Sieben Männer vor Gericht

Staatsanwalt: Obdachloser hätte qualvoll verbrennen können

Die Angeklagten in einem Sitzungssaal des Berliner Landgerichts. Foto: Paul Zinken
1 von 6
Die Angeklagten in einem Sitzungssaal des Berliner Landgerichts. Foto: Paul Zinken
Die Anwälte der Angeklagten in einem Sitzungssaal des Landgerichtes. Foto: Paul Zinken
2 von 6
Die Anwälte der Angeklagten in einem Sitzungssaal des Landgerichtes. Foto: Paul Zinken
Im U-Bahnhof Schönleinstraße sollen am 24. Dezember 2016 mehrere junge Männer versucht haben, einen Obdachlosen anzuzünden. Sie müssen sich nun wegen versuchten Mordes vor einer Jugendstrafkammer verantworten. Foto: Paul Zinken
3 von 6
Im U-Bahnhof Schönleinstraße sollen am 24. Dezember 2016 mehrere junge Männer versucht haben, einen Obdachlosen anzuzünden. Sie müssen sich nun wegen versuchten Mordes vor einer Jugendstrafkammer verantworten. Foto: Paul Zinken
Eine Bank auf dem Bahnsteig des Berliner U-Bahnhofs Schönleinstraße. Hier hatten sieben junge Männer versucht, einen schlafenden Obdachlosen anzuzünden. Foto: Paul Zinken
4 von 6
Eine Bank auf dem Bahnsteig des Berliner U-Bahnhofs Schönleinstraße. Hier hatten sieben junge Männer versucht, einen schlafenden Obdachlosen anzuzünden. Foto: Paul Zinken
Rußspuren auf einer Sitzbank im U-Bahnhof Schönleinstraße. Foto: Paul Zinken
5 von 6
Rußspuren auf einer Sitzbank im U-Bahnhof Schönleinstraße. Foto: Paul Zinken
Eingang zur U-Bahnstation an der Schönleinstraße in Berlin. Foto: Paul Zinken
6 von 6
Eingang zur U-Bahnstation an der Schönleinstraße in Berlin. Foto: Paul Zinken

Ein Obdachloser schläft in der Nacht zum ersten Weihnachtstag in einem Berliner U-Bahnhof. Er bemerkt die laute Gruppe nicht. Plötzlich brennt es neben seinem Kopf. Nun stehen sieben Männer vor Gericht.

Berlin (dpa) - Der Obdachlose schlief fest, als neben ihm Flammen aufloderten: Junge Männer sollen in der Weihnachtsnacht in einem Berliner U-Bahnhof versucht haben, einen ahnungslosen Mann anzuzünden.

Unter großem Medienandrang hat rund vier Monate später der Prozess gegen sieben Angeklagte im Alter von 16 bis 21 Jahren begonnen. Sechs von ihnen wird versuchter Mord vorgeworfen.

Der 37-jährige Obdachlose hätte laut Anklage "qualvoll verbrennen können". Dem siebten Angeklagten wird unterlassene Hilfeleistung zur Last gelegt. Mehrere Verteidiger kündigten für ihre Mandanten Aussagen für den zweiten Prozesstag am Freitag an.

Nur das beherzte Eingreifen von Fahrgästen einer kurz nach dem mutmaßlichen Feueranschlag einfahrenden U-Bahn konnte im Kreuzberger U-Bahnhof Schönleinstraße Schlimmeres verhindern. "Sie weckten den Mann und löschten das Feuer", heißt es in der Anklage. Der Obdachlose aus Polen blieb unverletzt.

Von "Heimtücke und Grausamkeit" geht die Staatsanwaltschaft aus. Die jungen Männer hätten den Attackierten zwar nicht vorsätzlich umbringen wollen, aber seinen möglichen Tod "billigend in Kauf genommen". Zum möglichen Motiv sagte Staatsanwalt Martin Glage am Rande des Prozesses, es könnte auch Langeweile im Spiel gewesen sein.

Sechs Verdächtige stammen aus Syrien, einer aus Libyen. Die Angeklagten kamen nach Angaben von Ermittlern zwischen 2014 und 2016 als Flüchtlinge nach Deutschland - fünf als alleinreisende Minderjährige. Der Anwalt eines inzwischen 16-Jährigen sagte, es sei auch zu prüfen, "warum 15- und 16-Jährige mitten in der Nacht in Berlin unterwegs waren". Der Staat hätte sich um sie kümmern müssen.

Es war 01.55 Uhr, als die siebenköpfige Gruppe den Bahnsteig betrat. Bilder von Überwachungskameras belegen Angaben zufolge, wie sich einige der jungen Männer sechs Minuten später zu dem auf einer Bank schlafenden Obdachlosen umdrehten. Sie hätten sich "offensichtlich über ihn lustig gemacht". Der mutmaßliche Rädelsführer habe erst ein Stück Papier, dann ein Taschentuch mit einem Feuerzeug angezündet und es "unmittelbar neben dem Kopf" des 37-jährigen Polen gelegt. Die Angeklagten sollen den Plan spontan und gemeinsam gefasst haben.

Sechs der Männer befinden sich seit Ende Dezember in U-Haft. Mit jeweils zwei Anwälten an ihrer Seite saßen sie zu Beginn der Verhandlung am Dienstag im Gerichtssaal.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Horror-Unfall auf A81 nahe Heilbronn: Vier Tote, mehrere schwerstverletzt

Auf der A81 zwischen Würzburg und Heilbronn ist es zu einem schrecklichen Unfall gekommen. Die Autobahn ist komplett gesperrt. Die Polizei Heilbronn meldet aktuell vier …
Horror-Unfall auf A81 nahe Heilbronn: Vier Tote, mehrere schwerstverletzt

Polizei: Schwerer Unfall auf Autobahn 81

Die Polizei spricht von einem "riesengroßen Trümmerfeld": Mindestens zehn Autos rasen auf der Autobahn ineinander. Vier Menschen sterben.
Polizei: Schwerer Unfall auf Autobahn 81

Messer-Attacke in Lübecker Linienbus: Drei Schwerverletzte - Haftbefehl wegen Mordversuchs gegen Angreifer erlassen

In Lübeck ist es zu einer Messerattacke im Linienbus gekommen. Zehn Menschen wurden verletzt. Gegen den Angreifer wurde jetzt Haftbefehl wegen Mordversuchs erlassen.
Messer-Attacke in Lübecker Linienbus: Drei Schwerverletzte - Haftbefehl wegen Mordversuchs gegen Angreifer erlassen

Lübecker Messerangreifer in U-Haft

Nach der Gewalttat in einem Lübecker Linienbus sitzt der mutmaßliche Täter wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Über das Motiv rätseln die Ermittler weiter - …
Lübecker Messerangreifer in U-Haft

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.