Missbrauchsfälle in NRW

Kindesmissbrauch in Münster: Razzien in Hessen - Mehrere Tatverdächtige festgenommen

Im Missbrauchskomplex Münster sind am Dienstag 180 Beamte zu Durchsuchungen in vier Bundesländern ausgerückt, darunter auch Hessen.

  • Im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach gibt es Tausende Verdächtige
  • Auch in Münster wurde ein Kindesmissbrauchsfall aufgedeckt
  • Kindesmissbrauch im Netz ist weit verbreitet

Update vom Dienstag, 30.06.2020, 12.30 Uhr:  Bei Razzien in vier Bundesländern haben Polizisten weitere Tatverdächtige im Missbrauchskomplex Münster festgenommen. Wie eine Polizeisprecherin in Münster mitteilte, waren an den Durchsuchungen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hessen 180 Beamte beteiligt. Demnach wurden mindestens drei Haftbefehle vollstreckt. 

Ermittler in Nordrhein-Westfalen waren allein in den vergangenen eineinhalb Jahren mehreren schweren Missbrauchsserien an Kindern auf die Spur gekommen. So waren auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde jahrelang zahlreiche Kinder missbraucht worden. Aktuelle Ermittlungen richten sich auch gegen ein Pädophilennetzwerk, das nach der Festnahme eines Tatverdächtigen in Bergisch Gladbach bei Köln aufgedeckt wurde.

Bergisch Gladbach: Spuren von mehr als 30.000 Tatverdächtigen entdeckt

Update vom Montag, 29.06.2020, 13.30 Uhr: Im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach gibt es 30.000 unbekannte Tatverdächtige. Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sagte in Düsseldorf, die zuständige Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) ermittle gegen so viele Verdächtige. Ziel sei nun, diese Täter und Unterstützer von Kindesmissbrauch aus der Anonymität des Internets herauszuzerren. 

„Ich habe nicht damit gerechnet, nicht im Entferntesten, welches Ausmaß Kindesmissbrauch im Netz hat“, sagte Beisenbach. Was die Ermittlungsgruppe zutage gefördert habe, sei „zutiefst verstörend“. „!Wir müssen erkennen, dass Kindesmissbrauch im Netz weiter verbreitet ist, als wir bisher angenommen haben.“ 

Die Missbrauchsermittlungen hatten im vergangenen Oktober mit der Festnahme eines mutmaßlichen Täters in Bergisch Gladbach bei Köln begonnen. Namentlich identifiziert sind bisher etwas mehr als 70 Tatverdächtige in ganz Deutschland. Im Mai war ein erster Täter - ein 27 Jahre alter Soldat - zu zehn Jahren Haft verurteilt und auf unbestimmte Zeit in der Psychiatrie untergebracht worden.

 in : Mutter des Hauptverdächtigen arbeitet als Erzieherin in Kita

Update vom Sonntag, 07.06.2020, 14.17 Uhr: Den Ermittlern stand die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. Nach dem Aufdecken des Kindesmissbrauchs in Münster haben die Beamten jetzt weitere schockierende Details enthüllt. Der leitende Ermittler Joachim Poll sagte dem WDR am Samstag (06.06.2020), man habe in einen Abgrund geschaut: „Das weckt in einem Wut und Hass für diese Menschen – wenn man sie überhaupt Menschen nennen darf.“ 

Am Sonntag wurde jetzt öffentlich: Nach Informationen des WDR hat die Mutter des Hauptverdächtigen bis zu ihrer Festnahme als Kita-Erzieherin gearbeitet. Auch sie soll von dem Missbrauch gewusst haben. 

Der Hauptverdächtige kommt aus Münster und ist 27 Jahre alt. Neben ihm wurden gegen sechs weitere Personen Haftbefehle erlassen. Neben der 45-jährigen Mutter aus Münster handelt es sich dabei um Männer aus Staufenberg bei Gießen, 30 Jahre alt, Hannover, 35, Schorfheide in Brandenburg, 42, Kassel, 43, und Köln, 41. 

Kindesmissbrauch in Münster: Verdächtiger soll Neffen missbraucht haben - „Abscheulicher Dreck“

+++ 20.07 Uhr: Nach Bekanntwerden des Kindesmissbrauchs in Münster haben die Ermittler am Samstagmittag auf einer Pressekonferenz weitere Details zu den Taten verraten. Münsters Polizeipräsident Rainer Furth betonte direkt zu Beginn der Pressekonferenz:

„Wenn Polizeipräsidenten sich auf Pressekonferenzen zu Wort melden, geht es meistens darum, herausragende Ermittlungserfolge zu vermitteln. Mir geht es um etwas anderes. Mir geht es um das Leid der Opfer. Es geht mir darum, das Entsetzen darüber zum Ausdruck zu bringen, was geschehen ist und was meine Mitarbeiter in nur drei Wochen ermittelt haben. Selbst die erfahrensten Kriminalbeamten sind an die Grenzen des menschlich Erträglichen gestoßen und weit darüber hinaus. 

In der juristischen Sprache heißt es: 11 Festnahmen und sieben Haftbefehle wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. Das gibt völlig unzureichend die Dimension dessen wieder, was wirklich geschehen ist – mitten unter uns, in unserer Gesellschaft. Wer macht sich eigentlich dabei Gedanken über das Leid, das Elend, das Martyrium der Kinder – begangen von Tätern, Vätern, zum Teil von Müttern der Kinder? Und wer macht sich Gedanken über die Männer und die Frauen bei der Polizei, die Hunderte von Terabytes auswerten müssen von diesem abscheulichen Dreck?“ 

Bei den Ermittlungen nach schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern stehen zwei Polizeibeamte an der Rückseite der Gartenlaube, wo der vermutliche Haupttäter Teile seiner Server-Anlage unterbrachte. Die Ermittler fanden darin u.a. noch Festplatten und Videokameras.

Kindesmissbrauch in Münster: Tatverdächtiger soll Neffen missbraucht haben

+++ 19.15 Uhr: Das Jugendamt hatte Kontakt zu der Familie von einem der Opfer des Missbrauchsfalls in Münster. Die Familie sei den Behörden aus den Jahren 2015 bis 2016 bekannt, „weil der soziale Kindsvater wegen des Besitzes und des Vertriebs pornografischer Daten aufgefallen war“, teilte die Stadt am Samstag (06.06.2020) mit. In dieser Zeit habe das Jugendamt Kontakt zu der Familie gehabt.

2015 habe das Familiengericht keinen Anlass gesehen, das Kind aus der elterlichen Verantwortung zu nehmen. Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) sagte dazu: „Eine Bewertung können wir erst vornehmen, wenn die Faktenlage dafür ausreichend geklärt ist.“

Kindesmissbrauchsfall in Münster: Einer der Tatverdächtigen stammt aus Kassel

+++ 19.08 Uhr: Das bisherige Ermittlungsergebnis im Missbrauchsfall nach rund dreieinhalb Wochen sei wohl nur die Spitze des Eisbergs, sagten übereinstimmend der leitende Ermittler Joachim Poll und Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt während einer Pressekonferenz. Münsters Polizeipräsident Rainer Furth betonte: „Selbst die erfahrensten Kriminalbeamten sind an die Grenzen des menschlich Erträglichen gestoßen und weit darüber hinaus.“

+++ 19.04 Uhr: Bei dem 12-jährigen Opfer des schweren Kindesmissbrauchs in Münster handelt es sich den Ermittlern zufolge um den Neffen des Beschuldigten aus Kassel. Dieser soll den Jungen missbraucht haben, wie aus sichergestellten Daten des 27-jährigen Münsteraners hervorgehe. 

Alle Kinder sollen vor den Taten betäubt worden sein. Körperliche Verletzungen haben sie nicht davon getragen, sagte der leitende Ermittler Joachim Poll. Die Kinder seien von Rechtsmedizinern untersucht worden.

Sexueller Missbrauch von Kindern in Münster: Ermittler mussten „unfassbare Bilder sehen

Update vom Samstag, 06.06.2020, 15.33 Uhr: Neue Details zu dem Missbrauchsfall in Münster: Bei den Kindern, die in einer Gartenlaube über Stunden missbraucht worden seien sollen, handelt es sich laut den Ermittlern um den 10-jährigen Sohn der Lebensgefährtin des 27-jährigen Münsteraners und um den 5-jährigen Sohn des Beschuldigten aus Staufenberg. 

Die Polizisten hätten „unfassbare“ Bilder sehen müssen, sagte der Leiter der Ermittlungen, Joachim Poll.

Missbrauchsfall in Münster: 500 Terrabyte Daten sichergestellt

In einem Keller in Münster habe man einen komplett eingerichteten, klimatisierten Serverraum gefunden. Er sei dem 27-jährigen Tatverdächtigen zuzurechnen, sagte Poll. Das Speichervolumen der sichergestellten Daten liege nach ersten Erkenntnissen bei über 500 Terrabyte. Poll sprach von mehreren Hundert Asservaten an gefundener IT-Technik. 

Erstmeldung vom Samstag, 06.06.2020, 14.45 Uhr: Münster – Ein neuer bundesweiter Kindesmissbrauchsfall ist aufgedeckt worden. Ermittler der Polizei Münster (Nordrhein-Westfalen) haben elf Tatverdächtige festgenommen.

Bundesweiter Kindesmissbrauchsfall aufgedeckt: 27-Jähriger ist Hauptverdächtiger

Gegen sieben Beschuldigte in dem neuen Missbrauchsfall wurde Untersuchungshaft angeordnet. Es handelt sich um sechs Männer und eine Frau. Der Hauptverdächtige ist ein 27 Jahre alten IT-Techniker aus Münster. Außerdem wurde dessen Mutter festgenommen sowie Männer aus Staufenberg, Hannover, Schorfheide, Kassel und Köln.

Beim Hauptverdächtigen hätten die Ermittler große Mengen an Datenträgern gefunden, die hochprofessionell verschlüsselt worden seien, sagte Kriminalhauptkommissar Joachim Poll am Samstag (06.06.2020) in Münster.

Missbrauchsfall aufgedeckt: Kinder sollen stundenlang in Gartenlaube missbraucht worden sein

Den Ermittlern sei es bis heute nicht gelungen, alle Daten zu entschlüsseln. Poll sprach von aufwendigen, kniffligen und mit viel Technik verbundenen Ermittlungen. Der 27-Jährige aus Münster sei in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Kreis Coesfeld für die IT-Technik tätig gewesen.

Bei den Ermittlungen hat die Polizei zudem drei Kinder als Opfer identifiziert. Sie seien fünf, zehn und 12 Jahre alt, so die Ermittler. Die Auswertung einer bereits gelöschten Festplatte habe ergeben, dass vier Männer wechselweise den fünf- und zehnjährigen Jungen in einer Gartenlaube über Stunden schwer sexuell missbraucht haben sollen. 

Bundesweiter Missbrauchsfall: Nordrhein-Westfalen schon zuvor in den Schlagzeilen

Das Bundesland Nordrhein-Westfalen war seit Anfang 2019 wegen mehrerer Fälle von schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern in die Schlagzeilen geraten. Auf einem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe hatten mehrere Männer Kinder hundertfach über Jahre schwer sexuell missbraucht*.

Ermittlungen zu einem bundesweiten Kinderpornografie-Tauschring hatten im Oktober 2019 in Bergisch Gladbach bei Köln begonnen und erstrecken sich mittlerweile auf sämtliche Bundesländer.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte nach dem Fall Lügde das Thema Kindesmissbrauch zur Chefsache erklärt und die Arbeit der Ermittlungsbehörden in diesem Bereich verstärkt.

(mit dpa)

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Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Marcel Kusch

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