Meeresökologie in Gefahr

Öl-Desaster vor Mauritius: Riss in Frachter wird größer

Arbeiter versuchen, ein Küstengebiet in Mahebourg von einem Ölteppich zu reinigen. Foto: Ajai Daby/XinHua/dpa
+
Arbeiter versuchen, ein Küstengebiet in Mahebourg von einem Ölteppich zu reinigen. Foto: Ajai Daby/XinHua/dpa

Bei der Öl-Katastrophe vor Mauritius verschärft sich die Lage auf dem havarierten Frachter. Mit Hochdruck wird versucht, den restlichen Treibstoff abzupumpen. Deutschland und Japan sagt dem Urlaubsparadies Hilfe zu.

Tokio/Port Louis (dpa) - Der vor Mauritius havarierte Frachter droht in zwei Teile zu zerbrechen. Der Riss im Rumpf des auf einem Korallenriff auf Grund gelaufenen Frachters "Wakashio" habe sich ausgeweitet, teilte der japanische Betreiberkonzern Mitsui OSK Lines mit.

Da das Schiff nicht mehr alleine fahren könne, sei es an einem Schlepper festgemacht, um nicht abzutreiben. Von den bereits ausgesickerten 1180 Tonnen Treibstoff seien rund 460 Tonnen aus dem Meer und am Strand eingesammelt worden. Bis zum frühen Dienstag (Ortszeit) seien zudem rund 1020 Tonnen aus dem Frachter abgepumpt worden. Das Schiff hatte rund 4000 Tonnen Treibstoff an Bord. Es liegt etwa zwei Kilometer vom Festland entfernt in einer Lagune nahe mehrerer Naturschutzgebiete. Die Bundesregierung bot an, Experten mit Spezialtechnik zu schicken.

Das Schiff lieft bereits vor mehr als zwei Wochen auf Grund, am vergangenen Donnerstag war es dann zu einem Riss in einem der Tanks des Schiffes gekommen, woraufhin Öl austrat. Der Inselstaat im Indischen Ozean rief daraufhin einen Umwelt-Notstand aus. Um ein weiteres Aussickern zu verhindern, seien die Behörden und ein Einsatzteam dabei, die verbliebenen rund 1800 Tonnen aus dem Schiff zu pumpen, teilte das japanische Unternehmen mit.

Auf die Frage, warum das Öl nicht schon vor dem Auftreten des Risses abgepumpt worden war, erklärte Konzernsprecher Atsushi Hara der dpa am Dienstag, es sei zunächst höchste Priorität gewesen, das auf Grund gelaufene Schiff wieder flott zu kriegen. Dies sei jedoch wegen widrigen Wetters nicht möglich gewesen, so der Eigner, Nagashiki Shipping.

Durch das Öl sei bereits enormer Schaden entstanden, hatte der Berater der Regierung von Mauritius, Ken Arian, am Montag gesagt. "Dies ist das schlimmste ökologische Desaster, das Mauritius je gesehen hat." Umweltschützer befürchten, dass die Katastrophe verheerende Auswirkungen auf die Meeresökologie haben kann. Allerdings könne der Schaden viel größer sein, sollte noch mehr Öl aus dem Schiff austreten, sagte Vikash Tatayah von der Mauritian Wildlife Foundation (MWF) der dpa am Dienstag. "Wir beten, dass das Wetter in Ordnung ist, damit die Arbeiten weitergehen können, bis das ganze Öl im Schiff komplett entfernt ist."

Derweil dämmen die Einsatzkräfte den ausgetretenen Treibstoff mithilfe schwimmender Ölsperren ein, pumpen ihn ab und bringen ihn mit Helikoptern und in schwimmenden Behältern an Land. Allerdings würden mehr dieser Mittel benötigt, teilte das UN-Nothilfebüro (Ocha) mit. Demnach unterstützen Tausende freiwillige Helfer die Arbeiten, indem sie Ölsperren bauen und die Küste säubern.

Mauritius mit seinen rund 1,3 Millionen Einwohnern zieht jährlich Hunderttausende Touristen an, was ein wichtiger Wirtschaftszweig für den Inselstaat ist. Der Tourismussektor leidet ohnehin wegen der Corona-Krise enorm.

Japan sagte dem Urlaubsparadies volle Unterstützung zu. Der Frachter verursache große "Sorgen und Ärger", sagte Japans Transportminister Kazuyoshi Akaba am Dienstag in Tokio. Am Vortag hatte Japan ein sechsköpfiges Team aus Experten zu dem Inselstaat entsandt.

Auch die Bundesregierung bot Hilfe an. "Diese Umweltkatastrophe bedroht zahlreiche seltene Tierarten und Naturschutzgebiete", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). "Unser Havariekommando kann mit Spezialtechnik jederzeit aufbrechen." Ziel ist dem Ministerium zufolge, die örtlichen Einsatzkräfte schnell dazu befähigen, mit der zur Verfügung gestellten Technik weitere Schäden zu begrenzen. Das Angebot sei über die Zentralstelle für die Koordination von Notfallmaßnahmen (ERCC) der EU eingestellt worden.

Jetzt droht eine Umwelt-Katastrophe in Sri Lanka: Ein Öl-Tanker brennt vor der Küste.

© dpa-infocom, dpa:200811-99-124836/7

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Polizei fahndet nach Tötungsdelikt nach 18-Jährigem - Anwohner sollen zu Hause bleiben

Nach einem Tötungsdelikt im niedersächsischen Celle hat die Polizei am Montagabend Anwohner gebeten, in ihren Wohnungen zu bleiben.
Polizei fahndet nach Tötungsdelikt nach 18-Jährigem - Anwohner sollen zu Hause bleiben

Corona in Deutschland: Alarmierende Zahlen aus NRW - 1700 Menschen nach privater Feier in Quarantäne

Die Corona-Fallzahlen steigen - auch in Deutschland. Eine Stadt in NRW überschreitet den 7-Tage-Inzidenz-Wert von 100. Nach einer kleinen Familienfeier müssen Tausende …
Corona in Deutschland: Alarmierende Zahlen aus NRW - 1700 Menschen nach privater Feier in Quarantäne

Welche Orte schaffen es auf das Hessen-Monopoly? Abstimmung läuft noch bis 30. September

Monopoly soll es bald in einer Hessen-Edition geben: Die bekannten Straßen auf dem Spielbrett sollen gegen hessische Orte ausgetauscht werden. Online kann nun unter den …
Welche Orte schaffen es auf das Hessen-Monopoly? Abstimmung läuft noch bis 30. September

Ruhr Park Bochum: Neue Masken-Regelung sorgt für (böse) Überraschung bei Kunden

Kunden des Ruhr Parks in Bochum müssen sich seit Kurzem an eine neue Corona-Regelung in Sachen Maskenpflicht gewöhnen - was für Verwirrung sorgt.
Ruhr Park Bochum: Neue Masken-Regelung sorgt für (böse) Überraschung bei Kunden

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.