Insgesamt zehn Gegenstände

Libanese ersteigert Hitler-Besitz und übergibt ihn Israel

Abdallah Chatila (l) hat Hitler-Artefakte ersteigert und dem israelischen Staat übergeben. Israel Staatspräsident Reuven Rivlin ehrt bei einem Empfang die Geste des Libanesen. Foto: Mark Neyman/GPO/dpa
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Abdallah Chatila (l) hat Hitler-Artefakte ersteigert und dem israelischen Staat übergeben. Israel Staatspräsident Reuven Rivlin ehrt bei einem Empfang die Geste des Libanesen. Foto: Mark Neyman/GPO/dpa

Jerusalem (dpa) - Er wollte nicht, dass die Sachen in die falschen Hände geraten: Ein libanesischer Geschäftsmann, der bei einer Versteigerung in München Gegenstände aus dem Besitz von Adolf Hitler für 600.000 Euro gekauft hat, ist in Israel mit höchsten Ehren empfangen worden.

Abdallah Chatila, der die Objekte gezielt für Israel ersteigert hatte, traf am Sonntag den Staatspräsidenten Reuven Rivlin in Jerusalem. «Ihre Spende ist von größter Bedeutung in dieser Zeit, in der Leute versuchen, historische Wahrheiten zu leugnen», sagte Rivlin nach Angaben seines Büros. «Die Gegenstände, die Sie großzügig (der Holocaust-Gedenkstätte) Yad Vashem zur Verfügung stellen, werden dabei helfen, das Holocaust-Gedenken der nächsten Generation, die keine Überlebenden mehr treffen wird, zugänglich zu machen.»

Die Versteigerung von Gegenständen aus dem Besitz ranghoher Nazis im vergangenen Monat hatte Kritik auch von Seiten jüdischer Organisationen ausgelöst.

Der in der Schweiz lebende Libanese hat insgesamt zehn Gegenstände gekauft, darunter Hitlers Faltzylinder, eine Ausgabe von Hitlers «Mein Kampf», eine Zigarrenkiste, Briefe und eine Schreibmaschine.

Chatila sagte dem israelischen Präsidenten, er verstehe die Wichtigkeit für das jüdische Volk, «aber ich denke, es gibt eine breitere Botschaft für die ganze Welt, dass "Nie wieder" nicht nur ein leerer Slogan ist».

Nach den Worten von Avner Schalev, Vorsitzender von Yad Vashem, hat Chatila mit seinem Vorgehen «verhindert, dass diese Objekte in die falschen Hände fallen». Yad Vashem wolle die Gegenstände aufbewahren, aber nicht als Sammlung ausstellen, «um Phänomene von Verehrung für Hitler und die Nazi-Partei zu verhindern», sagte Shalev nach Angaben der Nachrichtenseite ynet. Es sei aber durchaus denkbar, «dass ein Teil der Gegenstände in einem erzieherischen Kontext gezeigt werden, um auch die Geschichte der Nazis zu erzählen».

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