Werbeslogan Niedersachsen

„Das teuerste Wort der Landesgeschichte“: Neue Schilder für die Autobahnen in Niedersachsen

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Niedersachsen lässt Schilder an Autobahnen austauschen - Kostenexplosion

Niedersachsen hat wie fast jedes Bundesland hat einen Slogan. Doch jetzt soll dieser geändert werden. Das Vorhaben ist allerdings umstritten. 

  • In Niedersachsen sollen 37 neue Tafeln aufgestellt werden.
  • Spruch löst Diskussionen in Niedersachsen aus. 
  • Der wohl teuerste Spruch in der Landesgeschichte von Niedersachsen

Kein lustiges „Moin“, kein fröhliches „Tschüss“: Niedersachsen begrüßt und verabschiedet seine Besucher auf den Autobahnen künftig ganz schlicht und nüchtern in schwarz auf weiß mit „Willkommen“ und „Auf Wiedersehen“.

Niedersachsen: Länderslogan ist umstritten

Derzeit lässt die Landesstraßenbaubehörde im Auftrag des Wirtschaftsministeriums an den Grenzen zu Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Thüringen und den Niederlanden die Gruß-Schilder austauschen. 

Neben dem roten Wappen findet sich unten auf den neuen Tafeln auch der ebenso knackige wie umstrittene Werbeslogan „Niedersachsen. Klar.“

Niedersachsen: Uneinigkeit über Slogan sorgte für verzögerten Austausch

Die 2007 vom damaligen FDP-Wirtschaftsminister Walter Hirche eingeführte Gruß-Formeln „Immer eine gute Idee. Niedersachsen“ und „Alles Gute, Niedersachsen“ gehören damit der Vergangenheit an. 

Eigentlich hätte der Ersatz der betagten Schilder, die seit Langem verblasst, verrostet und teilweise auch komplett schrottreif sind, bereits vor dreieinhalb Jahren erfolgen sollen. Doch Uneinigkeit im Regierungslager über das Drumherum und den Inhalt der Tafeln verzögerte immer wieder deren Aufstellen.

Das Teuerste Wort Niedersachsens - „Kurz und trocken, typisch norddeutsch eben" 

Im September 2016, noch zu rot-grünen Zeiten, hatte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) mit großem Brimborium den Werbe-Claim „Klar.“ präsentiert. „Kurz und trocken, typisch norddeutsch eben, so ist unser Land, so sind unsere Menschen“, lobte der Regierungschef von Niedersachsen den Reklamespruch. 

45.841,20 Euro kostete diese Schöpfung einer Profi-Werbeagentur. „Das ist wohl das teuerste Wort der Landesgeschichte“, spottete der damalige Oppositionsführer, CDU-Fraktionschef Björn Thümler.

Ein gutes Jahr später saß die Union gemeinsam mit der SPD selbst in der Regierung. Einen Koalitionskrach wegen „Klar.“ wollte man allerdings nicht riskieren. So blieb das Wörtchen auf Briefbögen und im Internetauftritt des Landes.

An die Autobahnen des Landes aber schafften es die vier Buchstaben vorerst nicht. Weils Staatskanzlei und das für die Straßen zuständige Ressort von CDU-Wirtschaftsminister Bernd Althusmann stritten sich um die möglichen Varianten der Schilder.

Niedersachsen: Slogan-Schild beschäftigte Verantwortliche monatelang

Mit Bildern von Menschen oder Landschaften? Mit angeblich für Niedersachsen typischen Adjektiven wie „sturmfest“ oder „weitläufig“? Mit typisch norddeutschen Grußbotschaften? Über solch weltbewegenden Fragen zerbrachen sich die Verantwortlichen monatelang den Kopf. „Ein Autofahrer, der von Kassel nach Norden fährt, versteht ein ‚Moin‘ nicht unbedingt“, warnte ein besorgter Ministerialbeamter.

Niedersachsen - minimalistische Variante - gefeiert wird nicht

Übrig bleibt nun die minimalistische Version. Zuviel Lockerheit wollte das CDU-geführte Wirtschaftsministerium der SPD-geleiteten Staatskanzlei in Niedersachsen nicht zugestehen. Groß ankündigen oder gar feiern mag das Althusmann-Ressort, anders als seinerzeit FDP-Mann Hirche, den Schildertausch nicht. Dieser vollzieht sich fast schon in einer Art Geheimaktion. „Das scheint denen ja ziemlich peinlich zu sein“, lästert eine Genossin.

FDP-Fraktionschef Jörg Bode kritisiert dagegen das Umfallen der CDU als „erschreckend“. Nachdem diese damals noch heftig über das „Klar.“ hergefallen sei, verewige sie jetzt das nichtssagende Wort auch noch auf den Autobahn-Tafeln, schimpft der frühere Wirtschaftsminister. „Diese Botschaft ist pure Geldverschwendung.“

Niedersachsen: 37 neue Tafeln an den Landesgrenzen

Insgesamt 37 neue Tafeln – mit „Willkommen“ und „Auf Wiedersehen“ – sind es an den Autobahnen A1, A2, A7, A27, A30, A31, A33, A36, A38, A261 und A280. Das Aufstellen kostet nach Angaben einer Ministeriumssprecherin 100.000 Euro. Ende März soll der Austausch an allen Landesgrenzen abgeschlossen sein.

Seit Anfang des vergangenen Jahres ist die neue Grenze zwischen Hessen und Niedersachsen auch optisch erkennbar. 

Laut ADAC standen die Autofahrer in Niedersachsen, im Jahr 2019, 135.864 Kilometer im Stau. Die Baustellen auf der A7 sind hierfür ein Hauptgrund. 

Video: Tödliche Massenkarambolage in Niedersachsen 

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