Er sitzt aktuell in einer „Schlichtzelle“

Herne-Mörder Marcel H.: Ihm droht ein nie dagewesenes Urteil

Neunjähriger tot - Täter auf der Flucht
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Neunjähriger tot - Täter auf der Flucht

Herne - Im Fall um den grausamen Doppelmörder Marcel H. könnte es im Prozess zu einem bisher nie dagewesenen Urteil kommen. Doch bis dahin kann es noch dauern. Zur Zeit läuft die Planung zur Trauerfeier für seine beiden Opfer.

Noch immer steht die Stadt Herne in Nordrhein-Westfalen unter Schock. Auch nach der Festnahme des Doppelmörders Marcel H., der sich nach den Morden an dem kleinen Jaden (9) und seinem Bekannten Christopher W. (22) in einer Imbiss-Bude gestellt hatte, ist die Fassungslosigkeit in der Bevölkerung groß.

Nachdem die Rocker-Gruppe Bandidos, der Jadens Stiefvater nahestehen soll, Rache für den Tod des kleinen Jungen angekündigt hatte, äußerten zwar manche Menschen Verständnis für die radikale Reaktion. Doch Selbstjustiz ist natürlich keine Lösung.

Der erfahrene Strafverteidiger Jesko Baumhöfener erklärte nun gegenüber Focus Online, wie ein Verfahren aussehen und welches Urteil H. drohen könnte.

Vor dem Haus in dem der kleine Jaden starb haben viele Menschen durch das Niederlegen von Blumen und Kerzen ihre Anteilnahme bekundet.

Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht?

Nach Erwachsenen-Strafrecht könnte er laut Baumhöfener zu lebenslanger Freiheitsstrafe (in Deutschland bedeutet dies 15 Jahre) mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt werden. Diese schließt eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren aus. Nach etwa 20 Jahren kann man den ersten Entlassungsantrag stellen. Für eine Entlassung sind dennoch Reue, Therapiefortschritte und Integrationswillen von Nöten.

Da Marcel H. erst 19 Jahre alt ist, kann er laut Baumhöfener sowohl nach Erwachsenen- als auch (bei Taten vor dem 21. Geburtstag) nach Jugend-Strafrecht verurteilt werden. Jugendstrafrecht wird vor allem dann bei Heranwachsenden noch angewandt, wenn eine gewisse geistige Reife oder Selbstständigkeit noch nicht erkennbar ist. Deshalb ist eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht bei Marcel H. wahrscheinlich, der bei der Bundeswehr abgelehnt worden war, noch bei seinen Eltern wohnte und seinen Alltag hauptsächlich in Internet-Foren verbrachte.

Video: Der Herne Mörder tötete eiskalt und aus Frust

Bei Verurteilung nach Jugendstrafrecht war bis 2012 eine Maximalstrafe von zehn Jahren angesetzt. Dies sollte nach Therapiemaßnahmen und Bereuen der Taten dazu beitragen, dass allzu junge Täter noch eine Chance auf Reintegration in die Gesellschaft hätten. Seit 2012 greift allerdings § 105 (3) des Jugendgerichtsgesetzes, in dem es heißt: „Handelt es sich bei der Tat um Mord und reicht das Höchstmaß nach Satz 1 wegen der besonderen Schwere der Schuld nicht aus, so ist das Höchstmaß 15 Jahre.“ Dieser Paragraf wurde bis jetzt allerdings laut Baumhöfener noch nie angewendet. Es könnte also zu einem absoluten Novum beim Urteil des Herne-Mörders kommen. Wichtig sei, dass eine Jugendstrafe auch immer einen erzieherischen Effekt haben sollte. 

Laut Bild-Informationen befindet sich der 19-Jährige Täter derzeit in einer „Schlichtzelle“, also in einer Zelle, in der sich keine Gegenstände befinden, mit denen er sich selbst verletzen kann. Zudem sei die Zelle videoüberwacht und würde zusätzlich alle 15 Minuten von einem Wärter kontrolliert. Bevor Marcel H. Jaden tötete, hatte er mehrfach versucht, sich selbst das Leben zu nehmen.

„Messerfreak“ und „Außenseiter“

Mitschüler des 19-Jährigen beschreiben ihn als Außenseiter. Er sei immer alleine und mit Tarnweste rumgelaufen, beschreiben sie. Zudem soll er ein Messerfreak gewesen sein, hätte immer Messer bei sich gehabt, mit denen er rumspielte, heißt es in der Bild-Zeitung.

Kaltblütiger Narzisst, „Psycho“, Außenseiter, gefühlskalt mit einer extremen Mordlust - so wurde H. bis jetzt beschrieben. Diese Bedingungen sind selbst für geübte Psychologen nicht einfach.

Währenddessen denkt Herne eher an die Opfer als an den Täter. Die Kirchengemeinden der Stadt haben am Mittwoch (15.03.) zu einem ökumenischen Gedenkgottesdienst im Namen beider Opfer geladen. Ein Pfarrer des ortsansässigen Kirchenkreises sagte  am Montag gegenüber Focus, dass mit einer großen Anteilnahme der Bevölkerung gerechnet werde. Die Mitschüler des kleinen Jaden wollten noch auf besondere Art und Weise Abschied von ihrem jungen Freund nehmen.

kah/Video: snacktv

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