Zahl der Infizierten steigt weiter an 

Coronavirus-Ernstfall: So würden deutsche Ärzte entscheiden wer behandelt wird - und wer nicht

Corona: Die Kapazitäten in medizinischen Einrichtungen werden knapp. Nun wurde festgelegt, mit welcher Priorität Patienten in Deutschland behandelt werden sollen.

Frankfurt - In Italien ist sie bereits unabdingbar, in Deutschland könnte sie bald Realität sein. Anhand der Triage, also der Einteilung der Covid-19-Erkrankten nach der Schwere der Infektion oder Krankheit, wird bald über Leben und Tod entschieden. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, sollen sich deutsche Ärzte bereits auf eine Triage vorbereiten. Viele Mediziner halten demnach einen Mangel an Intensivbetten in der Bundesrepublik für wahrscheinlich.

Coronavirus in Deutschland: Notfall-Plan sieht Triage der Erkrankten vor

Darum verabschiedeten sieben medizinische Fachgesellschaften (unter anderem auch die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin) einen Katalog mit entsprechenden Handlungsempfehlungen. Damit soll festgelegt werden, in welcher Reihenfolge Patienten zu behandeln sind. 

Das Papier mit dem langen Titel „Entscheidungen über die Zuteilung von Ressourcen in der Notfall- und Intensivmedizin im Kontext der Covid-19-Pandemie“ soll also bei „Konflikten bei Entscheidungen über intensivmedizinische Behandlungen“ helfen.

Lesen Sie auch: Kanzleramtschef Braun erläuterte den ersten Schritt bei einer Lockerung der aktuellen Beschränkungen.

Coronavirus in Deutschland: Behandlungen könnten von Erfolgsaussichten abhängig werden

„Wenn nicht mehr alle kritisch erkrankten Patienten auf die Intensivstation aufgenommen werden können, muss analog der Triage in der Katastrophenmedizin über die Verteilung der begrenzt verfügbaren Ressourcen entschieden werden“, heißt es im elfseitigen Papier. Dabei sei es „unausweichlich“, eine Auswahl zu treffen, welche Personen akut- oder intensiv-medizinisch behandelt werden „und welche nicht (oder nicht mehr)“.

Diese Entscheidungen werden dem Papier zufolge, wenn möglich von zwei intensivmedizinisch erfahrenen Ärzten, sowie einem Vertreter des Pflegepersonals und anderer Fachleute beschlossen. Es gilt das „Mehraugen-Prinzip“. Priorisierungen, wer behandelt wird und wer nicht, richten sich dabei allein nach den klinischen Erfolgsaussichten. So könnte auf die „Behandlung derer, bei denen keine oder nur eine sehr geringe Erfolgsaussicht besteht“, verzichtet werden.

Lesen Sie auch: Virologe Kekulé - Alle müssen ständig OP-Masken tragen - keine Normalität bis mindestens Ende 2020

Coronavirus in Deutschland: Station des Patienten bei Priorisierung irrelevant

Patienten mit höherer Überlebenswahrscheinlichkeit und besserer Gesamtprognose haben dadurch bessere Chancen auf eine Behandlung. Die Abwägung erfolgt zudem unabhängig davon, auf welcher Station Patienten lägen. Nicht vertretbar sei die Auswahl nur innerhalb der Covid-19-Erkrankten. Es sei außerdem nicht zulässig, Patienten allein aufgrund ihres Alters oder aufgrund sozialer Kriterien nicht zu behandeln.

Rubriklistenbild: © dpa / Axel Heimken

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Drosten befürchtet neue Phase der Corona-Epidemie in Deutschland - und erklärt, warum Sterblichkeitsrate jetzt steigt

17 Menschen aus einem Pflegeheim in Wolfsburg sterben nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Nun fürchtet Virologe Drosten eine neue Phase der Epidemie. 
Drosten befürchtet neue Phase der Corona-Epidemie in Deutschland - und erklärt, warum Sterblichkeitsrate jetzt steigt

Corona-Krise in Bremen: Polizei löst private Geburtstagsparty auf - neue Todesfälle

Das Coronavirus verbreitet sich weiterhin in Bremen. 297 Covid-19-Fälle sind bislang bestätigt worden, auch die Zahl der Genesenen steigt. Die Einschränkungen werden von …
Corona-Krise in Bremen: Polizei löst private Geburtstagsparty auf - neue Todesfälle

Corona in Deutschland: Experten warnen – Krise soll bis September andauern 

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland weiter aus. Aktuell haben sich fast 60.000 Menschen infiziert. In Bayern verlängert Ministerpräsident Söder die …
Corona in Deutschland: Experten warnen – Krise soll bis September andauern 

Coronavirus in Italien: Mehr als 100.000 Infizierte, aber Studie macht Hoffnung auf ein „Ende der Hölle“

Die Zahl der Neuansteckungen mit dem Coronavirus geht in Italien langsam zurück. Die Bundeswehr hat erkrankte Italiener nach Hamburg ausgeflogen. 
Coronavirus in Italien: Mehr als 100.000 Infizierte, aber Studie macht Hoffnung auf ein „Ende der Hölle“

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.