Gymnasium auf Teufel komm raus

Münchner Kinder immer intelligenter? Gymnasien der Stadt platzen aus allen Nähten

Luisen Gymnasium in München
+
Immer mehr Schüler in München wollen nach der vierten Klasse auf ein Gymnasium. Die Anmeldezahlen steigen seit Jahren kontinuierlich.

Anmelde-Ansturm auf Münchner Gymnasien. Immer mehr Eltern in der bayerischen Landeshauptstadt sehen ihre Kinder an einem Gymnasium. Auch 2021 gibt es an einzelnen Schulen wieder mehr Anmeldungen als Plätze zur Verfügung stehen.

München - In Bayern folgt auf die alljährliche Vergabe der Übertritterzeugnisse für Viertklässler im Mai die Anmeldung der Kinder an weiterführende Schulen. Immer mehr von ihnen wollen auf ein Gymnasium, Abitur machen.

Die offiziellen Zahlen der Stadt München des Referats für Bildung und Sport belegen den bereits seit Jahren anhaltenden Trend: Noch nie wechselten so viele Münchner Grundschüler aufs Gymnasium wie in diesem, nämlich rund 55 Prozent eines Jahrgangs und damit 2 Prozent mehr als noch im Vorjahr- insgesamt 5.459 Kinder.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hätte das Gymnasium Unterföhring mit 267 Anmeldungen für das kommende Schuljahr neun Eingangklassen bilden müssen, um alle Kinder unterbringen zu können. Es seien aber nur fünf Eingangsklassen möglich gewesen. Etwa 100 Eltern habe die Schulleiterin eine Absage erteilen müssen. Einige von ihnen seien darüber verärgert gewesen.

Das Kind auf dem Gymnasium ist ein Statussymbol

Insgesamt gibt es 41 Gymnasien in München. Einige von ihnen werden für das kommende Schuljahr zusätzliche fünfte Klassen bilden müssen. Darunter das Louise-Schröder Gymnasium in Untermenzing, für das die Anmeldungen um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind. Die Schule nimmt nun mehr Schüler auf, als ursprünglich geplant, was zwar die Eltern zunächst zufriedenstellt, aber ihre räumlichen Kapazitäten und auch die Ressourcen des Lehrpersonals* immer stärker an ihre Grenzen bringt.

Die Einschreibungen an den Gymnasien sind ungleichmäßig verteilt, es gibt durchaus Schulen, die noch Plätze freihaben. Doch das sind oft die, deren Reputation nicht mit dem elitären Ruf, wie zum Beispiel dem des humanistischen Wilhelmsgymnasiums nahe der feinen Maximilianstraße mithalten kann.

Es ist das älteste Gymnasium der Stadt, an dem viele bekannte Persönlichkeiten wie Unternehmensberater Roland Berger, der Schriftsteller Golo Mann, der Maler Carl Spitzweg, Ex-Kulturminister Julian Nida-Rümelin und Komponist Konstantin Wecker ihr Abitur machten. Das Wilhelmsgymnasium zählt aktuell um die 550 Schüler. Die Reputation der Schule ist vielen Eltern wichtig. Den einen wegen der Qualität der Lehre, den anderen aus Gründen des Statusbewusstseins.

München: Eltern dürfen selbst entscheiden, auf welche Schule ihr Kind gehen soll

Grundsätzlich müssen sich Eltern nicht selbst um die Unterbringung ihrer Kinder an einem Gymnasium kümmern, das übernehmen zwei sogenannte Ministerialbeauftragte der Stadt. Beamte des bayerischen Kultusministeriums, die den Gymnasien gegenüber weisungsbefugt sind.

Doch natürlich haben die Eltern das Recht, auch selbst aktiv zu werden und zu intervenieren, wenn sie mit einer ihrem Sprössling zugewiesenen Schule nicht einverstanden sind. Und das tun sie dann eben auch. Manche Eltern ziehen zudem vor Gericht, wenn ihr Kind an der gewünschte Schule keinen Platz erhält.

Grund für den seit 2014 kontinuierlichen Anstieg bei den Gymnasialeinschreibungen in München sei laut Bildungsbericht der Stadt vor allem der starke Zuzug und die überdurchschnittlichen Geburtenrate* des vergangenen Jahrzehnts. Die Sozialwissenschaft sieht aber auch einen verbissenen Ehrgeiz der Eltern, ihr Kind auf Teufel komm raus an ein Gymnasium zu bringen, als Treiber der steigenden Anmeldungen. Zwar schafft es jedes dritte Kind, das nach der vierten Klasse auf Gymnasium in Bayern wechselt, es nicht bis zu Abitur, doch dass es sich dabei um das eigene Kind handeln könnte, ist für viele Eltern nicht denkbar. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Stuttgarter Nachbarn streiten über „Schwätzbänkle“ vor dem Haus - wegen 50 Zentimetern
Welt

Stuttgarter Nachbarn streiten über „Schwätzbänkle“ vor dem Haus - wegen 50 Zentimetern

Im Stuttgarter Westen tobt ein Nachbarschaftsstreit. Der Grund: Ein „Schwätzbänkle“, das laut Ordnungsamt 50 Zentimeter zu viel vom Gehweg einnimmt.
Stuttgarter Nachbarn streiten über „Schwätzbänkle“ vor dem Haus - wegen 50 Zentimetern
Foto von Frauenleiche auf Handy - Verdächtiger erneut festgenommen
Welt

Foto von Frauenleiche auf Handy - Verdächtiger erneut festgenommen

Eine junge Frau wird in Hamm tot in einer Grünanlage gefunden. Die Polizei nimmt einen 27-Jährigen fest und lässt ihn wieder frei. Jetzt sind die Beweise gegen den …
Foto von Frauenleiche auf Handy - Verdächtiger erneut festgenommen
Mutter soll Baby in die Tiefe gestürzt haben
Welt

Mutter soll Baby in die Tiefe gestürzt haben

Eine junge Mutter ist wegen versuchten Mordes angeklagt. Sie soll - ausgelöst durch einen Streit um Geld - eines ihrer Kinder aus dem Fenster geworfen haben. Jetzt muss …
Mutter soll Baby in die Tiefe gestürzt haben
Asteroiden-Einschlag auf die Erde viel häufiger als bisher angenommen
Welt

Asteroiden-Einschlag auf die Erde viel häufiger als bisher angenommen

Forscher legen neue Befunde über die Einschläge von Asteroiden offen. Die gigantischen Brocken aus dem Weltall bedrohen die Erde deutlich häufiger als gedacht. 
Asteroiden-Einschlag auf die Erde viel häufiger als bisher angenommen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.