Zusammenreißen statt Lockdown

Was, wenn Corona-Warnwerte nicht mehr ausreichen? Virologin beklagt fehlendes Konzept und fordert „Zusammenreißen“

Schild Maskenpflicht an Ladentür
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„Bitte beachten Sie die Maskenpflicht“ gilt an immer mehr Orten mit vielen Menschen und in Fußgängerzonen.

Die Virologin Berrit Lange vom Helmholtz-Zentrum beklagt, dass ein nachhaltiges Corona-Konzept für den Winter fehlt. Besonders, wenn die 100er-Marke dauerhaft überschritten wird.

  • Bereits jetzt sind die Marken von 35 bzw. 50 Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner in einigen Regionen dauerhaft überschritten.
  • Die Corona-Ampel* und andere Maßnahmen zielen jedoch genau auf diese Grenzwerte ab.
  • Was passiert, wenn sie überschritten bleiben? Eine Virologin sammelt Antworten.

München - Mehrere Regionen in Deutschland überschreiten aktuell die kritische Marke von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern, einige liegen bereits über der Marke von 50. Das Beispiel Neukölln, wo das Virus derzeit besonders viele Einwohner erwischt, zeigt, dass auch durchaus höhere Marken möglich sind. Aktuelle politische Strategien, darunter die Corona-Ampel*, orientieren sich aber nur an den Marken 35 bzw. 50 - von Kontaktbeschränkungen über Sperrstunden bis hin zu Maßnahmen in Schulen orientiert sich alles an der so genannten Sieben-Tages-Inzidenz*.

Was aber passiert, wenn die Marke überschritten bleibt - und vielleicht auch deutlich? Und das auch noch in mehreren Regionen parallel? Berit Lange, Virologin am Helmholtz-Zentrum schätzt auf Focus.de die aktuellen Corona*-Maßnahmen ein - und sagt, was jenseits der Inzidenz-Marken benötigt wird.

Coronavirus in Deutschland: Virologin schätzt Maßnahmen ein

Die Virologin beurteilt es zwar grundsätzlich als sinnvoll und richtig, auf lokale Infektionsgeschehen zu schauen, diese also auch differenziert zu betrachten. Doch sie schränkt ein: „Es ist bisher wenig von Konzepten, die darüber hinaus gehen, die Rede.“ Es fehle an Ideen, was zu tun sei, wenn die Zahlen auf 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche anstiegen, ohne dass die Konzepte für 35 bzw. 50 gegriffen hätten.

Grundsätzlich sei das Konzept Abstandhalten - Hygiene - Alltagsmasken - Lüften weiterhin richtig und gut. Allerdings müsse es mit einer erheblichen Kontaktreduktion einhergehen, damit ein zweiter Lockdown in der zweiten Welle* verhindert werden könne.

Corona-Maßnahmen beurteilt von der Virologin Berrit Lange: Zusammenreißen statt Lockdown

„Es gibt Maßnahmen, die noch keinen zweiten Lockdown darstellen, die aber zu einer Kontaktreduktion führen“, so die Virologin. Eine Idee könne sein, Menschen im Home-Office arbeiten zu lassen, die dadurch keinen Verdienstausfall erlitten hatten. Wenn sich viele „zusammenreißen“ würden, müssten keine größeren Maßnahmen wie ein zweiter Lockdown angewandt werden.

Als vielversprechend sieht sie folgende Maßnahmen:

  • Sperrstunden in Corona-Hotspots: Allerdings nur, wenn klar ist, dass sie die Quelle besonders vieler Ansteckungen sind
  • Beschränkungen von Treffen: Diese Maßnahme müsste noch erweitert werden, weil in Zukunft viele Ansteckungen auch im kleinen Kreis passieren würden
  • Erweiterung der Maskenpflicht*: Unabhängig von aktuell geltenden Regelungen solle sich jeder sogar fragen, ob er im Innenraum nicht sogar immer eine Maske tragen möchte - zum Beispiel auch beim Verwandtenbesuch
  • Zudem setzt die Virologin auf Antigentests, die besonders in Altenheimen schnelle Erkenntnisse bringen könnten.

Insgesamt sieht Lange Deutschland deutlich besser aufgestellt als noch im Frühjahr, weil man auf allen Ebenen gelernt habe und gezielter reagieren könne. Andererseits könne man nicht auf den Sommereffekt hoffen, sondern müsse sich auf einen langen Winter einstellen, in dem besonders ältere Menschen noch viel besser geschützt werden müssten. (kat) *Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionszentrums.

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