Land erhält mehr Impfdosen als Deutschland

EU beim Impfen hintendran: Wie es das kleine Israel besser macht

Benjamin Netanjahu (r), Ministerpräsident von Israel, wird im Schiba-Krankenhaus gegen Corona geimpft.
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Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident von Israel, wird im Schiba-Krankenhaus gegen Corona geimpft.

Israel ist während der Corona-Pandemie Impfweltmeister. Wie schafft es die Netanjahu-Regierung die Bevölkerung so schnell zu immunisieren?

  • Weltweit scheint mit dem Beginn von Impfungen ein Ende der Corona-Pandemie in Sicht.
  • Besonders schnell ist Israel. Welchen Vorteil hat das Land?
  • Experten vermuten: Das Land ist klein, jung und hat ein effizientes Gesundheitssystem. Aber könnte es auch sein, dass Israel einfach deutlich mehr für die Impfdosen bezahlt?

Tel Aviv - In Israel läuft eine massive Impfkampagne. In den vergangenen zehn Tagen wurden rund 500.000 Israelis gegen das Coronavirus geimpft* - allein 115.000 davon am Montag. Das teilte das Gesundheitsministerium mit. Zum Vergleich: In Deutschland wurden an einem Tag gerade einmal rund 20.000 Menschen geimpft.

EU beim Impfen hintendran: Israel weltweit führend

Nach Angaben der Webseite Our World In Data der Oxford-Universität ist das kleine Land mit seinen neun Millionen Einwohnern weltweit führend bei der Zahl der Geimpften per 100 Einwohner, es folgen Bahrain und Großbritannien.

Israel hat das Ziel, so schnell wie möglich seine Risikogruppen zu impfen und dann die Wirtschaft wieder zu öffnen. Von Mitte Januar an sollen für Geimpfte, die zwei Dosen erhalten haben, „grüne Pässe“ ausgestellt werden, die ihnen verschiedene Freiheiten gewähren. Dazu gehört etwa die Befreiung von der Quarantänepflicht für Staatsbürger bei der Einreise nach Israel. Für Ausländer gelten in Israel gegenwärtig noch strikte Einreisebeschränkungen.

EU beim Impfen hintendran: Warum ist Israel führend?

Aber wie kann es sein, dass Israel so viel schneller ist als beispielsweise Deutschland? Zum einen sei die Verteilung des Impfstoffes in einem kleinen Land wie Israel einfacher, erklärte Arnon Afek, Arzt und Professor am Sheba-Krankenhaus bei Tel Aviv, gegenüber der Tagesschau. Zudem sei die Rolle der vier staatlichen Krankenkassen entscheidend. „Die Krankenkassen kümmern sich in Israel direkt um die Behandlung. Sie beschäftigen eine große Zahl von Ärztinnen und Pflegern. Premier Netanyahu* spricht von 150.000 Impfungen pro Tag. Ich glaube, das wird eine schwere Aufgabe. Aber ich denke, dass wir das schaffen“, so der Arzt.

Hinzu kommt, dass die Bevölkerung im Schnitt relativ jung ist, somit sind ältere Gruppen schneller geimpft. Der wohl wichtigste Punkt ist aber, dass sich Israel früh relativ viel Impfstoff gesichert hat. Medienberichten zufolge will Israel bis Ende Januar bis zu 5,6 Millionen Impfdosen bekommen. Deutlich mehr als in Deutschland: Bis zu vier Millionen Dosen sollen laut Bundesgesundheitsministerium im selben Zeitraum zur Verfügung stehen.

Israel beim Impfen am schnellsten: Mehr bezahlt als die EU?

Der israelische Journalist Nadav Eyal will nicht ausschließen, dass Israel dafür bezahlt hat, schneller an Impfstoff zu kommen. „Die EU zahlt für eine Impfdosis etwa 18 US-Dollar. Israel zahlt laut Medienberichten 30 US-Dollar. Für Pfizer hat das eine große Bedeutung, dass ein Land mehr zahlt, um mehr zu bekommen“, behauptete er gegenüber der Tagesschau. (lb mit dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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