Statt Lockdown

Coronavirus: Schweden wieder mit Sonderweg - eigene Pläne in der zweiten Welle

Die schwedische Flagge an einem Fahnenmast
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Schweden geht in der Corona-Krise seinen eigenen Weg.

Europaweit verhängen viele Regierungen den Lockdown, um der Corona-Pandemie entgegenzuwirken. In Schweden entscheidet man sich für andere Maßnahmen.

  • In Schweden setzt die Politik im Kampf gegen das Coronavirus auf ihre Bevölkerung.
  • Dabei haben die Nordeuropäer ganz eigene Vorstellungen, wie man die Pandemie in den Griff bekommt.
  • Doch auch in dem skandinavischen Land werden die Zügel angezogen.

Stockholm - In weiten Teilen Europas verkündeten Politiker aufgrund der jüngsten Corona-Zahlen* den Lockdown. Auch Deutschland wird ab Anfang November das Alltagsleben drastisch herunterfahren.

Am Donnerstag gab Bundeskanzlerin Angela Merkel* im Bundestag ihre Regierungserklärung ab und verkündete einen Teil-Lockdown, der ab 2. November in Kraft treten wird. Während in der Bundesrepublik die Maßnahmen von den Bürgern umgesetzt werden müssen, geht Schweden einmal mehr einen Sonderweg im Kampf gegen das Coronavirus*.

Corona: Schweden setzt auf „Soll“ statt „Muss“

Das skandinavische Land setzt auf die Vernunft und das konstruktive Mitwirken der schwedischen Bevölkerung. Die Regierung sprach Empfehlungen aus und verzichtete auf Beschränkungen – die Schweden „sollen“ also und „müssen“ nicht.

Damit bleiben die Nordeuropäer ihrer bisherigen Linie während der Corona-Pandemie treu, obwohl auch in Schweden die Anzahl der Neuinfektionen* stark ansteigt. In der Region rund um Uppsala, einer Stadt mit hohem Studentenanteil, und in Skåne waren die Zahlen ganz besonders hoch. Zudem hatte die Hauptstadt Stockholm immer mehr Corona-Kranke zu verzeichnen.

Schweden: Härtere Corona-Empfehlungen als bisher

Auch wenn in Schweden ein liberaler Weg eingeschlagen wurde, aufgrund der bedenklichen Entwicklung der vergangenen Wochen entschieden sich Politik und Behörden auch hier für eine härtere Gangart. So verkündete man unter anderem für die Corona-Hotspots Uppsala, Skåne und die Region Stockholm sehr strenge Empfehlungen.

Und diese ähneln dem „Lockdown light“ in Deutschland durchaus. So sollen in Skåne alle Bewohner auf die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel verzichten und sich von Einkaufszentren, Geschäften, Fitnessstudios und anderen öffentlichen Orten weitgehend fernhalten – und das bis zum 17. November.

Zudem sind Gruppenansammlungen und gemeinsame sportliche Aktivitäten unerwünscht. Lediglich Einkäufe, Arztbesuche oder Sport für Kinder des Jahrgangs 2005 oder jünger ist genehmigt. Auch in der Studentenstadt Uppsala sowie in Stockholm, Västra Götaland und Östergötland soll es vergleichbare Vorgaben geben.

Video: Corona-Infektionszahlen für Europa am Freitag, den 30.10.2020

Schwedens Chefepidemologe Anders Tegnell warnte seine Landsleute unterdessen inständig vor den kommenden Wochen: „Dies ist ein harter Herbst, und es wird wahrscheinlich noch schlimmer werden, bevor es vorbei ist.“ Härtere Maßnahmen sieht er trotzdem kritisch. „Lockdowns sind keine langfristige Lösung“, befand Tegnell im Gespräch mit Zeit Online.

Allerdings sorgten in Schweden vor allem die extrem hohen Todeszahlen in Pflegeheimen während der ersten Corona-Welle im Frühjahr für Entsetzen. Insgesamt starben in dem Land bislang knapp 6.000 Menschen an Covid-19.

Schweden: Bürger halten sich laut Umfragen an Corona-Empfehlungen

Ob die schwedische Regierung und Staatsepidemiologe Tegnell mit der Strategie, auf Empfehlungen statt Verbote zu setzen, letztlich Erfolg haben werden, muss man abwarten. Ergebnisse aus Umfragen deuten jedoch darauf hin, dass die Schweden sich diszipliniert verhalten.

Wie eine Erhebung der „Swedish Civil Contingencies Agency“ ergab, haben 80 Prozent der schwedischen Bürger ihr Verhalten geändert und während der Corona-Pandemie Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen umgesetzt. (kh) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

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