„Aller-, allerhöchste Vorsicht geboten“

EU besorgt über Verbreitung der Corona-Mutation: „Angst, dass es zu einer Explosion kommt“

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides.
+
EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides fordert im Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Mutationen entschlossenes Handeln. (Archivbild)

Die Ausbreitung der Corona-Mutationen, insbesondere der Variante B.1.1.7, bereitet der EU und Deutschland große Sorgen. Es herrscht Angst vor einer Explosion der Infektionszahlen.

  • Die Virus-Mutation B.1.1.7* hat in Großbritannien und Irland für einen starken Anstieg der Corona-Zahlen gesorgt.
  • Die EU fürchtet, dass es zu einer „Explosion des Coronavirus*“ kommen könnte.
  • EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides fordert ein entschlossenes Handel. der EU-Staaten.

Brüssel - Am vergangenen Donnerstag fand, zwei Wochen früher als geplant, bereits eine Tagung des sogenannten Notfallkomitees der Weltgesundheitsorganisation WHO statt. Am kommenden Donnerstag (21. Januar) soll es nun zu einem Sondergipfel der EU-Spitzen kommen. Das berichtet die Welt. Der Grund: die neuen Mutationen des Coronavirus.

Corona-Mutation: B1.1.7 sorgt in Großbritannien und Irland für Explosion der Infektionszahlen

Neben der ganz neuen Virus-Mutation P.1 aus Brasilien* und der Corona-Variante 501.V2 aus Südafrika, bereitet insbesondere die Mutante B.1.1.7 aus Großbritannien den EU-Staaten große Sorgen. Am Klinikum Garmisch-Partenkirchen wurde jetzt ebenfalls eine bislang unbekannte Variante* entdeckt. Insgesamt haben sich die Coronavirus-Mutationen bislang in mindestens 50 Ländern weltweit verbreitet.

Die Virus-Mutation B.1.1.7*, die wohl um 40 bis 70 Prozent ansteckender ist als das ursprüngliche Coronavirus*, hat in Großbritannien für einen extremen Anstieg der Infektions- und Todeszahlen gesorgt. Auch in Irland sind die Corona-Zahlen im vergangenen Monat regelrecht explodiert. Lag die 7-Tage-Inzidenz Anfang Dezember noch unter 50, beträgt sie inzwischen dort mehr als 900.

Corona-Mutation in der EU: „Angst, dass es zu einer Explosion kommt“

In Brüssel hat man die nächste drohende Gefahr in der Corona-Pandemie längst erkannt. „Die Angst ist groß, dass es ziemlich bald zu einer Explosion des Coronavirus kommen wird“, erklärte ein hoher EU-Beamter, der in wichtige Verhandlungen eingebunden ist, gegenüber der Welt. In einer internen Sitzung der EU-Kommission sei demnach bereits darauf hingewiesen worden, dass in weiten Teilen der EU in wenigen Wochen „die gleichen Zustände wie in Großbritannien“ herrschen könnten.

In vielen europäischen Ländern gelten bereits strenge Corona-Maßnahmen. In Österreich wurde am vergangenen Wochenende der Lockdown verlängert und die Regeln nochmals verschärft. Auch in Deutschland wird beim nächsten Corona-Gipfel zwischen Bund und Ländern am Dienstag (19. Januar) wohl über eine weitere Verlängerung und Verschärfung der Maßnahmen beraten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll laut Welt-Informationen vergangene Woche in einer internen Fraktionssitzung der Unionsparteien eindringlich vor der Virus-Mutation B1.1.7 gewarnt haben. Diese könne zu einem exponentiellen Wachstum der Infektionszahlen in Deutschland führen. „Deshalb ist aller-, allerhöchste Vorsicht geboten“, wird Merkel zitiert.

Sorge vor Corona-Mutation in der EU: Kyriakides fordert entschlossenes Handeln

„Wir sehen, dass die neuen Varianten des Virus verbreitet sind und in mehreren europäischen Ländern schon einen signifikanten Einfluss haben“, bilanzierte die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides gegenüber Welt. Sie forderte ein entschlossenes Handeln der EU-Staaten. „Wir müssen mehr Genom-Sequenzierungen durchführen, um die Virus-Varianten zu identifizieren, und wir müssen Informationen zwischen uns austauschen. Das ist entscheidend.“

Die EU-Kommission sei bereit, die einzelnen Staaten mit Expertise, Infrastruktur und mit Geld zu unterstützen. Zudem müsse man auch vermehrt testen sowie die Kapazitäten in den Krankenhäusern und auf den Intensivstationen erhöhen, so Kyriakides. „Wir müssen alles Erdenkliche tun, um eine dritte Welle und den Verlust weiterer Leben wegen Covid-19* zu verhindern“, mahnte sie. Deutschland will die unterschiedlichen Coronavirus-Mutationen besser erforschen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte am Montag (18. Januar) eine entsprechende Verordnung der Regierung an. Mehr Infos finden Sie in unserem Corona-Deutschland-Ticker. (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Wurden Daten manipuliert? Wissenschaftler zweifeln „Sputnik V“-Impfstoff an

Die EMA prüft in einem rollenden Zulassungsverfahren den russischen Corona-Impfstoff „Spuntik V“. Wissenschaftler haben verdächtige Auffälligkeiten entdeckt.
Wurden Daten manipuliert? Wissenschaftler zweifeln „Sputnik V“-Impfstoff an

Erdbeben Stärke 5,2 erschreckt Menschen auf Kreta

Ein Erdbeben hat am Mittwochmorgen die größte griechische Mittelmeerinsel Kreta erschüttert und dort viele Menschen aufgeschreckt.
Erdbeben Stärke 5,2 erschreckt Menschen auf Kreta

Schon wieder! Mitarbeiter infiziert sich über Tierfell mit Corona - Experten werfen Ministerin Untätigkeit vor

Corona in Europa: Nerze sehen niedlich aus. Doch offenbar haben sich diese Pelztiere mit dem Virus infiziert. Nun sind Mitarbeiter einer Pelzfarm an Covid-19 erkrankt.
Schon wieder! Mitarbeiter infiziert sich über Tierfell mit Corona - Experten werfen Ministerin Untätigkeit vor

Imbiss-Besitzer schlägt Räuber mit Dönermesser in die Flucht - Grund für Überfall überrascht

Mit einem Dönermesser hat sich ein Imbiss-Besitzer in Mecklenburg-Vorpommern gegen einen Überfall zur Wehr gesetzt.
Imbiss-Besitzer schlägt Räuber mit Dönermesser in die Flucht - Grund für Überfall überrascht

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.