Weitere Ermittlungen

Zeugin will Verdächtigen im Fall Maddie erkannt haben

Kate und Gerry McCann zeigen während einer Pressekonferenz im Juni ein Bild ihrer verschwundenen Tochter Madeleine. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa
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Kate und Gerry McCann zeigen während einer Pressekonferenz im Juni ein Bild ihrer verschwundenen Tochter Madeleine. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Die Bekanntgabe der Mordermittlungen im Fall Maddie hat eine neue Welle von Hinweisen ausgelöst. Lässt sich nun doch noch klären, was vor rund 13 Jahren mit der kleinen Madeleine McCann geschah? Auch Ermittler in anderen Fällen suchen nach neuen Ansätzen.

Braunschweig/London (dpa) - Die britische Polizei hat etwa 400 neue Hinweise im Mordfall Maddie erhalten. Sie seien telefonisch oder per E-Mail eingegangen, teilte ein Polizeisprecher am Sonntag in London mit.

Ein 43-jähriger Deutscher soll am 3. Mai 2007 die kleine Madeleine McCann aus einer Ferienanlage in Portugal entführt haben. Die Ermittler in Deutschland sind überzeugt, dass das Kind tot ist.

Die britische Polizei geht hingegen auch nach 13 Jahren weiter von einem Vermisstenfall aus. "Es gibt keinen endgültigen Beweis, dass Madeleine noch lebt oder tot ist", so der Sprecher von Scotland Yard. Der Verdächtige sitzt in einem Gefängnis in Kiel. Er ist mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft. Der 43-Jährige hatte jahrelang an der Algarve im Süden Portugals gelebt, auch in der Nähe des Tatorts im Ferienort Praia da Luz. Er hatte sich unter anderem mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten.

Eine britische Zeugin will den Verdächtigen nach einem Bericht der "Sun" vom Samstag wiedererkannt haben. Er soll sich damals in der Nähe des Appartements der Familie McCann merkwürdig verhalten haben. Die Zeitung nennt die Frau eine "glaubwürdige Zeugin", die den Mann schon wenige Stunden nach dem Verschwinden des kleinen Mädchens in der Ferienanlage in Portugal beschrieben haben soll.

Als ihr nun ein Bild von dem Verdächtigen gezeigt wurde, sagte die Zeugin der "Sun" zufolge: "Das ist der Mann, den ich gesehen habe." Scotland Yard wollte den Bericht auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Wochenende nicht kommentieren.

Nach dem internationalen Medienecho erhoffen sich die Ermittler Hinweise aus der Bevölkerung, die doch noch zum Durchbruch führen. Neue Erkenntnisse wurden am Wochenende allerdings nicht bekannt. Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatten am Mittwoch überraschend mitgeteilt, dass der 43-Jährige in dem Fall unter Mordverdacht steht. In der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" gab es zur gleichen Zeit einen erneuten Zeugenaufruf.

Die deutschen Ermittler vermuten, dass der heute 43-Jährige das Mädchen entführte und umbrachte. Es gebe viele Hinweise, aber die Beweiskette sei nicht geschlossen. "Für einen Haftbefehl oder eine Anklage reicht es noch nicht aus", sagte Hans Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Freitag.

In Kiel sitzt der Verdächtige eine Haftstrafe ab, die das Amtsgericht Niebüll 2011 gegen ihn verhängt hatte. Dabei ging es um den Handel mit Betäubungsmitteln. Parallel ist wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn Untersuchungshaft angeordnet. Das Landgericht Braunschweig hatte ihn am 16. Dezember 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Er hatte 2005, rund eineinhalb Jahre vor dem Verschwinden Maddies, in Praia da Luz eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Revision liegt beim Bundesgerichtshof.

Laut "Spiegel" weist das Strafregister des Mannes insgesamt 17 Einträge auf. Seine Verteidiger wollten sich bisher nicht zum Fall Maddie äußern.

Die Ermittler schließen weitere Straftaten des Mannes nicht aus. Die Staatsanwaltschaft Stendal prüft mögliche Parallelen zwischen dem Fall Maddie und einem Fall in Sachsen-Anhalt. Dort verschwand am 2. Mai 2015 das fünfjährige Mädchen Inga aus Schönebeck. Es werde nach Anhaltspunkten für Zusammenhänge zum Fall Inga gesucht, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Nach Medienberichten werden in mehreren weiteren Fällen Verbindungen geprüft.

"Wenn es solche neuen Details gibt, gehört es zu den Routineaufgaben der Polizei, nach Parallelen für ihre alten Fälle zu suchen", sagte ein Polizeisprecher aus Niedersachsen der Deutschen Presse-Agentur. Die kleinste Chance auf neue Ermittlungsansätze werde genutzt.

Bei der Suche nach einem Straftäter können laut dem Kriminalistik-Experten Bernd Fuchs auch die kleinsten Spuren nach Jahren noch zur Lösung des Falles beitragen. "Da ist jede Dienststelle gut beraten, die Asservate gut aufzubewahren", sagte der Chefredakteur der Fachzeitschrift "Kriminalistik" und ehemalige Kriminaldirektor. Gerade mit den Fortschritten in der DNA-Technik täten sich ungeahnte Möglichkeiten auf.

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