Große Sorge bei Beamten

Nach Festnahme von mutmaßlichem Terroristen: Teile von Biowaffen-Gift verschwunden

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Das SEK stürmte die Wohnung von Saifallah H. und trug dabei Schutzmasken und -anzüge.

Weil ein Mann in den USA verdächtig viele Wunderbäume sowie potenzielle Zutaten für einen Sprengsatz bestellte, wurde er am Mittwoch in Köln vom SEK verhaftet. Gebannt ist die Gefahr aber noch nicht.

Köln - Um 20 Uhr griff das SEK in Köln-Chorweiler im Norden der Millionenstadt zu und verhaftete Saifallah H. (29). Der Tunesier plante offenbar eine gefährliche Gift-Bombe zu bauen.

Der Tipp, der die deutschen Beamten auf die Spur des Mannes brachte, kam aus den USA. Der dortige Geheimdienst CIA hatte bemerkt, dass H. sich 150 Samen des Wunderbaumes bestellt hatte. Aus diesem kann Rizin gewonnen werden, ein Gift, das in innerzelluläre Vorgänge eingreift und innerhalb von Stunden töten kann.

Wollte er eine Rizin-Bombe bauen?

Verdacht auf giftige Stoffe in Kölner Wohnung

Als sich Saifallah H. weitere Zutaten zur Herstellung von Rizin sowie zum Bau von Sprengsätzen bestellte, schlugen die Beamten zu. Sie vermuteten nach Bild-Informationen, dass der Mann eine Rizin-Bombe bauen wollte. Markus Schmitt von der Generalbundesanwaltschaft sagte, dass gegen den Tunesier „der Anfangsverdacht einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat“ bestehe.

In ABC-Schutzanzügen und mit Atemschutzmasken stürmte das SEK laut Bild die Wohnung im 1. Stock. Neben dem mutmaßlichen Bombenbauer wurden auch dessen Frau Jasmin D. (46) festgenommen. Außerdem waren zum Zeitpunkt des Zugriffs vier Kinder in der Wohnung.

Saifallah H. postete radikale Botschaften - Teile des Gifts verschwunden

Saifallah H. hat offenbar online radikale Botschaften mit Bezug zur ISIS veröffentlicht haben. Er soll außerdem auch eine Anleitung der Terror-Organisation bei der Bestellung zum möglichen Bau einer Rizin-Bombe genutzt haben.

Was den Beamten weiterhin Sorgen macht: 50 der 150 bestellten Wunderbaum-Samen waren nicht in der Wohnung. Wohin sind diese verschwunden? Ein Anti-Terror-Ermittler gegenüber Bild: „Es handelt sich dabei um das größte Gefahrenpotential, das jemals in Europa gefunden wurde.“

Im Video: Polizei findet bei Verdächtigem angeblich gefährliches Rizin

Wie gefährlich ist Rizin?

Rizin gilt als potenzieller biologischer Kampfstoff. Das angesehene Robert-Koch-Institut stuft das leicht erhältliche Mittel aus dem Samen des Wunderbaums als „potenziellen biologischen Kampfstoff“ ein. Handel und Umgang mit der Reinsubstanz seien nach dem Chemiewaffen-Übereinkommen von 1997 beschränkt. Schon in geringer Konzentration kann Rizin tödlich sein. Sollte das Gift gespritzt werden, wirkt es nach RKI-Angaben binnen 36 bis 48 Stunden tödlich. Rizin schädige Leber und Nieren, der Tod trete durch Multiorganversagen ein.

Laut Kölner Stadt-Anzeiger und Express soll der Tatverdächtige erst im November 2016 nach Deutschland eingereist und polizeilich nicht in Erscheinung getreten sein. Staatsschutz und Ermittlungsbehörden hätten einen Hinweis auf den Mann erhalten, der dann observiert worden sei, bis es am Dienstagabend zu seiner Festnahme kam. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft äußerte sich dazu nicht. Spezialkräfte hatten die Wohnung des Mannes, seiner Frau und Kinder in einem Hochhaus am Dienstagabend gestürmt.

sh/dpa

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