schickt täglich Winterkleidung an das Kanzleramt, wie der SWR berichtet. Sie verstehe nicht, warum sie ihre kleine Boutique nicht öffnen dürfe. Dabei könnten sich aus ihrer Sicht locker zwei bis drei Kunden mit genügend Abstand darin aufhalten.

Gerade bei den kleineren Einzelhändlern in Baden-Württemberg wächst der Frust immer weiter. „Ich habe immer das Gefühl, dass die Großen wahrgenommen werden. Aber der gute, kleine Einzelhandel geht einfach unter“, sagte Inge Drabek. Auch Alfred Krauss sehe nach eigenen Angaben keinen pandemischen Grund, warum der Einzelhandel weiterhin geschlossen bleiben müsse. „Wir passen auf, wir halten Abstand, wir haben Masken“, sagte der Händler aus Aalen. Was mit den Zusendungen an Winfried Kretschmann und Angela Merkel passiert, wissen die Händler nicht. Laut Informationen des SWR werden die Pakete jedoch an die Absender zurückgeschickt. Die Aalener Einzelhändler geben sich jedoch nicht geschlagen und wollen weiter Pakete nach Stuttgart und Berlin schicken. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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