Es kommt auf den Strom an

Forscher: E-Autos sind kaum besser als moderne Verbrenner

Tesla Auto beim Aufladen,
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Wie gut die Klimabilanz eines E-Autos wirklich ist, hängt von der Art des Stroms ab, mit dem es geladen wird.

Nahezu jeder Automobilbauer setzt für die Zukunft auf das E-Auto. Doch wie gut sind die Stromer für die Umwelt wirklich? Einem Bericht des ADAC zufolge nur so gut, wie der Strom mit dem sie geladen werden. Neue Forschungsergebnisse des Karlsruher Instituts für Technologie untermauern die These.

Stuttgart – Dass die Herstellung von E-Autos deutlich mehr Emissionen verursacht, als die Produktion von Benzinern und Diesel-Fahrzeugen ist bekannt und wird von Gegnern des elektrischen Fahrens oft als Totschlagargument bemüht. Nun schöpft ein Bericht des ADAC zusätzlich Wasser auf deren Mühlen. Denn die darin veröffentlichten Zahlen zur Amortisierung von Elektroautos sind ernüchternd.

Ganze 8,5 Jahre oder 127.500 Kilometer soll es brauchen, bis man mit einem E-Auto mehr Emissionen eingespart hat, als ein neuwertiger Benziner ausstößt. Im Vergleich zu einem Diesel-Fahrzeug soll das E-Auto sogar noch länger benötigen, bis es sich amortisiert hat. Nämlich 14,6 Jahre bzw. rund 219.000 Kilometer.

E-Autos: Stromquelle entscheidet über den finalen CO2-Fußabdruck

Es ist primär die Stromquelle, die den E-Autos ihre Klimabilanz* madig macht. Ihr Antrieb mit rein regenerativ erzeugtem Strom ist aktuell noch die Ausnahme. Stattdessen kommt der Strom für die E-Autos hauptsächlich immer noch aus Kohlekraftwerken - weil Politik und Industrie ein finanzielles Interesse daran haben, diese Art der Energieförderung zu erhalten. Somit werden E-Autos letztlich auf Umwegen zu Verbrennern.

Würden die Elektroautos hingegen ausschließlich regenerativ geladen, glichen sie den CO2-Ausstoß schon deutlich früher aus als Benziner und Diesel, nämlich ab 37.500 bzw. 40.500 Kilometern. Von der Produktion und über gesamten Lebenszyklus hätten Autos mit Erdgasantrieb die beste Emissionsbilanz.

Doch von dieser Möglichkeit des Antriebs machen Automobilhersteller* gegenwärtig kaum Gebrauch. Zwar handelt es sich bei Erdgas auch um einen fossilen Brennstoff, der CO2 in die Umwelt pustet, jedoch in deutlich niedrigeren Werten als es bei den flüssigen Brennstoffen der Fall ist. Zudem lässt sich der gasförmige Treibstoff auch künstlich herstellen. „Erst bei 100 Prozent grünem Strom können E-Autos an ihnen vorbeiziehen“, berichtet giga.de.

Allein der Umstieg aufs E-Auto tut für den Klimaschutz also noch nicht allzu viel, dafür benötigt es eine vollständige Energiewende, so das Fazit des ADAC. Zu dem gleichen Ergebnis kam jüngst auch einer Forschergruppe des Karlsruher Instituts für Technologie: „Die Frage ist nicht: Elektroauto oder Verbrenner. Die Frage ist: fossil oder nicht“, zitiert „Die Zeit“ deren Professor Thomas Koch. 

Der Beitrag von E-Autos zum Schutz des Klimas beruhe auf der Annahme, dass künftig bedeutend mehr Ökostrom genutzt wird. Doch das sei eben aktuell nicht der Fall. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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