Astronomie

Harvard-Projekt soll außerirdische Besucher in unserem Sonnensystem suchen

Das zigarrenförmige Objekt ‘Oumuamua war der erste interstellare Besucher in unserem Sonnensystem.
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Das zigarrenförmige Objekt ‘Oumuamua war der erste interstellare Besucher in unserem Sonnensystem.

Harvard-Astronom Avi Loeb ist sicher: Es gibt außerirdische Intelligenz. Mit einem neu gestarteten Projekt will er nach Beweisen suchen.

Wer nicht nach Spuren außerirdischen Lebens sucht, wird auch keine finden - davon ist der Harvard-Astronom Avi Loeb überzeugt. Erst kürzlich legte er in einem Interview seine Vision dar, wie die Wissenschaft bestenfalls nach derlei Objekten suchen solle und sich auf Sichtungen wie im Fall ‘Oumuamua vorbereiten könnte.

Ein erster Schritt ist jetzt gemacht: Am Montag (26.07.2021) stellte Loeb sein Projekt „Galileo“ vor, das die Suche nach Spuren von außerirdischen Zivilisationen „von zufälligen oder anekdotischen Beobachtungen und Legenden zum Mainstream transparenter, validierter und systematischer wissenschaftlicher Recherche“ bringen will, wie es auf dem Webauftritt des Projekts heißt.

Mit dem Projekt wollen die Wissenschaftler nach physischen Objekten statt elektromagnetischen Signalen suchen. Sie versprechen sich davon, dass das Projekt Galileo „mindestens ergiebige Datensätze sammelt, die die Entdeckung von - oder bessere wissenschaftliche Erklärungen für - neue interstellare Objekte mit anomalen Eigenschaften fördern“. Als ein solches Objekt ordnet Loeb auch ‘Oumuamua ein, das 2017 von Hawaii aus mit einem Teleskop erspäht wurde. Es gilt als erstes interstellares Objekt, das in unserem Sonnensystem beobachtet wurde.

Harvard-Projekt will nach Objekten außerirdischen Lebens suchen

Während zahlreiche Wissenschaftler davon ausgehen, dass das Objekt von einem Kometen, Asteroiden oder Exoplaneten* stammt, hält Loeb es für wahrscheinlicher, dass es sich um ein künstlich hergestelltes Überbleibsel einer anderen Zivilisation im Universum handelte. Er beruft sich darauf, dass das Objekt keinem zuvor beobachteten Kometen oder Asteroiden geähnelt habe.

„Es hatte vermutlich eine flache Form und bewegte sich weg von der Sonne, als ob es dünn genug wäre, um vom Sonnenlicht geschoben zu werden“, werden die Anomalien auf der Präsenz des Projekts zusammengefasst. Die Daten seien anomal genug, um die Erfassung weiterer Daten anzuspornen.

Das soll das Galileo-Projekt auf drei Wegen tun: Mithilfe eines Netzwerks aus hochauflösenden Teleskopen auf der ganzen Welt sollen Aufnahmen solcher Objekte gemacht werden. Außerdem soll mit bestehenden und künftigen astronomischen Studien aktiv nach interstellaren Objekten gesucht werden. Die dritte Herangehensweise beinhaltet die Suche nach potenziellen Satelliten außerirdischer Zivilisationen.

Das Vorhaben, an dem zahlreiche Forscher verschiedener Universitäten beteiligt sind, stößt in der Wissenschaft auf geteilte Reaktionen. Manche Forscher, die sich mit der Suche nach außerirdischer Intelligenz („search for extraterrestrial intelligence“, kurz: SETI) beschäftigten, sind offen für solcherlei Studien.

„Jeder wäre begeistert, so etwas wie ‘Oumuamua aus der Nähe zu sehen“, sagte der Astronom Jason Wright vom Penn State Extraterrestrial Intelligence Center gegenüber dem Magazin Science. Der Astrophysiker Adam Frank von der University of Rochester schlägt in dieselbe Kerbe: „Wir sollten definitiv bereit für das nächste ‘Oumuamua sein. Wir werden eine Menge über diese Dinge lernen, was immer sie sind.“

Außerirdisches Leben: Forscher wollen Objekte finden

Andere fragten sich jedoch laut dem Science-Bericht, was das Galileo-Projekt überhaupt Neues zur schon laufenden Suche nach interstellaren Objekten beitrage. Auch die Verbindung, die Loeb und sein Team zwischen unbekannten Luftobjekten („unidentified aerial phenomena“, kurz: UAP) und außerirdischer Intelligenz sehen, stimmen bei Weitem nicht alle zu: „Sie scheinen keine offensichtliche Verbindung zu haben“, sagte Wright gegenüber Science. Der Kollege Alan Fitzsimmons von der Queen’s University Belfast formulierte es dem Magazin gegenüber weniger diplomatisch: „OK, das ist Schwachsinn“.

Astronom Avi Loeb dürfte sich an Gegenrede dieser Art mittlerweile gewöhnt haben. Er selbst wirft seinen Kollegen Engstirnigkeit vor und kritisiert, dass sie sich vor der Möglichkeit außerirdischer Intelligenz verschlössen. Seine Suche „bringt Menschen aus ihrer Komfortzone“, zitiert Science Loeb. Aber es sei eine „aufregende Chance“. Er gibt sich offen: „Wir werden finden, was immer wir finden und die Evidenz anschauen.“ (ial) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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