Sexuelle Übergriffe

Nach Missbrauchsvorwürfen: Ermittlungen gegen Weinstein

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Filmproduzent Harvey Weinstein soll dutzende Frauen missbraucht haben. Foto: Guillaume Horcajuelo

Dutzende Frauen werfen dem Filmproduzenten Harvey Weinstein sexuelle Übergriffe vor, einige auch Vergewaltigung. Die Polizei in Los Angeles hat in einem Fall Ermittlungen aufgenommen. Nun meldet sich sogar Star-Filmemacher Quentin Tarantino zu Wort.

Los Angeles (dpa) - Regisseur und Drehbuchautor Quentin Tarantino distanziert sich von Produzent Harvey Weinstein, mit dem er mehr als 20 Jahre zusammengearbeitet hat. Dabei gibt er eigenes Fehlverhalten zu. "Ich wusste, er hat einige dieser Dinge getan", sagte Tarantino (54, "The Hateful Eight") in einem Interview der "New York Times". 

"Ich wusste genug, um mehr zu tun, als ich getan habe." Viel früher hätte er "Verantwortung" übernehmen und seine Zusammenarbeit mit Weinstein beenden müssen, sagte der Regisseur.

Tarantino räumte ein, schon lange von sexuellen Übergriffen gewusst zu haben. 1995 habe ihm seine damalige Freundin, die Schauspielerin Mira Sorvino, von früheren Belästigungen erzählt. Er sei damals "schockiert und aufgebracht" gewesen und habe danach von weiteren Fällen gehört, aber nie das ganze Ausmaß der mutmaßlichen Vorfälle erkannt. Er habe die Anschuldigungen verdrängt und abgetan. 

Seit Donnerstag (Ortszeit) ermittelt auch die Polizei in Los Angeles wegen Missbrauchsvorwürfen gegen Weinstein, wie ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Ein mögliches Missbrauchsopfer sei von der Polizei befragt worden. Nähere Angaben zu dem möglichen Opfer machte der Sprecher zunächst nicht.

Der "Los Angeles Times" zufolge soll es sich um eine 38-jährige Schauspielerin aus Italien handeln. Die Frau, die auch als Model arbeitet, soll demnach angegeben haben, 2013 in einem Hotel in Beverly Hills vergewaltigt worden zu sein. Weinstein sei nach Mitternacht unangekündigt in ihrem Hotel erschienen, sagte sie dem Blatt. Er sei "sehr aggressiv" geworden, habe sie ins Badezimmer gezogen und dort vergewaltigt. "Als er ging, hat er so getan, als sei nichts passiert", schilderte die Frau. Sie will anonym bleiben.

Weinsteins Sprecherin Sallie Hofmeister reagierte am Donnerstag auf die neuen Vorwürfe. "Mister Weinstein kann sich natürlich nicht zu anonymen Anschuldigungen äußern, aber er weist Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex eindeutig zurück", sagte sie. Neben der Polizei von Los Angeles prüfen auch die Behörden in New York und Großbritannien, ob sie Ermittlungen gegen Weinstein aufnehmen.

Zuletzt hatte auch Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong'o (34, "Twelve Years a Slave") angegeben, von Weinstein sexuell belästigt worden zu sein. Er habe sie vor mehreren Jahren zu einem privaten Kinoabend mit seiner Familie in sein Haus eingeladen, berichtete die damalige Studentin in der "New York Times". Doch schon wenig später sei er mit ihr ins Schlafzimmer gegangen und habe ihr eine Massage angeboten. "Ich dachte erst, er mache einen Witz. Das machte er nicht."

Sie habe dann zunächst angeboten, ihn zu massieren, um die Kontrolle zu behalten. Als er seine Hose ausziehen wollte, habe sie das Haus verlassen. "Ich habe mein Erlebnis mit Harvey in die Untiefen meines Gedächtnisses gepackt und mich so in das Schweigekomplott eingereiht, das es diesem Jäger erlaubte, so viele Jahre herumzustreifen", schrieb Nyong'o in dem Essay für die Zeitung.

In den vergangenen Tagen haben sich insgesamt mehr als 40 Frauen mit Vorwürfen von sexuellen Belästigungen bis Vergewaltigungen gegen Weinstein zu Wort gemeldet.

Bericht "Los Angeles Times"

Essay Nyong'o in der "New York Times"

Interview Tarantino, "New York Times"

Die ungewisse Zukunft der Weinstein Company

Lupita Nyong'o berichtet über anzügliche Angebote

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