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Psychologe warnt: „Wir erziehen eine Generation von unglücklichen Kindern“

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Von: Tanja Koch

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Auch die Konzentrationsfähigkeit und die Frustrationstoleranz bei Kindern soll zugenommen haben. (Symbolbild)
Auch die Konzentrationsfähigkeit und die Frustrationstoleranz bei Kindern soll zugenommen haben. (Symbolbild) © Sebastian Gollnow/dpa/Illustration

In seinem Buch „Generation lebensunfähig“ erklärt Psychologe und Philosoph Rüdiger Maas, inwiefern der aktuelle Zeitgeist Kindern schadet – und was er Eltern rät.

München – Weniger Kriege, Wohlstand, hohes Bewusstsein für Gesundheit und Psyche – eigentlich könnte man meinen, der Mensch müsste, zumindest in Europa, immer glücklicher werden. Doch offenbar waren Kinder nie so traurig wie heute. Das ergab, so berichtet sr.de, die Studie des Instituts für Generationenforschung über die „Generation Alpha“ – also über ab 2010 geborene Kinder.

Mit Eltern und Pädagogen habe man in der Studie über mehrere Jahre hinweg gesprochen, wie Studienleiter Rüdiger Maas erklärt. Mehr als 1000 Fachkräfte seien qualitativ befragt worden. „Wir untersuchen altersspezifische Einstellungen, Normen und Wahrnehmungen – vor allem aber, wie sich diese Dinge im Laufe der Zeit ändern“, zitiert Focus Online Maas. 

Das Ergebnis: Die junge Generation sei deutlich weniger selbstständig und leistungsfähig, immer mehr Kinder leiden an Symptomen von Angststörungen und Depressionen. „Kinder und Jugendliche sind unglücklicher als je zuvor – seit es Aufzeichnungen gibt. Also ungefähr seit den sechziger Jahren“, sagte Maas gegenüber Focus Online. Etwa ein Drittel der Kinder sei von Auffälligkeiten betroffen. Während der Corona-Pandemie* habe sich dies noch verstärkt.

In seinem Buch „Generation lebensunfähig“ schlüsselt der Generationenforscher, Psychologe und zweifache Vater die Gründe auf und erklärt, wie Eltern gegensteuern können.

„Generation lebensunfähig“: Psychologe Maas erklärt, wie zu besorgte Eltern und die Digitalisierung Kindern schaden

Zum einen sorge die Digitalisierung dafür, dass Kinder digital „zu viel bespielt“ werden. Während das lineare Fernsehen* die Geduld von Kindern trainiere, da sie etwa auf eine bestimmte Uhrzeit warten müssten, ermöglichen on-demand Angebote heute, Filme zu jeder Zeit abzuspielen.

Auch das unendliche Angebot, das die digitalisierte und globalisierte Welt von heute ermöglicht, mache unzufrieden. „Immer wenn wir viel angeboten bekommen, von etwas, das wir wollen, dann sind wir nie richtig glücklich mit der Entscheidung, die wir getroffen haben“, erklärt Maas.

Zudem würden Kinder von ihren Eltern in der analogen Welt „stark überbehütet“ und verwöhnt, wodurch sie ähnliche Auffälligkeiten zeigen wie vernachlässigte Kinder. Das hänge auch mit einem starken Druck aus der Gesellschaft zusammen, etwa immer das neueste technische Endgerät zu besitzen.

Dipl.-Psych. Rüdiger Maas, M.Sc., Leiter des Instituts für Generationenforschung.
Dipl.-Psych. Rüdiger Maas, M.Sc., Leiter des Instituts für Generationenforschung. © Adrian Beck/Institut für Generationenforschung

Rüdiger Maas: So verhindern Eltern, die „Generation lebensunfähig“ heranzuziehen

Der Psychologe und Philosoph kritisiert, dass Eltern heute häufig auf Augenhöhe erziehen wollten – dadurch allerdings nicht auf das Bedürfnis eines Kindes eingehen. Häufig seien Kinder davon überfordert, etwa mit der Entscheidung, wo die Familie Urlaub machen soll. Behandeln Eltern ihre Kinder wie Freunde und füllen ihre „Elternrolle nicht mehr“ aus, so würden Kinder in ihren Gefühlen kaum wahrgenommen.

Doch wie sollten sich Eltern stattdessen verhalten? „Wir müssen die Kinder ernst nehmen – und zwar als Kinder ernst nehmen“, erklärt Maas gegenüber Focus Online. Zudem sei es nötig, Kindern in der analogen Welt mehr Freiheiten zu lassen, in der digitalen Welt jedoch stärker zu begleiten. (tk) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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