„Es sieht so aus, als könne er nicht mehr atmen“

Coronavirus: Blogger filmt Situation in Wuhan – Regierung konfisziert Aufnahmen

Das Coronavirus wütet in Krankenhäusern in Wuhan viel schlimmer als gedacht. Das zeigen Filmaufnahmen eines Bloggers. Der bekommt Besuch von der Polizei.

  • Ein chinesischer Blogger hat die Situation in einem Krankenhaus in Wuhan gefilmt. 
  • Die Region ist besonders stark von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen. 
  • Chinesische Behörden verhafteten ihn daraufhin kurzzeitig. 

Wuhan – Es sind schreckliche Szenen, die der chinesische Blogger Fang Bin in einem Krankenhaus in der inzwischen abgeriegelten Stadt Wuhan gefilmt hat. „Mein Gott, so viele Tote“, kommentiert er den Anblick eines Leichenwagens vor dem Krankenhaus. Es sind Szenen, die das chinesische Staatsfernsehen nicht zeigt. Es ist eine „Suche nach der Wahrheit“, wie der Blogger sagt, bevor er das Krankenhaus in Wuhan betritt. 

Coronavirus: Chinesischer Blogger filmt Situation in Wuhan 

Wie viele Chinesen traut Fang Bin den offiziellen Informationen der staatlichen Behörden über das Coronavirus nicht mehr. Aus diesem Grund entscheidet er, sich ein eigenes Bild von der Situation vor Ort zu machen. Ein Blick in den Van vor dem Krankenhaus offenbart übereinandergestapelte, orangefarbene Leichensäcke. Fang Bin zählt die Toten: Acht insgesamt. 

Als er weiter in das Krankenhaus hineingeht, kommen ihm Ärzte in Schutzanzügen entgegen. In einem völlig überfüllten Zimmer sitzt ein schluchzender Mann neben einem Bett, auf dem eine leblose Person liegt. „Wer ist dieser Mann?“, fragt Fan Bing. „Vater“, antwortet der trauernde Mann. „Es sieht so aus, als könne er nicht mehr atmen. Er gibt kein Lebenszeichen mehr von sich.“ Der Blogger wendet sich ab und kommentiert: „Es ist schon wieder einer mehr gestorben.“ 

Coronavirus: Chinesischer Blogger wird in Wuhan verhaftet 

Anschließend entscheidet sich Fang Bin, die Aufnahmen schnellstmöglich zu veröffentlichen, wie tagesschau.de berichtet. Am selben Abend noch klingelt es an der Tür des Bloggers. Männer in Schutzanzügen dringen in seine Wohnung ein, sie seien angeblich vom Gesundheitsamt. Sie müssten überprüfen, ob Bin einem Risikokontakt mit dem Coronavirus ausgesetzt gewesen sei. Anschließend wird Bin mit auf die Polizeistation genommen, sein Handy und Laptop werden konfisziert. Der Verdacht: Er soll ein vom Ausland bezahlter Staatsfeind sein. 

Doch die versuchte Schadensreduktion kommt zu spät: Die Videoclips des Bloggers hatten sich längst im Internet verbreitet, unter anderem auch auf der Plattform Youtube und dem Kurznachrichtendienst Twitter. Außerhalb der Macht der chinesischen Zensur, denn in China werden seine Aufnahmen schnell gelöscht. Freunde und Anwälte rufen den chinesischen Blogger an, wollen wissen, wo er ist. Die chinesischen Beamten lassen ihn daraufhin laufen. Er lädt weitere Videos ins Internet – in denen er seine Erlebnisse schildert. 

Coronavirus: Szenen aus Wuhan sind kein Einzelfall 

Ähnliche Szenen wie die, die von Fang Bin eingefangen wurden, kursieren bereits im Internet. Immer wieder versucht die chinesische Regierung, die Verbreitung der Videos zu verhindern. Sie bilden ein Gegengewicht zu den offiziellen Bildern, die die chinesischen Staatsmedien über das Coronavirus verbreiten. Dort werden Bilder von neu erbauten Krankenhäusern, Behandlung von Patienten und frischem medizinischen Personal gezeigt. Turnhallen werden behelfsmäßig in Krankenhäuser verwandelt. Vier, fünf Ärzte kümmern sich jeweils um einen Patienten, der aufgenommen wird. Die traurige Realität, die Fan Bing in seinem Video zeigt, offenbart eine völlig andere Situation. Der Blogger steht aktuell unter Quarantäne in seiner Wohnung in Wuhan.

Ein junger Arzt hatte bereits vor Wochen vor dem Coronavirus gewarnt. Daraufhin hatten die Behörden ihn massiv unter Druck gesetzt. Jetzt ist er an der Krankheit gestorben.

Für viele Deutsche ist der Coronavirus weit weg** - nicht für Carina Rüddenklau. Sie lebt in China.

Das Coronavirus breitet sich weiter aus. NRW meldet erste Fälle. Deutschland rüstet sich für die Epidemie.

Sie verteilen Lebensmittel an Bedürftige. Doch auch die Tafeln in Deutschland leiden unter den Folgen des neuartigen Coronavirus: Es drohen leere Regale.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

**hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes. 

Rubriklistenbild: © AFP

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