Klimaschutz-Innovation

Student erfindet Solaranlage, die ohne Sonnenlicht funktioniert

Carvey Ehren Maigue Solar Innovator
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Carvey Ehren Maigue hat innovatives Material erfunden, mit dem sich Sonnenergenie auch an dunklen Tagen erzeugen lässt.

Ein philippinischer Student baut für einen Wettbewerb eine Solaranlage. Das Besondere: Nicht nur werden ihre Hauptkomponente aus Biomüll hergestellt, sie kommt auch ohne direktes Sonnenlicht aus.

Manila – Damit Solaranlagen funktionieren, braucht es bekanntermaßen strahlenden Sonnenschein. Verdunkelt sich der Himmel, etwa durch aufziehende Wolken oder den Beginn der Abenddämmerung, geht es mit dem Energieertrag bergab. Und es gibt noch einen weiteren Nachteil der Sonnenlicht-betriebenen Stromerzeuger: Einzelne ihrer Materialbestandteile sind nicht hundertprozentig umweltfreundlich.

Ein philippinischer Student hat nun ein Material entwickelt, das beide Probleme löst. Er entwickelte einen Kunststoff, der hauptsächlich aus Biomüll besteht und zudem UV-Licht „erntet“. „Aureus“ nennt der 27-jährige Carvey Maigue seine Erfindung, die im vergangenen Jahr mit dem renommierten „James Dyson Award“ ausgezeichnet wurde. Doch das ist noch nicht alles: Für das Solarmaterial gab es sogar einen eigens geschaffenen Nachhaltigkeitspreis, weil es so innovativ ist.

Sonnenlicht als Stromquelle auch bei bewölktem Himmel nutzen

Das Material absorbiert das UV-Licht und fängt dabei an, gelb zu leuchten. Mithilfe kleinster Solarzellen (Merkur.de* berichtete) lässt sich abstrahlende Lichtenergie in Strom umwandeln. Da UV-Licht ein Lichtanteil ist, der auch noch durch geschlossene Wolkendecken dringt, ist Strom von morgens bis abends verfügbar - an 365 Tagen im Jahr. 2018 hatte Maigue schon einmal an dem Wettbewerb teilgenommen, konnte aber mit seinem UV-Licht absorbierenden Fenster bei der Jury nicht punkten - da er das Ganze bloß als Theorie präsentieren konnte. Die Herstellung des „Glases“ selbst war ihm nicht gelungen.

„Als ich 2018 zum ersten Mal antrat, war meine Erfindung nur ein Fenster, das darauf abzielte, UV-Licht, also Sonnenlicht, zu nutzen und in Strom umzuwandeln“, erzählt Maigue in einem Video-Interview mit Mitarbeitern des James Dyson Awards. „Leider habe ich es damals nicht geschafft, dieses Glas herzustellen, aber ich habe das Produkt weiterentwickelt und das Konzept und die Technologie aufgehoben und andere Anwendungen dafür gefunden. Aureus ist eigentlich ein Material bzw. eine Technologie, die es anderen Geräten ermöglicht, UV-Licht zu ernten und in Strom umzuwandeln.“

Material-Innovation aus Biomüll von Missernten

Drei Jahre und unzählige Experimente später hält Maigue mit Aureus also ein Material in den Händen, das handhabbar ist und funktioniert. Es besteht zu 80 Prozent aus Biomüll, den der Student von philippinischen Bauern bezieht. Bei dem Biomüll handelt es sich zum Beispiel um Missernten aufgrund von Unwetterkatastrophen wie Überschwemmungen und schweren Stürmen. Maigue nutzt das zerstörte und für die Bauern nicht mehr verwertbare Pflanzenmaterial und haucht ihm ein zweites Leben ein.

Maigues Fokussierung auf Nachhaltigkeit* kommt nicht von ungefähr. Seine Heimat, die Philippinen, zählen zu den vom Klimawandel am stärksten betroffenen Ländern der Erde. Noch bestehen rund 20 Prozent von Aureus aus Kunststoff, doch Maigue ist optimistisch, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis seine Erfindung zu 100 Prozent „Bio“ sein wird.

Sogar Kleidung, die „Energy-to-go“ abwirft, wäre möglich

Weil sich der Stoff in verschiedene Formen bringen lässt, ergeben sich daraus zahlreiche Einsatzmöglichkeiten, zum Beispiel als Außenhaut von Flugzeugen, Booten und Elektroautos. Machbar wären aber auch Gewebe aus Aureus, das Licht als „Energy-to-go“ nutzen kann. „Ich möchte Fäden und Gewebe herstellen, sodass sogar Kleidung* in der Lage wäre, ultraviolettes Licht zu ernten und in Strom umzuwandeln“, so der Erfinder. Zudem ließen sich UV-Strahlen einfangen und in Energie umwandeln, die in Städten von Gebäudefassaden und Fußwegen reflektieren und bislang nutzlos sind.

„So wie Computer früher nur von der Regierung oder dem Militär genutzt wurden und jetzt die gleiche Technologie in unseren Smartphones steckt, möchte ich, dass auch die Gewinnung von Solarenergie zugänglicher wird“, sagt Maigue über seine Erfindung. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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