An Freunde und Verwandte

Tragödie von Münster: Amok-Fahrer verschickte wirren Abschiedsbrief

Amokfahrt in Münster
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Am Samstag war Jens R. mit einem Kleinbus in eine sitzende Menschenmenge gefahren. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben.

In einem langen Brief erklärte der Täter von Münster, weshalb in seinem Leben alles schief lief. Er schickte das über 90 Seiten lange Schreiben per Email und postalisch an Verwandte und Bekannte. 

Münster - Jens R., der sich nach seiner Amokfahrt in Münster am Samstag selbst das Leben nahm, hatte zuvor einen Brief verfasst, in dem er sich über alles beklagte, was in seinem Leben schief lief. Daraus zitierte am Montag die Bild-Zeitung. Da Jens R. sich in seinem Schreiben über viele Dinge beklage, spricht die Zeitung von einem „Jammer-Manifest“, das vor Selbstmitleid nur so triefe. 

Offenbar ging der Täter von Münster in seinem Brief detailliert auf sehr persönliche Begebenheiten ein, wie etwa aggressive Ausbrüche schon im Kindesalter, Misshandlung durch seine Eltern, sowie dadurch verursachte Alkoholsucht und Impotenz. Er habe nie Geschlechtsverkehr haben können. 

Aktuelle Informationen zur Tragödie von Münster gibt es im Nachrichten-Ticker

Rückenschmerzen, Inkontinenz, Verfolgungswahn 

Doch das sei nicht sein einziges Problem gewesen. In dem Brief werden noch einige andere Umstände aufgelistet, über die Jens R. sich beklagt: Ärzte hätten ihn durch eine verpfuschte Rücken-OP zu schrecklichen Rückenschmerzen verdammt, die wiederum zu Inkontinenz führten. Zudem hätten ihn alle möglichen Leute bespitzelt und Kunden ihre Rechnungen nicht beglichen. 

Jens R. war Möbel-Designer, der für manche Stücke Preise gewonnen hat und Nachbarn gegenüber behauptete, er könne von den Lizenzen gut leben, so die Bild-Zeitung. Dennoch hätten manche Bekannte auch zu Protokoll gegeben, er sei ein Kauz gewesen, der mit Monologen über sich selbst aufgefallen sei, auch wenn man ihn gar nichts gefragt hätte.


Zum Thema: Nachbarn packen über Jens R. aus

Offenbar kein politischer Hintergrund

So beginnt sich ein Profil des Täters herauszukristallisieren, das nichts mit politischem Extremismus oder islamistischem Fanatismus, sondern mit einer psychischen Erkrankung zu tun zu haben scheint. Dieser Umstand hat seit Samstag schon zu einer großen Diskussion über das politische Ausschlachten schrecklicher Tragödien geführt, vor allem aufgrund der Twitter-Tätigkeit der stellvertretenden AfD-Fraktionsvorsitzenden Beatrix von Storch.

Von Storch hatte sich in mehreren Twitter-Postings zur Bluttat von Münster geäußert und sie mit Islamismus und islamistischen Gefährdern in Zusammenhang gebracht. Am Montag forderte die CSU von Storch zur Rückgabe ihres Bundestagsmandats auf, da sie die schreckliche Tat auszuschlachten versucht habe. 

Die AfD-Politikerin nannte den Täter von Münster am Sonntag einen „Nachahmer islamischen Terrors“, womit sie die Unterscheidung zwischen „islamisch“ und „islamistisch“ unterließ. Die Bild-Zeitung ging am Sonntag ebenfalls auf die Idee des Nachahmens ein. Es sei denkbar, dass Jens R. einen Terroranschlag nachahmen wollte, da man in seinem Campingwagen Drähte und Böller gefunden habe, „die offenbar wie eine Bombe aussehen sollten“.  

Video: Spurensuche in Münster geht weiter

Während sich die Stadt vom Schock der tödlichen Amokfahrt zu erholen versucht, wollen die Ermittler Spuren auswerten, die der Täter vor seinem blutigen Abschied hinterlassen hat.

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