Pfleger unter Mordverdacht: Soko exhumiert acht Leichen

Auf Delmenhorster Friedhof soll bald mit Exhumierungen zur Aufklärung von eventuell weiteren Morden eines Krankenpflegers begonnen werden. Foto: Ingo Wagner
+
Auf Delmenhorster Friedhof soll bald mit Exhumierungen zur Aufklärung von eventuell weiteren Morden eines Krankenpflegers begonnen werden.

Oldenburg - Nach der mutmaßlichen Mordserie eines früheren Krankenpflegers in Norddeutschland wollen die Ermittler in den nächsten Wochen acht Leichen exhumieren.

Für vier weitere Tote liegen ebenfalls Genehmigungen vor. Alle zwölf waren Patienten am Klinikum im niedersächsischen Delmenhorst. Polizei und Staatsanwaltschaft verdächtigen den ehemaligen Pfleger, den Kranken eine Überdosis eines Herzmedikaments gespritzt und dadurch tödliche Komplikationen verursacht zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich der Mann bei den anschließenden Reanimationsversuchen vor seinen Kollegen beweisen wollte.

Auf welchem Friedhof in der Region die Ermittler Leichen ausgraben lassen werden, sagten sie nicht. "Wir wollen verhindern, dass viele Schaulustige das Geschehen vor Ort verfolgen", sagte am Montag der Präsident der Polizeidirektion Oldenburg, Johann Kühme. Die Familien der Toten seien informiert.

Der Ex-Pfleger muss sich seit September 2014 vor dem Landgericht Oldenburg wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs an Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation verantworten. Schon vor diesem Verfahren waren einige Leichen exhumiert worden - der Mann wurde aber nur wegen der insgesamt fünf Fälle angeklagt. Im Prozess hat er dann gestanden, für den Tod von bis zu 30 Patienten verantwortlich zu sein.

Seit November überprüft die 15-köpfige Sonderkommission "Kardio" alle Todesfälle, für die der 38-Jährige verantwortlich sein könnte. Allein am Klinikum Delmenhorst geht es um 174 Verdachtsfälle. Der Angeklagte hatte dort seit dem Jahr 2003 gearbeitet. Ein Gutachter hat inzwischen die Krankenakten von 23 Patienten analysiert. Bei 12 von ihnen sei der Tod nicht anhand des Krankheitsverlaufs erklärbar, sagte die zuständige Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann.

Die Sonderkommission will jetzt mehrere Gräber an einem Tag öffnen lassen. Danach sollen Rechtsmediziner die Leichen auf Spuren des Herzmedikaments untersuchen. Außerdem sollen Experten Bodenproben aus den Gräbern nehmen. Das Ziel sei, die Toten noch am selben Tag wieder zu beerdigen, sagte Soko-Leiter Arne Schmidt.

Dazu kommen mehr als 20 verdächtige Todesfälle am Klinikum Oldenburg, wo der Pfleger vor seiner Zeit in Delmenhorst gearbeitet hatte. Außerdem überprüfen die Ermittler den Tod von 8 Patienten bei den Rettungssanitätern im Kreis Oldenburg, für die der Pfleger von 2002 bis 2005 in seiner Freizeit fuhr. Der Angeklagte bestreitet, an anderen Orten als am Delmenhorster Klinikum Menschen geschadet zu haben.

"Es handelt sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren", betonte Schiereck-Bohlmann. Deshalb könnten jederzeit neue Verdachtsfälle dazukommen. Wie viele Leichen die Ermittler am Ende exhumieren müssten, sei noch nicht absehbar.

Pressemitteilungen zur Soko "Kardio"

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Corona in Bayern: Gefährliche Trendumkehr in dieser Woche? Kurve der Neuinfektionen steigt deutlich an

Neue Zahlen deuten eine Trendumkehr an: In Bayern infizieren sich wieder mehr Menschen mit dem Coronavirus. Drei Landkreise sind Brennpunkte. 
Corona in Bayern: Gefährliche Trendumkehr in dieser Woche? Kurve der Neuinfektionen steigt deutlich an

Gänsehaut-Entdeckung im Garten - „Beinahe Herzattacke gekriegt“

Ein Internet-Nutzer hat eine unheimliche Entdeckung in einer Garten-Luke gemacht - das Foto ist viral gegangen.
Gänsehaut-Entdeckung im Garten - „Beinahe Herzattacke gekriegt“

Corona-Zahlen in den USA: Nächster Höchststand - Trump feiert trotzdem mit Tausenden Anhängern

Die Corona-Fallzahlen in den USA steigen immer drastischer an. US-Präsident Donald Trump will davon am Nationalfeiertag 4. Juli aber nichts wissen.
Corona-Zahlen in den USA: Nächster Höchststand - Trump feiert trotzdem mit Tausenden Anhängern

Pizza: Was hier eine Hobby-Köchin macht, entsetzt nicht nur Italiener - „Ruft die Polizei!“

Darf man das? Viele finden: Nein! Und fordern drastische Maßnahmen. Was eine Hobby-Köchin mit ihrer Pizza macht, sorgt für Empörung.
Pizza: Was hier eine Hobby-Köchin macht, entsetzt nicht nur Italiener - „Ruft die Polizei!“

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.