Polizei-Großeinsatz in Kiel

„Marzipan-Erpresser“ bedroht Handelskette an Schulen

Ein Unbekannter hatte auf dem Hof der Grundschule Marzipanherzen abgelegt, die mit einer Substanz versetzt waren. Foto: Christian Charisius
1 von 5
Ein Unbekannter hatte auf dem Hof der Grundschule Marzipanherzen abgelegt, die mit einer Substanz versetzt waren. 
Einsatzkräfte der Polizei durchsuchen in Kiel eine Grundschule. Foto: Christian Charisius
2 von 5
Einsatzkräfte der Polizei durchsuchen in Kiel eine Grundschule.
An der Kieler Grundschule waren manipulierte Marzipanherzen gefunden worden. Foto: Christian Charisius
3 von 5
An der Kieler Grundschule waren manipulierte Marzipanherzen gefunden worden. 
Experten des Kampfmittelräumdienstes durchsuchen die Kieler Grundschule. Foto: Christian Charisius
4 von 5
Experten des Kampfmittelräumdienstes durchsuchen die Kieler Grundschule.
Auch Spürhunde wurden bei der Durchsuchung der Schule eingesetzt. Foto: Christian Charisius
5 von 5
Auch Spürhunde wurden bei der Durchsuchung der Schule eingesetzt.

Kiel - Nach Drohungen eines Erpressers werden drei Schulen geräumt und durchsucht. Bereits zuvor waren vergiftete Marzipanherzen gefunden worden. Ziel ist die Handelskette Coop.

Der Schultag beginnt so wie immer: Die ersten Lehrer sind da, langsam trudeln an diesem sonnigen Morgen auch einige Schüler ein - und plötzlich müssen alle raus. Die Polizei lässt blitzschnell drei Schulen in Kiel räumen. Jemand erpresst die in der Landeshauptstadt angesiedelte Einzelhandelskette Coop. Unbekannte drohten damit, weiterhin manipulierte Lebensmittel rund um Kieler Schulen zu verteilen, teilt das Unternehmen am Freitag mit. Die Polizei nimmt das Ganze sehr ernst.

Spürhunde und Sprengstoffexperten durchsuchen am Morgen erst die Muhliusschule; danach sind die Käthe-Kollwitz-Schule und die Hebbelschule dran. Am Nachmittag kommt Entwarnung für diese Schulen.

Auch die neunjährige Lena und ihr drei Jahre jüngerer Bruder Ben stehen am Morgen vor verschlossenen Türen. Weil ihre Muhliusschule gesperrt ist, nimmt die Mutter die beiden Kinder kurzerhand mit ins Büro. „Ich glaube, das ist ein ganz mieser Schülerstreich“, glaubt Janett Stephan zu diesem Zeitpunkt noch.

Drohung per Mail

Der mysteriöse Fall hatte in der Nacht zum Dienstag begonnen: Die Reventlouschule bekommt eine Mail mit dem Hinweis, auf dem Hof seien vergiftete Lebensmittel ausgelegt worden. Es sind Marzipanherzen. Experten finden heraus, dass die Süßigkeiten mit einer Substanz versetzt worden sind, also vergiftet. Die von der Polizei nicht benannte Substanz, kann gesundheitliche Beschwerden auslösen, je nach körperlicher Verfassung. Schwere Folgen oder gar Lebensgefahr schließen Experten aber aus.

An der Muhlius- und der Hebbelschule werden verdächtige Gegenstände gefunden. Polizisten rücken mit sechs Spürhunden an. Die Polizei sperrt die Straßen rund um die Schule mit Flatterband ab. Auch der Kampfmittelräumdienst kommt. Ein Experte betritt das Gebäude im Schutzanzug. Dann gibt es Entwarnung. Die verdächtige Gegenstände stellen sich als ungefährlich heraus. „Alles wieder gut!“, heißt es mittags auf der Homepage der Muhliusschule. „Alles lief entspannt und ohne Angst und Tränen ab.“ Bildungsstaatssekretär Dirk Loßack ist zufrieden: „Die Evakuierung der Schulen hat gut geklappt.“ Die Zusammenarbeit mit den Eltern sei gut gewesen.

An der Hebbelschule mit 640 Schülern und 53 Lehrern stehen am Vormittag noch ein paar Lehrer Kaffee trinkend vor dem rot-weißen Flatterband, mit dem die Polizei das Schulgelände abgesperrt hat. „Zunächst war alles wie immer“, sagt der stellvertretende Schulleiter Michael Bremer. „Ich habe noch einen Schnack mit dem Hausmeister gehalten.“ Dann der Alarm. Nur wenige Schüler waren schon da und mussten das Gebäude schnell verlassen. Schulleiterin Annegret Wilms lobt die Professionalität und Besonnenheit von Polizei und eigenen Kollegen. „Ist das echt?“, fragte lachend eine vorbeiradelnde Frau. Es ist echt.

Was hinter Drohungen und manipulierten Marzipanherzen steckt, bleibt zunächst unklar. „Der Tathintergrund wird noch ermittelt“, sagt ein Polizeisprecher zu dem in Kiel nun schon als „Marzipan-Erpressung“ bekannten Fall.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

US-Horrorhaus: Paar mit 13 Kindern weist Schuld von sich

Mehr grausige Details aus dem Horrorhaus in Kalifornien kommen ans Licht. Die Vorwürfe der 13 misshandelten Kinder sind erdrückend, doch die Eltern streiten eine Schuld …
US-Horrorhaus: Paar mit 13 Kindern weist Schuld von sich

Garagen-Boden kracht zusammen - da entdeckt die Familie einen Geheim-Raum

Es ist eine Geschichte wie aus einem Grusel-Krimi: Eine Familie aus der US-Stadt Idaho Falls wurde nachts von einem Krachen aus dem Schlaf gerissen. Die Ursache dafür …
Garagen-Boden kracht zusammen - da entdeckt die Familie einen Geheim-Raum

Vorsicht: Wenn diese Nummer anruft - nicht abnehmen

Immer wieder kommt es zu Betrugsversuchen übers Telefon und Telefonterror. Jetzt gibt es zahlreiche Beschwerden zu einer konkreten Nummer - bei der Sie besser nicht …
Vorsicht: Wenn diese Nummer anruft - nicht abnehmen

Sieben Jahre Haft für Waffenhändler vom Münchner Amoklauf

Im Sommer 2016 stürzte der Schüler David S. mit seinem Amoklauf in München die ganze Stadt in Panik. Er erschoss neun Menschen und sich selbst. Der Verkäufer der …
Sieben Jahre Haft für Waffenhändler vom Münchner Amoklauf

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.