USA weiter an der Spitze 

Corona-Hotspots verschieben sich: Diese Länder sind aktuell am stärksten betroffen

Deutschland scheint die Corona-Pandemie etwas in den Griff bekommen zu haben. Das ist jedoch nicht überall so. Ein Überblick über die am stärksten betroffenen Länder.

München - Deutschland scheint die Corona-Krise zusehends in den Griff zu bekommen. Auch wenn die Reproduktionszahl zuletzt gestiegen war, hat sich die Situation etwas normalisiert. Während die Pandemie und die Schutzmaßnahmen vor wenigen Wochen noch das ganze Land prägten, bereiten mittlerweile fast nur noch lokale Hotspots wie Gütersloh oder Berlin-Neukölln Sorge. 

Laut jüngstem Lagebericht des Robert-Koch-Instituts wurden für den Mittwoch (24. Juni) aus acht Bundesländern weniger als zehn neue Corona-Fälle gemeldet. 66 Prozent der gemeldeten 477 Neuinfektionen verteilen sich auf Nordrhein-Westfalen (158), Bayern (80) und Berlin (75). Aktuell zählt die Bundesrepublik laut RKI insgesamt 192.556 bekannte Fälle, von denen aber bereits rund 177.100 Infizierte genesenen sind (Stand: 25. Juni, 0 Uhr)

In anderen Ländern ist die Lage hingegen deutlich prekärer. Ein Überblick auf Basis der Daten der Johns-Hopkins-Universität (Stand 26. Juni, 17 Uhr):

Coronavirus in den USA: Das Land mit den meisten Infizierten 

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin das am stärksten von der Pandemie betroffene Land. Insgesamt 2.422.555 bestätigte Fälle (davon 1.634.569 aktuell) und 124.424 Tote bedeuten einen unrühmlichen ersten Platz im weltweiten Vergleich. 

Derweil gibt US-Präsident Donald Trump* offenbar alles, um sein Land gut darzustellen. Am Donnerstagabend (Ortszeit) behauptete er auf Twitter, dass die Sterberate des Coronavirus in den USA eine der geringsten der Welt sei. Laut JHU belegen die USA mit einer Sterberate von aktuell 5,1 % jedoch den sechsten Platz. Auf Rang eins liegt Großbritannien (14,0 %). 

Auch in den Zahlen, die die Toten pro 100.000 Einwohner zeigen, schneiden die USA schlecht ab. Mit einem Wert von 38,03 pro 100.000 Einwohner belegen die Vereinigten Staaten Platz drei. Schlimmer ist es nur in Spanien (60,63) und Großbritannien (65,14).

Coronavirus in Brasilien: Ein Brennpunkt der Pandemie - rund 500.000 aktive Fälle

Ähnlich angespannt gestaltet sich die Situation in Brasilien. Im größten Land Lateinamerikas haben sich mittlerweile 1.228.114 Menschen infiziert, 54.971 starben. Rechnet man die Genesenen weg, bleiben etwa 494.000 aktive Fälle. 

Kritiker werfen dem Land vor, viel zu spät auf die Krise reagiert zu haben. Dies lege insbesondere am umstrittenen Präsidenten Jair Bolsonaro. Der „Tropen-Trump“, wie er von vielen genannt wird, gibt in der Krise bislang einen schlechten Part ab

Coronavirus in Chile und Peru: Hohe Fallzahlen in Südamerika

Schwer hat die Corona-Pandemie unterdessen auch Chile und Peru erwischt. Chile zählt insgesamt 259.064 Covid-19-Fälle. Nachdem die Lage vor gut zwei Wochen noch düster ausgesehen hatte, stabilisierten sich die Neuinfektionen in den letzten Tagen jedoch und bereits 219.327 Personen gelten als genesen. Insgesamt 4.903 Menschen starben. 

In Peru, wo insgesamt 8.761 Menschen an den Folgen von Covid-19 starben, gelten bereits 151.225 als genesen. Damit kommt das Land, das mit 32 Millionen in etwa doppelt so viele Einwohner wie Chile hat, auf aktuell etwa 108.000 aktive Fälle. 

Coronavirus in Schweden: Der Sonderweg forderte viele Infizierte

Schweden ging in der Corona-Krise einen Sonderweg, der im Nachhinein betrachtet mit zunehmender Kritik bedacht wird. Die Regierung setzte auf wenige Einschränkungen und mehr Eigenverantwortung der Bevölkerung. Doch dieser Plan ging nicht wirklich auf, das musste jüngst auch Schwedens Staatsepidemiologe zugeben

In dem skandinavischen Land wurden bisher mehr als 65.000 Infizierte registriert. 5.280 Menschen starben an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Wie viele Genesene es im Land gibt, geht aus den Daten der JHU nicht hervor. Dass die Lage dennoch dramatisch ist, zeigt der Vergleich mit anderen skandinavischen Ländern sowie mit Deutschland: Schweden hat mit rund 10 Millionen Einwohnern nur etwa ein Achtel der deutschen Bevölkerungsgröße, kommt aber auf etwa ein Drittel der Infizierten. 

Anders Tegnell steht federführend für den Sonderweg, den das Land eingeschlagen hatte. Der Staatsepidemiologe musste sich zuletzt Fehler eingestehen. 

Coronavirus in China und Indien: Unterschiedliche Lage in den Milliarden-Staaten

In den beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Erde gestaltet sich die Lage recht unterschiedlich. Während China, wo das Virus Ende 2019 ausgebrochen war, mittlerweile nur noch wenige neue Infizierte meldet, ist die Situation in Indien noch prekär. 

Anfang der Woche hatten die Behörden dort etwa mehr als 15.000 Neuinfektionen gemeldet. Mittlerweile droht gar ein Krankenhaus-Kollaps, da schlicht keine Kapazitäten mehr verfügbar sind. Die Hauptstadt Delhi ist besonders stark betroffen. Deren Regierungschef Arvind Kejriwal meint: „Vor einer Woche hatten wir 24.000. Das bedeutet, wir haben jetzt 1000 aktive Fälle mehr, die Lage ist also weit davon entfernt, sich zu stabilisieren.“ Insgesamt kommt Indien auf 490.401 Fälle und 15.301 Toten bei 285.537 Genesen. 

In China sorgte ein erneuter Ausbruch in Peking jüngst zwar für Sorge, doch die drastischen Maßnahmen vor Ort konnten die große Welle an Neuinfektionen offenbar verhindern. Die Stadt wurde teilweise abgeriegelt. Flüge aus und in die Hauptstadt massiv reduziert. Der Busverkehr in andere Provinzen eingestellt. Momentan kommt China auf 84.704 bestätigte Fälle und 4.641 Toten. Die Zahl der Rehabilitierten liegt mittlerweile allerdings bei 79.577 Menschen. 

Coronavirus weltweit: Gefahr noch nicht gebannt - die Hotspots verlagern sich

Alles in allem ist die Corona-Pandemie gewiss nicht besiegt. Die Orte, an denen das Virus am stärksten wütet, verlagern sich lediglich. Nachdem Europa das Schlimmste überstanden scheint (auch in Italien, Spanien, Frankreich oder Großbritannien gehen die Neuinfektionen zurück), trifft Covid-19 aktuell Amerika besonders stark. Es wird befürchtet, dass die große Welle anschließend Afrika erreicht, wo die Gesundheitssysteme oftmals in einem katastrophalen Zustand sind und Corona folglich zu einem großen Problem werden könnte. 

Mitten in der Corona-Pandemie häufen sich in China Fälle von Beulenpest. (as) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / White House

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