Frankreich

Paris: Angreifer war Islamist - Regierungschef will Sicherheitsdienste überprüfen

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Bewaffnete Polizisten und Soldaten patrouillieren, nachdem sich in der Pariser Polizeipräfektur eine Messerattacke ereignet hat.

Der Tatverdächtige im Fall der tödlichen Messerattacke im Pariser Polizeihauptquartier hat den Ermittlern zufolge mit mutmaßlichen Salafisten Kontakt gehabt.

Update, 6.10,2019, 6.30 Uhr: Nach dem tödlichen Messerangriff im Pariser Polizeipräsidium hat Frankreichs Regierungschef Edouard Philippe eine Überprüfung der Sicherheitsdienste mit Blick auf die Radikalisierung von Mitarbeitern angekündigt. Dazu werde es zwei Aufklärungsmissionen geben, sagte Philippe der Zeitung "Journal du Dimanche". Eine Mission beziehe sich auf die nachrichtendienstliche Abteilung der Pariser Polizei (DRPP), in welcher der 45-jährige Angreifer jahrelang gearbeitet hatte. Die zweite Mission werde sich über alle Geheimdienste erstrecken, die sich mit Extremismus befassen.

Die Untersuchung zur Pariser Polizei solle bis Ende Oktober abgeschlossen sein, sagte Philippe. Sie soll offenlegen, ob die internen Mechanismen für den Fall einer Radikalisierung von Mitarbeitern umgesetzt wurden. Die zweite Mission zu allen Geheimdiensten ziele darauf ab, die internen Prozesse zur Aufdeckung radikaler Mitarbeiter zu überprüfen. Ergebnisse hierzu würden bis Ende des Jahres vorliegen.

Für Frankreichs Geheimdienste habe die "Erkennung interner Bedrohungen absolute Priorität", sagte Philippe. Anzeichen für eine mögliche Radikalisierung dürften niemals "ohne Antwort bleiben". Indes wurde die Ehefrau eines mutmaßlichen IS-Helfers aus Dortmund auf dem Weg nach Paris wegen Terrorverdachts verhaftet, wie ruhr24.de* berichtet. 

Update, 5.10.2019, 16.50 Uhr: Der Angreifer, der in der Pariser Polizeidirektion vier Menschen getötet hat, war nach Angaben der französischen Anti-Terror-Staatsanwaltschaft Anhänger einer radikalen Form des Islam. Er habe eine radikale Sichtweise des Islam vertreten und Kontakte zu Mitgliedern der radikalislamischen Salafistenbewegung gehabt, sagte Staatsanwalt Jean-François Ricard am Samstag in Paris. 

Update, 4.10.2019, 19.20 Uhr: Inzwischen haben Anti-Terror-Spezialisten der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen nach der Messerattacke in Paris übernommen. Nach Angaben aus Justizkreisen wird nun wegen Mordes und versuchten Mordes an Amtspersonen in Zusammenhang mit einer kriminellen, terroristischen Vereinigung ermittelt. 

Bislang hatte die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt. Mit der Übernahme der Ermittlungen durch die nationale Anti-Terror-Staatsanwaltschaft wird die Hypothese einer Radikalisierung des Täters gestärkt. Der Informatiker, der in der Verwaltung des Polizeipräsidiums arbeitete, war vor 18 Monaten zum Islam übergetreten. Übereinstimmenden Angaben zufolge sollen Bekannte von ihm der salafistischen Bewegung angehören.

Der 45-jährige Informatiker hatte seit 2003 im Polizeipräsidium gearbeitet. Er war schwerhörig und galt als behindert. Innenminister Christophe Castaner hatte noch am Donnerstag gesagt, der Mann habe „nie Verhaltensauffälligkeiten gezeigt“ und seinen Angriff auch nicht angekündigt.

Seine Frau sagte allerdings nach Angaben von Ermittlern vom Freitag aus, er habe vor der Tat ein „ungewöhnliches und unruhiges Verhalten“ an den Tag gelegt. Der Rundfunksender France Info berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, der Täter habe nach Angaben seiner Frau vor der Attacke „Visionen gehabt“ und „Stimmen gehört“.

Eine Nachbarin in dem Ort Gonesse nordöstlich von Paris beschrieb den Vater von zwei drei und neun Jahre alten Kindern als „sehr ruhig“. Er sei regelmäßig zur Moschee gegangen, habe aber keine Anzeichen von Fanatismus gezeigt. Ein Bekannter, der gemeinsam mit dem 45-Jährigen die Moschee von Gonesse besuchte, berichtete, H. habe sich bei ihm darüber beklagt, dass er aufgrund seiner Behinderung beruflich nicht mehr weiterkomme.

Die Durchsuchung der Wohnung des Täters brachte nach Angaben der Ermittler keine Hinweise auf eine Radikalisierung. Weitere Erkenntnisse sollte die Auswertung seines Computers bringen; diese dauerte am Abend an. Auch seine Frau blieb weiter in Gewahrsam.

Messerattacke in Paris: Motiv noch offen

Update, 4.10.2019, 10:56 Uhr: Nach der Messerattacke in Paris gibt es neue Informationen zu dem getöteten Angreifer. Laut der französischen Zeitung „Le Parisien“ handelt es sich um einen 45-jährigen Mann, der Vater zweier Kinder sein soll. Er soll seit 2003 Verwaltungsmitarbeiter in der Polizeipräfektur gewesen sein, in der sich der Angriff ereignete.

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, ist der Mann vor 18 Monaten zum Islam konvertiert. Die Pariser Staatsanwaltschaft geht aber weiter davon aus, dass es keinen Zusammenhang zwischen seiner religiösen Überzeugung und der Tat gibt. Vermutet wird weiterhin ein interner Konflikt als Auslöser für die Tat. Allerdings könnten auch andere Beweggründe nicht ausgeschlossen werden.

Update, 3.10.2019, 20.00 Uhr: Die Pariser Staatsanwaltschaft hat laut Chefermittler Rémy Heitz eine Untersuchung wegen vorsätzlicher Tötung eingeleitet. Der mutmaßliche Täter war 45 Jahre alt und arbeitete seit 2003 als Angestellter im Polizeihauptquartier, sagte der französische Innenminister Christophe Castaner. Der Tatverdächtige sei vorher nie negativ aufgefallen. Ermittler durchsuchten die Wohnung des Mannes nach Hinweisen auf das Motiv.

Anti-Terror-Ermittler wurden in dem Fall vorerst nicht eingeschaltet, wie der Pariser Staatsanwalt Rémy Heitz mitteilte. Er gebe aber einen „ständigen Kontakt“, die Lage werde geprüft. 

Messerattacke in Paris: Fünf Menschen sterben

Update, 3.10.2019, 17.10 Uhr: Bei der Messerattacke in der Pariser Polizeipräfektur sind insgesamt fünf Menschen getötet worden - vier Polizisten und der Angreifer. 

Der Täter arbeitete Ermittlern zufolge bei der nachrichtendienstlichen Abteilung der Pariser Polizei (Direction du renseignement de la préfecture de police, DRPP), die unter anderem für den Kampf gegen Extremisten zuständig ist. Er soll für Computer zuständig gewesen sein. Die Ermittler gehen nach eigenen Angaben Hinweisen nach, wonach es einen Konflikt zwischen dem Täter und Kollegen gegeben habe. Bei den toten Polizisten soll es sich nach Medienberichten um eine Frau und drei Männer handeln. 

Ein Augenzeuge des Angriffs berichtete, unter den Polizisten sei Panik ausgebrochen. „Ich habe einen Schuss gehört“, sagte der Dolmetscher, der in dem Präsidium Dienst hatte. „Alle rannten, viele haben geweint.“ Ein Mitarbeiter der Polizeigewerkschaft Alliance, Loïc Travers, sagte dem Sender BFM-TV, der Täter habe mehr als 20 Jahre in dem Präsidium gearbeitet. Er habe als „vorbildlicher Angestellter ohne Vorgeschichte“ gegolten. 

Der französische Präsident Emmanuel Macron begab sich in das Präsidium, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Auch Regierungschef Edouard Philippe und Innenminister Christophe Castaner waren vor Ort. „Paris weint um seine Angehörigen“, schrieb Bürgermeisterin Anne Hidalgo auf Twitter. Sie sprach von einer „schrecklichen Attacke“.

Messer-Attacke von Paris: Täter soll es auf Vorgesetzte abgesehen haben

Update, 3.10.2019, 16:10 Uhr: Laut Christophe Crépin, dem Sprecher der Polizeigewerkschaft, soll es sich bei dem Täter um einen IT-Mitarbeiter der betroffenen Polizeipräfektur gehandelt haben. Wie französische Medien berichten, soll der Angreifer unter anderem zwei Beamtinnen attackiert haben, von denen eine den Angriff nicht überlebt habe. Laut Crépin soll der Täter es besonders auf seine Vorgesetzten abgesehen haben.

Update, 3.10.2019, 15:30 Uhr: Nach Informationen des französischen Nachrichtensenders BFMTV soll es sich bei dem Angreifer um einen Verwaltungsmitarbeiter handeln, der in der betroffenen Polizeipräfektur arbeitete. Der Tod mehrerer Polizisten wurde in der Zwischenzeit von der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo bestätigt.

Update, 3.10.2019, 15:09 Uhr: Mittlerweile scheint gesichert zu sein, dass es sich bei dem Angreifer um einen Mitarbeiter der Präfektur gehandelt haben soll. Nach seinem Angriff haben Polizisten den Mann im Hof des Polizeipräsidiums mit Schüssen getötet.

Die Ermittler gehen offenbar davon aus, dass der Mann einen Konflikt mit seinen Kollegen gehabt haben soll. Der französische Regierungschef Edouard Philippe begab sich zu dem Polizei-Hauptquartier. Die Tat soll sich gegen 13 Uhr Mittag ereignet haben.

Angreifer in Polizeipräfektur soll Messer aus Keramik benutzt haben

Laut einem Bericht des französischen Nachrichtensenders BFMTV soll es sich bei der Tatwaffe um ein Keramikmesser gehandelt haben. Eine solche Waffe wird von herkömmlichen Metalldetektoren bei Sicherheitskontrollen nicht bemerkt.

Ursprungsmeldung

Paris - Ein Mann hat bei einer Messerattacke in Paris vier Polizisten getötet. Der Angreifer ist mit der Stichwaffe bewaffnet in eine Pariser Polizeipräfektur unweit der Kathedrale Notre-Dame eingedrungen und hat dort auf die Sicherheitskräfte eingestochen.

Im Anschluss an den Angriff erschossen Polizeibeamte den Angreifer. Das berichtet die französische Zeitung „Le Parisien“. Die Polizei selbst gab zunächst keine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Mittlerweile gaben die Ermittler bekannt, dass es sich bei dem getöteten Angreifer um einen Mitarbeiter der Präfektur handeln soll.

Messerattacke im Herzen von Paris

Die betroffene Präfektur befindet sich im Mittelpunkt der französischen Hauptstadt. Die Umgebung der Polizeipräfektur seit weiträumig abgeriegelt worden, berichten Reporter der französischen Nachrichtenagentur AFP. 

Ob der Angriff mit den Demonstrationen von Polizisten in der Pariser Innenstadt in Zusammenhang stehen, ist bisher nicht bekannt. Die Kundgebung der Einsatzkräfte lief unter dem Motto „Wutmarsch“. Die Beteiligten forderten unter anderem bessere Arbeitsbedingungen für Polizisten in Frankreich.

Die französische Polizei gilt als chronisch überlastet. Seit Jahresbeginn haben sich 50 französische Polizisten das Leben genommen, mehr als im gesamten vergangenen Jahr. (mit dpa/afp)

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