Kampf gegen Covid-19

US-Forscher stellen deutsche Corona-Teststrategie infrage: Ct-Wert sei wichtig - doch was ist das?

Ein medizinischer Mitarbeiter nimmt einen Abstrich für einen Corona-Test.
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Corona-Krise in Deutschland: Coronatest gehören zur Strategie im Kampf gegen das Coronavirus (Symbolfoto).

Corona-Tests spielen im Kampf gegen das Coronavirus eine wichtige Rolle, auch in Deutschland. Testkapazitäten werden ausgebaut. Doch ist das die richtige Strategie? US-Forscher bezweifen das.

New York - Deutschland setzt in der Corona-Krise auf Corona-Test. „Testen ist essenzieller Bestandteil einer umfassenden Pandemie-Bekämpfungs-Strategie“, ist auf der Webseite des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu lesen. Nur so lasse sich die Lage in Deutschland schnell und präzise erfassen. Die Zahl der Tests steigt kontinuierlich. Seit Monaten werden die Testkapazitäten ausgebaut. Derzeit können pro Tag 1,4 Millionen Abstriche untersucht werden, zuletzt seien mehr als 900.000 Corona-Tests pro Woche durchgeführt worden, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums am Montag in Berlin.

In den deutschen Laboren laufen die Analysegeräte nonstop. Experten forderten einen Wechsel in der Corona-Teststrategie und warnen. Die Zahl der Tests überstiegen in vielen Laboren bereits die rationierten Liefermengen an Reagenz- und Verbrauchsmaterialien. Mit Blick auf den Herbst und Winter schlugen die Labore Alarm. Zudem gibt Zweifel, ob diese Tests das Infektionsgeschehen tatsächlich abbilden und eine zweite Corona-Welle* rechtzeitig erkannt werden kann.

Coronavirus in Deutschland: Debatte um Coronavirus-Tests

Die täglichen Meldezahlen würden wenig über die tatsächlichen Corona-Neuinfektionen aussagen, kritisiert Professor Gerd Antes, Medizinstatistiker und ehemaliger Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums in Freiburg. „Wir sehen nicht die Anzahl der tatsächlichen Neuinfektionen, sondern die Anzahl der positiven Tests“, erklärte Professor Gerd Antes Merkur.de*. Daneben würde die unbekannte Dunkelziffer* der nicht getesteten Infizierten stehen. Seiner Meinung nach fehle nach wie vor ein tragfähiges Testkonzept: „Bildlich gesprochen beobachten wir ein völlig unkoordiniertes Fischen nach Infizierten, um damit Infektionsketten zu unterbrechen.“ Die Folge sei ein Durcheinander und „eine für das Infektionsgeschehen der Population extrem schädliche Verschwendung von Ressourcen.“

Die aktuelle Coronavirus-Teststrategie vieler Länder stellen nun führende US-Forscher infrage, berichtet die New York Times. Die häufig verwendeten Corona-Tests, die sogenannten PCR-Tests, bieten nämlich nur eine einfache „ja“ oder „nein“ Antwort. Das sei nach Ansicht von Dr. Michael Mina, Epidemiologe von der Universität Harvard unzureichend. Ob der positiv getestete Patient tatsächlich ansteckend ist, lasse sich allerdings durch den Standardtest nicht sagen. Seiner Auffassung nach sei es deswegen wichtig die Viruslast eines infizierten Patienten zu bestimmen.

Coronavirus in Deutschland: Ungewisse Erfassung von Infizierten

Der Wissenschaftler fordert einen Schwellwert der Sars-CoV-2-Viruslast in einer Probe zu bestimmen. Dabei sei es der sogenannte Ct-Wert (Ct steht für „Cycle threshold“) bei den Bewertungen der Laborbefunde wichtig. Je höher der Ct-Wert, desto niedriger ist die Viruskonzentration in der untersuchten Probe. Das RKI empfiehlt einen Ct-Wert von 30. Ein vernünftiger Grenzwert liegt laut Dr. Michael Mina bei 30 bis 35. Mit diesem Schwellwert würden 70 Prozent der bisherigen positiven Coronatests - negativ eingestuft, schreibt die New York Times und beruft sich auf eine US-Virologin. Tatsächlich infektiöse Menschen würden dagegen durch das Raster fallen, weil die Testkapazitäten begrenzt wären und die Ergebnisse sehr langsam verfügbar wären.

Coronavirus-Infizierte sind in einem bestimmten Zeitraum besonders ansteckend, wie verschiedene Studien gezeigt haben. Einen bis zwei Tage vor Auftreten der Symptome bis fünf Tage danach. Nach der aktuellen Teststrategie in den USA sei es jedoch unwahrscheinlich einen Infizierten in diesem Zeitfenster zu erfassen, so Dr. Mina gegenüber der Zeitung. Es ist ein Problem, das auch in Deutschland für Diskussionen sorgt. Billigere Schnelltests könnten Labore entlasten. So fordert Prof. Alexander Kekulé in einem Zeit-Interview den Einsatz sogenannter Corona-Schnelltests im Kampf gegen die Pandemie. Der Mikrobiologe räumte zugleich ein, dass sie vielfach unzuverlässig arbeiteten, doch für Massentests reichen PCR-Tests, die bisher als Goldstandard gelten nicht aus.

Was sind PCR-Tests?

Ein PCR-Test (engl. Polymerase chain reaction/ Polymerase Kettenreaktion) dient dem Nachweis einer aktuellen Coronavirus-Infektion.

Für PCR-Tests werden Proben entweder tief im Rachen oder im Nasenraum genommen.

Mit einem PCR-Test wird nachgewiesen, ob Erbgut (RNA) des SARS-CoV-2-Erregers im Abstrichmaterial vorhanden ist und das eine Infektion mit dem Coronavirus vorhanden ist.

Der PCR-Test sagt nichts darüber aus, in welchem Stadium der Infektion sich der Patient befindet oder jemand an Covid-19 Symptome aufweist.

Die Coronavirus-Pandemie bleibt in Deutschland das Thema. In einer Millionenstadt sorgen illegale Corona-Partys für Ärger, es gibt den nächsten Covid-19-Ausbruch nach einer Hochzeit. Alle Infos zu Corona in Deutschland finden Sie hier in unserem News-Ticker.(ml)* Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Die Stippvisite von Tesla-Boss Elon Musk beim Impfstoff-Hersteller Curevac hat wilde Übernahme-Spekulationen ausgelöst. Curevac-Haupteigentümer Dietmar Hopp macht dazu eine klare Ansage.

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