Delta-Variante: STIKO-Empfehlung überdenken

Corona-Impfungen für alle? Lauterbach warnt vor „Durchseuchung der Kinder“

Die Delta-Variante des Coronavirus bereitet Forschern und Gesundheitsexperten weiter große Sorgen – besonders wegen der Risiken für Kinder.

Es ist ein Paradoxon, das viele Menschen in Baden-Württemberg irritiert – auf der einen Seite gibt es seit heute (Montag, 28. Juni) eine neue Corona-Verordnung für den Südwesten*, auf der anderen Seite warnen Wissenschaftler und Mediziner vor der Delta-Variante des Coronavirus, die sich aktuell in einigen Ländern die Vorherrschaft gesichert hat und auch bei ersten Neuinfektionen in Heilbronn festgestellt* wurde.

Doch scheinbar ist Delta nicht nur viel ansteckender als vorherige Mutationen oder das ursprüngliche Coronavirus – sie birgt, wie echo24.de* berichtet, auch größere Gefahren für Kinder. Deshalb hat SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nun einen klaren Appell an die Ständige Impfkommission gerichtet. Die Aufforderung an die STIKO: Die Impfempfehlung für Kinder überdenken.

Delta-Variante: Lauterbach appelliert an die Ständige Impfkommission – Kinder sind gefährdet

Gegenüber der Rheinischen Post erklärte Lauterbach jetzt, die STIKO argumentiere, dass Covid-19 für Kinder harmlos sei. Doch er betonte nachdrücklich: „Für die Delta-Variante gilt dies meiner Ansicht nach aber nicht“, in Großbritannien beispielsweise würden bereits viele Kinder mit Corona in Krankenhäuser behandelt. Deshalb müsse die Ständige Impfkommission ihre Empfehlung auf den neusten Stand bringen. „Die Angaben der STIKO beziehen sich immer auf alte Varianten“, erläuterte Lauterbach. Eine Durchseuchung der Kinder mit der Delta-Variante sei zu riskant.

Im Allgemeinen galt das Coronavirus immer als weniger gefährlich für Kinder und Jugendliche – ein Großteil der Kids, die erkrankten, hatte mit den bisherigen Corona-Mutationen leichtere Krankheitsverläufe als ältere Menschen. Doch auch Kinder sind nicht sicher vor Corona. Epidemiologe Prof. Dirk Brockmann sagte im ZDF: „Man muss einfach erkennen: Entweder werden sie geimpft oder sie infizieren sich.“ Ergänzend erklärte Brockmann, dass auch bei Kindern und Jugendlichen schwere Verläufe möglich seien. Etwa ein Prozent der infizierten Kinder und Jugendlichen lande nach einer Corona-Infektion im Krankenhaus*. Das berichtet auch fr.de*.

Delta-Variante und Kinder: Für diese 12- bis 17-Jährigen gilt die Empfehlung der STIKO bisher

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Corona-Impfung bei jungen Menschen zwischen 12 und 17 Jahren nur bei bestimmten Vorerkrankungen – dazu zählen zum Beispiel Diabetes, Adipositas, chronische Lungenerkrankungen oder andere Risikofaktoren. In diese Kategorie fallen laut Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung etwa elf Prozent der Kinder und Jugendlichen in dieser Altersgruppe.

Kinder und Jugendliche können an der Delta-Variante des Coronavirus schwer erkranken. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert deshalb die Stiko auf, ihre Impfempfehlung zu überdenken. (Symbolfoto)

Doch diese Empfehlung bedeutet nicht, dass sich Personen zwischen 12 und 17 Jahren ohne Vorerkrankung gar nicht impfen lassen können. Auf Wunsch und nach ärztlicher Beratung sind laut STIKO Impfungen ab dem Alter von zwölf Jahren gleichwohl für alle möglich. Vor etwa drei Wochen rechtfertigte die Ständige Impfkommission ihre Empfehlung mit dem Argument, dass das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung für Kinder und Jugendliche der genannten Altersgruppe gering sei.

Delta-Variante und Kinder: Auch andere Gesundheitspolitiker sind wegen der Corona-Mutation alarmiert

Dennoch ist SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach wegen der sich ausbreitenden Delta-Variante besorgt. Für ihn ist es ein gefährliches Anzeichen, dass in Großbritannien bereits viele Kinder mit Covid-19 in Krankenhäusern behandelt werden. In der Rheinischen Post machte er klar: Auch die Fortsetzung des Wechselunterrichts sei für ihn keine Lösung, solange die Kinder und Jugendlichen nicht großflächig geimpft sind. Ein weiteres Problem: Die Delta-Variante ist schwerer zu erkennen, als bisherige Mutationen. Denn Delta äußert sich teils in anderen Symptomen.

Auch andere Gesundheitspolitiker zeigen sich gegenüber der Delta-Variante des Coronavirus alarmiert. Forschungsergebnisse haben zwar gezeigt, dass die bisher zugelassenen Corona-Impfstoffe gegen Delta wirksam sind, doch die alleinige Erstimpfung mit Vakzinen von AstraZeneca, Moderna oder BioNTech reicht demnach nicht aus. Deshalb fordern unter anderem Janosch Dahmen (Grüne) und Andrew Ullmann (FDP) gegenüber der Welt am Sonntag, die Impfintervalle generell zu verkürzen und die Zweitimpfungen vorzuziehen. *echo24.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Kay Nietfeld

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