Retortenstadt als Testfeld

Toyota will eigene kleine Stadt der Zukunft bauen

Toyota-Chef Akio Toyoda zusammmen mit dem dänischen Architekten Bjarke Ingels auf der Technik-Messe CES. Foto: Ross D. Franklin/AP/dpa
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Toyota-Chef Akio Toyoda zusammmen mit dem dänischen Architekten Bjarke Ingels auf der Technik-Messe CES. Foto: Ross D. Franklin/AP/dpa

Der Autokonzern Toyota hat einen ambitionierten Plan für eine stillgelegte Fabrik in Japan: Auf dem Gelände soll eine Retortenstadt entstehen, in der neue Technik von Roboterautos bis zu Brennstoffzellen-Kraftwerken ausprobiert wird.

Las Vegas (dpa) - Toyota will eine experimentelle Stadt der Zukunft in Japan bauen, um Technologien wie das autonome Fahren verstärkt in realen Umgebungen zu testen.

Dafür soll das Gelände einer stillgelegten Fabrik des Autobauers in der Nähe des Bergs Fuji umgebaut werden, wie Firmenchef Akio Toyoda am Montag auf der Technik-Messe CES in Las Vegas ankündigte. In der kompakten «Woven City» («Verflochtene Stadt») sollten zunächst rund 2000 Menschen leben - unter anderem Toyota-Mitarbeiter mit ihren Familien, Ruheständler und Forscher. Die Grundsteinlegung sei für kommendes Jahr geplant.

Das Gelände hat den Angaben zufolge eine Fläche von gut 70 Hektar. Als Stadtplaner wurde der dänische Star-Architekt Bjarke Ingels engagiert. Eine Grundidee des Konzepts sei, dass Fußgänger, Radfahrer und Autos auf intelligente Weise die Straßen teilen könnten, sagte Ingels in Las Vegas. Ein großer Teil der Infrastruktur - zum Beispiel Brennstoffzellen-Anlagen für die Energie-Gewinnung - werde unter die Erde verlegt. Die Gebäude sollen aus Holz gebaut und mit Solarzellen auf dem Dach versehen werden.

Eine zentrale Rolle in dem Konzept spielen Toyotas autonome Mehrzweck-Fahrzeuge, die zum Transport von Menschen, aber auch als mobile Geschäfte oder Büros eingesetzt werden können. Die kastenförmigen Wagen mit dem Namen e-Palette hatte der Konzern vor zwei Jahren in Las Vegas vorgestellt. Am Montag stellte der südkoreanische Konkurrent Hyundai ein ähnliches Konzept mit dem Namen S-Link vor.

Für ihn sei der Aufbau einer Zukunftsstadt ein Lebenstraum, sagte der 63-jährige Konzernchef Toyoda. Er sehe ein, dass es Skeptiker geben werde: «Hat dieser Mann den Verstand verloren? Hält er sich für eine Art japanischen Willy Wonka?», scherzte Toyoda in Anspielung auf die Figur aus «Charlie und die Schokoladenfabrik». Er sei aber überzeugt, dass alle von dem Projekt profitieren würden, weil man das Zusammenspiel verschiedener Technologien an einem Ort erforschen könne. Er lade daher auch andere ein, an der Stadt mitzuarbeiten.

Toyota ist nicht der erste Technologie-Konzern, der den Aufbau einer Stadt-Infrastruktur versucht. Google kündigte bereits 2017 ein ähnliches Projekt in der kanadischen Metropole Toronto an, allerdings nur auf einer Fläche von knapp fünf Hektar.

Toyotas Stadt-Projekt war die ambitionierteste Ankündigung zum Auftakt der CES. Zugleich wurde deutlich, wie Pläne für die Roboterwagen-Zukunft immer konkretere Gestalt annehmen. Das zeigt sich auch daran, dass neue Player in die Branche drängen. So kündigte der Chip-Konzern Qualcomm den Einstieg ins Geschäft mit Computern für automatisiertes Fahren und Robotaxis an. Erste Fahrzeuge mit Qualcomm-Systemen sollen zum Jahr 2023 auf die Straße kommen. Der chinesische Drohnen-Spezialist DJI will den Markt für Laserradare, mit denen Roboterwagen ihre Umgebung abtasten, mit deutlich günstigeren Geräten als bisher aufmischen.

Der Zulieferer ZF hingegen sieht die Zeit noch nicht reif für komplett selbstfahrende Autos und will sich daher zunächst auf intelligente und zugleich bezahlbare Fahrerassistenzsysteme für die breite Masse konzentrieren. Bei Autos sehe man in teilautomatisierten Systemen aktuell das größte Potenzial, erklärte Vorstandschef Wolf-Henning Scheider auf der CES.

Gegen höhere Automatisierungslevel bei Pkw sprechen laut ZF aktuell die hohen Kosten sowie nicht geklärte rechtliche Rahmenbedingungen. «Bei Nutzfahrzeugen sehen wir dagegen schon jetzt eine Nachfrage nach Systemen, die vollautomatisiertes Fahren nach Level 4 und höher in wenigen Jahren möglich machen», sagte Scheider. Level 4 bedeutet vollautomatisches Fahren, das Auto fährt also allein und braucht nur noch zur Sicherheit einen Fahrer, der im Notfall eingreifen könnte. Die höchste Stufe 5 meint komplett autonomes Fahren ohne Fahrer an Bord.

Lastwagen oder Busse etwa könnten schon heute in geschlossenen Arealen oder auf abgegrenzten Spuren vollautomatisiert fahren, sagte Scheider. In diesen Fällen ließen sich die hohen Kosten für die Systeme rasch wieder reinholen.

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