„Mädchen mit dem Perlenohrring“

Experten prüfen berühmtes Gemälde genauer - und entdecken Sensationelles

Um das berühmte „Mädchen mit dem Perlenohrring“ ranken sich viele Mythen - jetzt haben Forscher sensationelle Entdeckungen gemacht.

  • Das „Mädchen mit dem Perlenohrring“ von Johannes Vermeer stammt aus dem 17. Jahrhundert.
  • Forscher haben das weltberühmte Gemälde jetzt genauer geprüft.
  • Sie machten faszinierende Entdeckungen.

Den Haag - Zarte Wimpern, ein grüner Vorhang und eine schwebende Perle: Internationale Forscher haben manche Rätsel des weltberühmten Gemäldes „Mädchen mit dem Perlenohrring“ nach gut 350 Jahren gelüftet. Die bisher größte wissenschaftliche Untersuchung des Meisterwerkes von Johannes Vermeer (1632-1675) erbrachte überraschende neue Erkenntnisse über den Maler und seine Arbeitsweise. „Wir sind dem Bild sehr viel näher gekommen als jemals zuvor“, sagte die Direktorin des Den Haager Mauritshuis, Martine Gosselink, am Dienstag, 28. April.

 "Die Ergebnisse des Forschungsprojekts bieten einen Einblick in ein viel 'persönlicheres' Gemälde, als bisher angenommen", erklärte das Den Haager Kunstmuseum Mauritshuis weiter, in dem das Bild ausgestellt ist.

Den Haag: Das „Mädchen mit dem Perlenohrring“ gibt seine Identität nicht preis

Das größte Geheimnis aber, nämlich wer das Mädchen auf dem Bild ist, konnten die Forscher nicht lüften. Das bedauerte auch die Direktorin: „Das Mädchen gibt das Geheimnis seiner Identität leider nicht preis, aber wir haben sie sehr viel besser kennen gelernt.“

Das „Mädchen mit dem Perlenohrring“ (1665-1667) ist das berühmteste Gemälde Vermeers und ein Liebling der Besucher des Mauritshuis. Die junge Frau mit dem exotischen blauen Turban, der feinen Haut, dem rot schimmernden Mund und der matten Perle am Ohr fasziniert Menschen weltweit.

Den Haag: „Mädchen mit dem Perlenohrring“ mit moderner Technologie untersucht

Vor zwei Jahren hatte ein internationales und multidisziplinäres Forscherteam das Gemälde mit den modernsten Scannern und Technologien untersucht, durch alle Farbschichten hindurch, Millimeter für Millimeter. Jetzt machte das Museum auf einer virtuellen Pressekonferenz die Ergebnisse bekannt. Die letzte große wissenschaftliche Untersuchung des Meisterwerkes zuvor war 1994.

Die Forschungsleiterin Abbie Vandivere betrachtet das Kunstwerk „Mädchen mit dem Perlenohrring“ von Jan Vermeer, das im Museum Mauritshuis hängt.

Bei der Untersuchung mit einem Röntgen-Scanner wurde unter anderem entdeckt, dass sich winzige Wimpern um die Augen des Mädchens befinden, die für den Betrachter unsichtbar sind. 

Zu ihrer Überraschung entdeckten die Forscher, dass Vermeer hinter dem Mädchen ursprünglich einen grünen Vorhang gemalt hatte. Der war im Laufe der Jahrhunderte verschwunden, die Farbe verblichen.

Die seit Februar 2018 laufende Studie brachte auch ans Licht, wie der holländische Meister mit verschiedenen Schichten an Farben arbeitete. Er änderte die Komposition des Gemäldes, indem er die Position des Ohres, das Ende des Schals um den Kopf des Mädchens und den Nacken verlagerte.

Den Haag: Perlen bei „Mädchen mit dem Perlenohrring“ nur eine Illusion

„Die Perle ist nur eine Illusion“, schreiben die Wissenschaftler. Der Ohrring schwebt, denn das Häkchen fehlt, mit dem er am Ohr befestigt sein müsste.

Der holländische Maler hatte, so ergaben die Forschungen, das Gemälde aus Lagen verschiedener Braun- und Schwarz-Töne aufgebaut. Diese liegen unter der heute sichtbaren Farbe. Dann hatte Vermeer die Konturen des Mädchens gezeichnet und im Laufe des Schaffensprozesses auch an einigen Stellen leicht korrigiert. Nach dem Hintergrund brachte er die schimmernde Haut des Gesichts auf die Leinwand, dann malte er die gelbe Jacke, den weißen Kragen, den Turban und den Ohrring. In der Signatur fanden die Forscher sogar noch einige Pinselhaare.

Dank der Untersuchung ist nun erstmals auch die Farbpalette Vermeers detailliert beschrieben. „Die Farbstoffe kamen aus der ganzen Welt“, berichtet das Museum. Vermeer benutzte auffällig viel Ultramarin von sehr hoher Qualität für die intensiv blaue Kopfbedeckung und Jacke. Es wurde aus dem Stein Lapislazuli hergestellt. Das war dem Mauritshuis zufolge ein so aufwendiges und teures Verfahren, „dass der Farbstoff im 17. Jahrhundert sogar kostbarer war als Gold“.

Gosselink stellt klar: "Dies ist nicht der Endpunkt unserer Forschung."

Die Unbekannte inspirierte auch die Schriftstellerin Tracy Chevalier zu ihrem gleichnamigen Buch. Dieses wurde wiederum erfolgreich mit Scarlett Johansson und Colin Firth in den Hauptrollen verfilmt.

Eine faszinierende Entdeckung machte auch ein US-Paar nach dem Hauskauf. Richtig skurril wird es dann in einer Tiefgarage.

dpa/AFP

Rubriklistenbild: © Ivo Hoekstra/Mauritshuis Museum/dpa

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