Streit um Impfstoff

Corona: Lauterbach zerreißt Söders Astrazeneca-Vorstoß - Auch Merkel soll sich deutlich positioniert haben

„Es rasen zwei Züge aufeinander zu“, warnt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Eine Idee von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder lehnt nicht nur er vehement ab.

Update vom 1. März, 17.05 Uhr: Markus Söder plädierte dafür, die Impfreihenfolge zu ändern. Bevor der Impfstoff des Anbieters AstraZeneca „weggeschmissen“ werde, solle dieser bereits jetzt Bevölkerungsgruppen angeboten werden, die in der vorgesehenen Reihenfolge erst viel später für eine Impfung vorgesehen sind. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte sich bereits kritisch gegenüber dem Vorschlag des bayerischen Ministerpräsidenten (siehe Erstmeldung vom 1. März 2021).

Und selbst bei Angela Merkel findet die Idee wenig Anklang. Laut Bild.de sollen sowohl die Kanzlerin als auch Gesundheitsminister Jens Spahn und auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet dem geplanten Vorgehen Söders skeptisch gegenüberstehen. In einer Länderschalte von CDU/CSU äußerte sich Laschet wohl kritisch. Beim Impfen soll nicht nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ vorgegangen werden. Merkel, Spahn und Laschet wollen die aktuelle Impfstrategie deshalb beibehalten.

Corona: Lauterbach zerreißt Söders Astrazeneca-Vorschlag

Erstmeldung vom 1. März 2021: Berlin - „Söders Vorschlag, ‚Astra für alle‘ ist falsch“: Das twitterte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach an diesem Sonntag - als Reaktion auf den Vorstoß des CSU*-Chefs. Markus Söder hatte sich dafür stark gemacht, wegen des Corona-Impfstoffs mit dem Imageproblem die Impfreihenfolge zu ändern: „Bevor er liegen bleibt, impfen wer will. Es darf keine Dose von AstraZeneca übrig bleiben oder weggeschmissen werden“, sagte er zur BamS.

Lauterbach widersprach Bayerns Ministerpräsident nun: „Wenn wir ihn für Ältere einsetzen bleibt kein Impfstoff liegen und zahlreiche Todesfälle werden verhindert“, schrieb er, und: „Bei Jüngeren ist er jetzt weniger dringlich.“ In weiteren Tweets erläuterte der Epidemiologe und Politiker, wie er sich Lockerungen vorstellen könnte.

Lauterbach zur Corona-Lage in Deutschland: „Es rasen zwei Züge aufeinander zu“

„Es rasen zwei Züge aufeinander zu“, konstatierte Lauterbach. Die dritte Welle in der Pandemie habe begonnen und sei nicht mehr zu stoppen. Die Mutation B.1.1.7* werde sich in Deutschland „voll durchsetzen“, ist er sich sicher. Öffnungen gingen seiner Ansicht nach nur, wenn zwei Maßnahmen kombiniert würden:

  • Die Erstimpfung aller Impfstoffe vorziehen.
  • In Betrieben und Schulen einmal wöchentlich Antigentest* durchführen.

Wer letztere nicht erhalten könne, soll in ein Testzentrum gehen. Am Tag des Tests solle man mit der entsprechenden Bescheinigung dann wieder in Geschäfte dürfen, so Lauterbach: „So macht man aus der Not eine Tugend: Öffnungen werden Anreiz für Testungen.“

Sein Vorschlag für den nächsten Schritt: Die Antigentests - sobald ausreichend verfügbar - auf zweimal wöchentlich ausdehnen. „Mit der Strategie sinkt der R-Wert auf unter 1“, glaubt Lauterbach - sogar mit der Mutante B.1.1.7.

Corona-Lockerungen? Söder und Merkel sprechen von Öffnungen - Spahn warnt

Markus Söder und Kanzlerin Angela Merkel* (CDU) hatten zuletzt von einer „Öffnungsmatrix“ respektive „Öffnungsschritten“ gesprochen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU*) mahnte am Freitag gleichzeitig zu „größtmöglicher Umsicht und Vorsicht“ dabei.

Zunächst müsse etwa beobachtet werden, ob die Öffnungen von Schulen und Kitas die Ansteckungszahlen nach oben treiben oder nicht. Die angestrebte 7-Tage-Inzidenz von maximal 35 sei vielerorts nicht erreicht - und für viele Bundesländer derzeit auch nicht erreichbar. (frs) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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