Gletscherabbruch

Sturzflut in Indien: Mindestens 26 Tote

Rettungsarbeiten
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Mitarbeiter der indisch-tibetischen Grenzpolizei (ITBP) setzen ihre Rettungsarbeiten fort.
Fluten durch Gletscher
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Einsatzkräfte bei der Rettung von Arbeitern an einem der Wasserkraftwerke im indischen Reni.
Sturzflut nach Gletscherabbruch
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Ein Teil des Nanda-Devi-Gletschers ist abgebrochen und in den Fluss gefallen.
Fluten durch Gletscher
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Massive Sturzflut im Chamoli-Distrikt im nördlichen Bundesstaat Uttarakhand.
Rettungskräfte
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Rettungskräfte seilen sich einen Berghang nahe der Unfallstelle herab.

Die Suche nach Überlebenden dauert an. Ob Arbeiter in einem langen Tunnel noch leben, ist unklar. Hinter der Sturzflut in Indien könnte der Klimawandel stecken.

Neu Delhi (dpa) - Nach einer massiven Sturzflut in Indien ist die Opferzahl auf mindestens 26 Tote gestiegen. 171 Menschen wurden vermisst. Ein riesiger Gletscher war am Sonntagmorgen von einem Berg in den Himalayas abgebrochen und in einen Fluss gestürzt.

Mindestens 34 Arbeiter sollen nach Behördenangaben noch in einem 2,5 Kilometer langen Tunnel eines Kraftwerks eingeschlossen sein, das von den Wasser- und Schlammmassen beschädigt worden ist. Sie hofften, dass die Männer noch am Leben sind, hatten jedoch zunächst noch keinen Kontakt mit ihnen, sagte Energieminister RK Singh.

Das schroffe Terrain, die Kälte, der Schlamm und die Trümmer im Tunnel seien eine große Herausforderung für die Rettungskräfte. Bis Montagnachmittag (Ortszeit) konnten sie rund 70 Meter im Tunnel freikriegen.

Der Vorfall ereignete sich auf gut 2000 Meter über dem Meer im nordindischen Bundesstaat Uttarakhand. Die Sturzflut beschädigte zwei Elektrizitätswerke sowie fünf Brücken und schwemmten Straßen und Häuser weg. Da sich der gesamte Gletscher flussabwärts bewegte, seien Menschen in tieferliegenden Dörfern in Sicherheit gebracht worden.

Einige indische Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Sturzflut mit dem Klimawandel und dem Gletscherschmelzen sowie der raschen Entwicklung der Region zusammenhängen könnten. So hat der Bau von breiteren Straßen und Kraftwerken die Region womöglich gefährdeter gemacht. In der hügeligen Landschaft gibt es immer wieder Unglücke. Bei besonders starkem Monsunregen 2013 etwa starben mehr als 6000 Menschen. Von Greenpeace in Indien hieß es, dass das Land nach der jetzigen Flut und derjenigen von 2013 sein Entwicklungsmodell der Himalaya-Region überdenken müsse.

Einige deutsche Wissenschaftler glauben, dass die Sturzflut mit einem massiven Lawinenabgang 2016 zusammenhängen könnte. «Große Eismengen, die aus dieser Zeit noch immer im dortigen Talboden gelagert waren, könnten durch den am Sonntag herabgestürzten Gletscher in Bewegung gebracht worden sein», sagte Geografieprofessor Marcus Nüsser vom Heidelberger Südasien-Institut der Deutschen Presse-Agentur. Den Forschern liegen eigenen Angaben zufolge hochauflösende Satellitenbilder zu dem Vorfall auf etwa 3400 Meter über dem Meer vor.

In der Nähe des Gletscherabsturzes befindet sich mit dem 7816 Meter hohen Nanda Devi der höchste Berg, der vollständig auf indischem Territorium liegt. Die Bilder zeigten etwa, dass es in der Region während der vergangenen Tage starke Schneefälle gegeben hat, sagte Nüsser. Zudem habe sich an dem abgestützten Gletscher während der vergangenen Monate ein Riss abgezeichnet. «Das Unglück war so aber nicht unbedingt zu erwarten, da Abstürze solcher Gletscher während der Wintermonate nicht die Regel sind», sagte Nüsser, der mit seinem Team Gletscher in Indien, Pakistan und Nepal erforscht.

Es spreche einiges dafür, dass der Absturz mit der Erderwärmung zusammenhängen könnte. Unklar sei indes, wie die Masse aus Wasser und Schlamm entstehen konnte. «Wir vermuten, der herabgestürzte Gletscher könnte durch den Einschlag und die damit erzeugte Reibungsenergie das gefrorene Wasser in den Ablagerungen der früheren Lawine im Talboden geschmolzen haben», sagte Nüsser. Dies könnte dazu geführt haben, dass die Sturzflut so enorm gewesen sei.

Insgesamt sind bei der Sturzflut nach Behördenangaben die meisten Toten und Vermissten Mitarbeiter der Elektrizitätswerke. Rund 25 hätten gerettet werden können. Der Sachschaden betrug geschätzte 228 Millionen Euro (20 Milliarden Rupien), sagte der Regierungschef des betroffenen Bundesstaates, Trivendra Singh Rawat.

© dpa-infocom, dpa:210207-99-337466/9

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